Dr. Yi Ge, MED-EL
Veröffentlicht Jul 16, 2026
Schwerhörigkeit bei Babys: Ursachen, Symptome & Behandlung
Schwerhörigkeit bei Babys bedeutet, dass ein Baby Geräusche nicht wie erwartet hören kann – entweder mit einem Ohr oder beidseitig. Im Alltag kann sich dies dadurch zeigen, dass ein Baby nicht auf Stimmen und Geräusche reagiert oder Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten langsamer entwickelt.
Wenn Sie sich Sorgen um das Hörvermögen Ihres Babys machen, erfahren Sie in diesem Artikel mehr über erste Anzeichen, mögliche Ursachen, das Neugeborenen-Hörscreening, einseitige Schwerhörigkeit sowie Behandlungsmöglichkeiten.
Was Sie über Schwerhörigkeit bei Babys wissen sollten
- Schwerhörigkeit bei Babys kann bereits bei der Geburt vorhanden sein oder sich später entwickeln.
- Erste Anzeichen sind ein deutlich verspätetes Einsetzen des Lallens und Lautierens sowie fehlende Reaktionen auf Geräusche.
- Die Ursachen reichen von genetischen Faktoren bis hin zu vorübergehenden Problemen wie Flüssigkeit im Ohr.
- Das Neugeborenen-Hörscreening hilft dabei, Hörverlust frühzeitig zu erkennen.
- Eine frühe Diagnose und rasche Unterstützung können die Sprach- und Kommunikationsentwicklung fördern.
Was ist Schwerhörigkeit bei Babys?
Schwerhörigkeit bei Babys bezeichnet die eingeschränkte oder fehlende Fähigkeit, Geräusche wahrzunehmen. Sie kann ein Ohr (einseitig) oder beide Ohren (beidseitig) betreffen und vorübergehend oder dauerhaft sein.
Das Hören spielt eine entscheidende Rolle für die Sprach- und Kommunikationsentwicklung. Deshalb ist es wichtig, Hörprobleme frühzeitig zu erkennen.
Vorübergehende und dauerhafte Schwerhörigkeit bei Babys
| Ursache | Behandlung | |
| Vorübergehende Schwerhörigkeit | Häufig verursacht durch Flüssigkeit im Mittelohr, Ohrinfektionen oder Verstopfungen im Gehörgang | Sie kann sich durch medizinische Behandlung verbessern |
| Dauerhafte Schwerhörigkeit | Verursacht durch Schädigungen des Innenohrs oder des Hörnervs | Sie erfordert eine langfristige Betreuung und Versorgung |
Nur eine fachärztliche Diagnose kann zuverlässig feststellen, um welche Art von Hörverlust es sich handelt.
Arten von Hörverlust bei Babys
- Schallleitungsschwerhörigkeit: Schall gelangt nicht durch das Außen- oder Mittelohr.
- Schallempfindungsschwerhörigkeit: Das Innenohr oder der Hörnerv sind geschädigt.
- Kombinierte Schwerhörigkeit: Kombination aus Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit
- Auditorische Neuropathie-Spektrum-Störung (ANSD): Schall erreicht zwar das Innenohr, wird aber nicht korrekt verarbeitet.
Anzeichen für Schwerhörigkeit bei Säuglingen und Kleinkindern
Das Erkennen der ersten Anzeichen von Schwerhörigkeit bei Babys ist entscheidend. Diese Anzeichen stehen häufig im Zusammenhang mit wichtigen Entwicklungsmeilensteinen und können je nach Alter unterschiedlich ausfallen.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass mit dem Hörvermögen Ihres Kindes etwas nicht stimmt, vertrauen Sie auf Ihren elterlichen Instinkt.
Geburt bis 3 Monate:
- Reagiert nicht auf laute Geräusche
- Reagiert nicht auf Stimmen
- Beruhigt sich nicht durch die Stimmen von Bezugspersonen
3 bis 6 Monate:
- Dreht sich nicht in Richtung von Geräuschen
- Lallt oder vokalisiert nur wenig
- Reagiert nicht auf Veränderungen im Tonfall
6 bis 12 Monate und Kleinkindalter:
- Reagiert nicht auf den eigenen Namen
- Reagiert nur auf manche Geräusche
- Verzögerte Sprachentwicklung
Ursachen von Schwerhörigkeit bei Babys
Die häufigsten Ursachen für Taubheit bei der Geburt sind genetische Faktoren, Infektionen während der Schwangerschaft oder Komplikationen rund um die Geburt.
