Hörgesundheit

Kombinierter Hörverlust: Ursachen, Symptome und Behandlung

Kombinierter Hörverlust bezeichnet das gleichzeitige Auftreten von Schallleitungsschwerhörigkeit (Außen- und/oder Mittelohr betroffen) und Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohr betroffen) im selben Ohr. Geräusche können dann zu leise und unverständlich wirken, selbst wenn sie eigentlich laut genug sind.

A patient and doctor talking about mixed hearing loss

In diesem Artikel erfahren Sie mehr über Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten – einschließlich Hörgeräten und Implantaten. Wenn Sie bei sich oder bei einer nahestehenden Person Anzeichen für einen Hörverlust bemerken, lesen Sie weiter, um herauszufinden, was dahintersteckt und was Sie als nächstes tun können.

Kombinierter Hörverlust: Das sollten Sie wissen

  • Kombinierter Hörverlust liegt vor, wenn sowohl eine Schallleitungsschwerhörigkeit (Außen- oder Mittelohr) als auch eine Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohr) dasselbe Ohr betreffen.
  • Er kann dazu führen, dass Geräusche leiser klingen und schwerer zu verstehen sind – besonders in lauten Umgebungen.
  • Wenn Sie Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten kennen, können Sie die richtigen Schritte zu besserem Hören und besserer Kommunikation setzen.

Was ist kombinierter Hörverlust?

Kombinierter Hörverlust ist eine Kombination aus:

  • Schallleitungsschwerhörigkeit, verursacht durch ein Problem im Außen- und/oder Mittelohr, das die effiziente Weiterleitung von Schall verhindert
  • Schallempfindungsschwerhörigkeit, verursacht durch Veränderungen im Innenohr (Cochlea) oder am Hörnerv, die die Übertragung von Schall beeinträchtigen

Meist ist die Schallempfindungsschwerhörigkeit des kombinierten Hörverlusts dauerhaft. Der schallleitende Anteil (Außen- oder Mittelohr) kann – je nach Ursache – vorübergehend oder heilbar sein.

Um besser zu verstehen, wie sich ein kombinierter Hörverlust von anderen Arten des Hörverlusts unterscheidet, sehen Sie folgenden Vergleich:

Art des Hörverlusts Ort des Problems Was passiert mit dem Schall Häufige Ursachen Behandelbar?
Schallleitungs-
schwerhörigkeit
Äußeres oder mittleres Ohr Schall gelangt nicht effizient ins Innenohr Ohrinfektionen, Flüssigkeit im Mittelohr, Ohrenschmalz, Trommelfellschäden Oft behandelbar
Schallempfindungs-schwerhörigkeit Innenohr oder Hörnerv Schall wird nicht klar verarbeitet Alter, Lärm, Medikamente, genetische Faktoren Meist dauerhaft
Kombinierter Hörverlust Außen-/Mittelohr + Innenohr/Hörnerv Schall ist leiser und verzerrt Kombination aus beiden Ursachen Teilweise behandelbar

Anzeichen und Symptome von kombiniertem Hörverlust

Die Symptome können leicht bis schwer sein und führen oft zu verringerter Lautstärke und Klarheit.

Häufige Symptome von kombiniertem Hörverlust sind:

  • Der Klang wird mit mehr Lautstärke hörbarer, aber nicht gänzlich klar
  • Gedämpftes und verzerrtes Hören

Auswirkungen von kombiniertem Hörverlust im Alltag:

  • Teile von Gesprächen werden verpasst
  • Meiden von lauten Umgebungen
  • Frustration, Verlegenheit oder das Gefühl, ausgeschlossen zu sein
  • Rückzug aus sozialen Situationen

Diese Erfahrungen sind häufig – und sie sind auch gute Gründe, sich Unterstützung zu holen. Gut zu hören bedeutet, mit seiner Umwelt verbunden zu sein, sich sicher zu fühlen und dazuzugehören.

Risikofaktoren und Ursachen von kombiniertem Hörverlust

Kombinierter Hörverlust entsteht durch eine Kombination verschiedener Probleme: Manche betreffen Außen– oder Mittelohr, andere das Innenohr oder den Hörnerv. Oft gibt es nicht die eine einzelne Ursache – vielmehr kommen mehrere Faktoren über die Zeit zusammen.

Häufige Ursachen von kombiniertem Hörverlust:

  • Blockaden im Ohr: Infektionen, Flüssigkeit, Ohrenschmalz, Fremdkörper, Otosklerose
  • Innenohrveränderungen: Alterungsprozesse, Lärmbelastung
  • Medizinische Faktoren: Erkrankungen, Medikamente, Verletzungen, Durchblutungsstörungen
  • Genetik: Vererbte Faktoren

Bei vielen Menschen entwickelt sich kombinierter Hörverlust schleichend. Eine gründliche medizinische Abklärung hilft dabei festzustellen, welche Ursachen vorliegen und welche Anteile des Hörverlusts behandelbar sind.

Wie wird kombinierter Hörverlust diagnostiziert?

Ein umfassender Hörtest durch HNO-medizinische Fachpersonen steht bei Verdacht auf kombinierten Hörverlust am Beginn der Diagnose.

Bei der Untersuchung werden Sie typischerweise…

  • … in einem ruhigen Raum oder einer Hörkabine sitzen
  • … über Kopfhörer Töne hören und ein Zeichen geben, sobald Sie etwas wahrnehmen
  • … Ergebnisse werden als leiseste hörbare Töne bei verschiedenen Tonhöhen dokumentiert, gemessen in Dezibel (dB HL)

Diese Ergebnisse werden in einem Audiogramm (Hörkurve) dargestellt. Das Audiogramm hilft zu erkennen, welche Art von Hörverlust vorliegt.

Ein wichtiger Hinweis auf kombinierten Hörverlust ist die Luft-Knochen-Differenz:

  • Messungen der Luftleitungsschwellen zeigen, wie Sie über Kopfhörer hören (Schall durch Gehörgang und Mittelohr)
  • Messungen der Knochenleitungsschwellen zeigen, wie Sie über ein kleines vibrierendes Gerät hören, das hinter dem Ohr auf der Haut angebracht wird. Es leitet den Schall über den Schädelknochen zum Innenohr und umgeht so den natürlichen Weg des Schalls durch Gehörgang und Mittelohr.

Wenn die Knochenleitungswerte besser sind als die Luftleitungswerte, deutet dies auf einen schallleitenden Anteil des Hörverlusts hin.

Hörverlust wird außerdem in unterschiedliche Schweregrad eingeteilt – leicht, mittelgradig, schwer, hochgradig, an Taubheit grenzend – basierend auf den Luftleitungsschwellen im Audiogramm.

Nur professionelle Tests können einen kombinierten Hörverlust bestätigen und die Behandlung gezielt steuern.

Behandlungsmöglichkeiten bei kombiniertem Hörverlust

Grundsätzlich geht es bei der Behandlung eines kombinierten Hörverlusts darum, Schallleitungsstörung und Schallempfindungsstörung getrennt voneinander zu betrachten.

Möglichkeiten, den Schallleitungsanteil zu behandeln:

  • Medikamente oder andere Therapien bei Ohrentzündungen und Flüssigkeit im Mittelohr und/oder zur Verbesserung der Funktion der Eustachischen Röhre
  • Entfernen von Ohrenschmalz oder Fremdkörpern, welche den Gehörgang blockieren
  • Chirurgische Entfernung von pathologisch veränderten Strukturen im Mittelohr sowie Reparatur des Trommelfells oder der Gehörknöchelchen, falls diese geschädigt sind

Nicht immer lässt sich die Schallleitungsstörung als Teil des kombinierten Hörverlusts beseitigen. In solchen Fällen konzentriert sich die Behandlung auf die Verstärkung des Schalls durch Hörsysteme, um eine Verbesserung von Kommunikation und Lebensqualität zu erreichen.

Hörgeräte

Hörgeräte verstärken Schall und sind für viele Menschen mit kombiniertem Hörverlust eine erste Option. Ihr Nutzen ist jedoch begrenzt, wenn der schallleitende Anteil groß ist oder sich nicht korrigieren lässt, wenn die Ohranatomie durch frühere Operationen verändert wurde oder wenn die Knochenleitungswerte in den hohen Frequenzen zu schlecht sind.

Knochenleitungs- und Mittelohrimplantate

Wenn herkömmliche Hörgeräte nicht ausreichen oder Probleme im Gehörgang oder Mittelohr das Tragen von Hörgeräten erschweren, können implantierbare Optionen in Betracht gezogen werden:

  • Knochenleitungslösungen übertragen Schall durch Vibration des Knochens, sodass der Schall das Innenohr direkt erreichen kann und Veränderungen im Außen- oder Mittelohr umgangen werden.
  • Mittelohrimplantate können helfen, Schall zu übertragen, indem sie Strukturen im Mittelohr in Schwingung versetzen.

Diese Optionen können bei bestimmten Formen von kombiniertem Hörverlust relevant sein. Ob solche Systeme geeignet sind, wird von Experten anhand von Hörtests und einer medizinischen Beurteilung geprüft.

Knochenleitungsimplantate
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Mittelohrimplantate
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Knochenleitungshörsystem
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Cochlea-Implantate

Wenn die Schallempfindungsschwerhörigkeit stark ausgeprägt ist und Hörgeräte keinen ausreichenden Nutzen bringen, kann ein Cochlea-Implantat eine geeignete Lösung sein. Ein Cochlea-Implantat umgeht die geschädigten Bereiche im Innenohr und stimuliert den Hörnerv direkt. Ob ein Implantat die richtige Therapieoption ist, hängt vom Schweregrad des Hörverlust und vom Hörerfolg mit dem nicht implantierbaren Hörgerät ab.

Cochlea-Implantate
Cochlea-Implantate
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Ist ein kombinierter Hörverlust dauerhaft?

Welcher Anteil ist meist dauerhaft?

Die Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohr oder Hörnerv) ist meist dauerhaft und kann sich mit zunehmendem Alter oder als Folge von Erkrankungen verschlechtern.

Was kann sich verbessern?

Die Schallleitungsschwerhörigkeit (Außen- oder Mittelohr) kann – je nach Ursache – durch konservative oder chirurgische Therapie behoben werden.

Kann sich kombinierter Hörverlust verschlimmern?

Ja, ein kombinierter Hörverlust kann im Laufe der Zeit zunehmen, wenn sich die Schallempfindungsstörung im Innenohr verschlechtert.

Kann kombinierter Hörverlust schwanken?

Ja, Probleme in der Schallleitung, z. B. Flüssigkeit im Mittelohr oder Entzündungen, können mal leichter und mal schwerer ausgeprägt sein. Das Hören kann also an manchen Tagen besser funktionieren als an anderen.

Auch wenn ein kombinierter Hörverlust dauerhaft ist, können moderne Hörtechnologie und medizinische Versorgung häufig zu einer deutlichen Verbesserung von Kommunikation und Lebensqualität beitragen.

Leben mit kombiniertem Hörverlust: Die nächsten Schritte

Ein kombinierter Hörverlust kann herausfordernd sein. Wenn Sie diese Anzeichen für kombinierten Hörverlust bemerken, vereinbaren Sie einen Termin bei einem Audiologen oder einer HNO-Ärztin:

  • Anhaltende Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen
  • Häufiges Höherdrehen der Lautstärke von Fernseher oder Smartphone
  • Anhaltende Ohrprobleme
  • Plötzliche Veränderungen des Hörens

Vor dem Termin kann Folgendes helfen:

  • Notieren Sie Ihre wichtigsten Symptome und seit wann diese bestehen
  • Machen Sie eine Liste Ihrer Medikamente und gesundheitlichen Erkrankungen
  • Schreiben Sie Fragen zu Diagnose, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten auf (auch dazu, ob Hörgeräte oder Implantate helfen könnten)
  • Bringen Sie ein Familienmitglied oder eine andere Vertrauensperson mit – als mentale Unterstützung und auch, um sich alle Informationen besser zu merken

Langfristige Unterstützung ist ebenso wichtig: Nutzen Sie Reha-Tipps aus vertrauenswürdigen Quellen, gehen Sie zu Kontrollterminen und holen Sie persönliche Erfahrungen von Menschen mit Hörverlust und Hörimplantaten ein.

Ein Hörtest ist ein einfacher erster Schritt zu Diagnose, Behandlung, besserem Hören und mehr Lebensqualität.

Bereit für den nächsten Schritt?

Bei Fragen zu den Ursachen von Hörverlust oder zu Behandlungsmöglichkeiten sind wir gerne für Sie da.

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