Im Allgemeinen kann Schwerhörigkeit bei Babys durch einen oder mehrere der folgenden Faktoren verursacht werden:
- Genetik oder familiäre Vorbelastung
Viele Fälle von Schwerhörigkeit bei Babys sind erblich bedingt – selbst dann, wenn keine bekannten Hörprobleme in der Familie vorliegen.
- Angeborene Infektionen (z. B. CMV, Röteln oder Herpes)
Bestimmte Infektionen während der Schwangerschaft – darunter angeborenes CMV (Cytomegalievirus), Röteln, Herpes oder Toxoplasmose – können die Entwicklung des Innenohrs oder des Hörnervs beeinträchtigen und zu einer dauerhaften und/oder fortschreitenden Schwerhörigkeit führen.
- Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht
Babys, die zu früh geboren werden oder ein sehr niedriges Geburtsgewicht haben, tragen ein erhöhtes Risiko für Hörverlust – insbesondere dann, wenn sie nach der Geburt intensivmedizinisch betreut werden müssen.
- Risikofaktoren im Zusammenhang mit einem Aufenthalt auf der Neugeborenen-Intensivstation
Bei manchen Babys, die auf einer Neugeborenen-Intensivstation behandelt werden, kann es aufgrund von Sauerstoffmangel, schweren Infektionen oder gehörschädigenden Medikamenten zu Hörverlust kommen.
- Gelbsucht oder Sauerstoffmangel
Eine schwere Neugeborenengelbsucht oder ein verminderter Sauerstoffgehalt während der Geburt kann Teile des Hörsystems schädigen.
- Anatomische Besonderheiten des Ohrs
Manche Babys werden mit Veränderungen im Außenohr, Mittelohr oder Innenohr geboren, die die Weiterleitung des Schalls zum Gehirn beeinträchtigen können.
- Einnahme bestimmter Medikamente
In einigen Fällen kann der Kontakt mit ototoxischen (gehörschädigenden) Medikamenten – entweder während der Schwangerschaft oder nach der Geburt – das Hörvermögen beeinträchtigen.
- Vorübergehende Ursachen wie Flüssigkeit im Ohr oder Ohrinfektionen
Flüssigkeit im Mittelohr oder wiederkehrende Ohrinfektionen können insbesondere bei kleinen Kindern vorübergehende Hörprobleme verursachen.
In manchen Fällen lässt sich die genaue Ursache nicht eindeutig feststellen. Unabhängig vom Auslöser sind eine frühzeitige Diagnose und medizinische Unterstützung entscheidend, um die Entwicklung von Sprache, Kommunikation und Hörfähigkeiten bestmöglich zu fördern.
Neugeborenen-Hörscreening und Diagnose
Die meisten Babys durchlaufen kurz nach der Geburt ein Hörscreening. Gängige Untersuchungen sind:
- OAE (Otoakustische Emissionen): Messung der Reaktion des Innenohrs auf Schall
- ABR (Hirnstammaudiometrie): Messung der Reaktion des Gehirns auf Schall
Mögliche Ergebnisse:
- Unauffällig (Pass): Zum Zeitpunkt der Untersuchung wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.
- Kontrollbedürftig (Refer): Es sind weitere Untersuchungen erforderlich.
Kann ein Baby das Screening bestehen und später dennoch schwerhörig werden?
Ja. Manche Kinder entwickeln einen später einsetzenden oder fortschreitenden Hörverlust. Deshalb sollten Eltern die Hör-, Sprach- und Kommunikationsentwicklung ihres Kindes weiterhin beobachten.
Was tun, wenn Ihr Baby den Hörtest nicht besteht?
Ein auffälliges Screening bedeutet nicht automatisch, dass eine dauerhafte Schwerhörigkeit vorliegt. Flüssigkeit im Ohr oder Bewegungen während der Untersuchung können das Ergebnis beeinflussen. Wichtig ist jedoch eine zeitnahe Nachuntersuchung.
Die 1-3-6-Regel:
- Screening bis zum 1. Lebensmonat
- Diagnose bis zum 3. Lebensmonat
- Frühförderung bis zum 6. Lebensmonat
Hörlösungen für Kinder
Für Kinder mit Hörverlust können Cochlea-Implantate eine mögliche Lösung sein.
Mehr erfahrenEinseitige Schwerhörigkeit bei Babys
Einseitige Schwerhörigkeit bei Babys, auch unilaterale Schwerhörigkeit genannt, bedeutet, dass ein Baby auf einem Ohr hören kann, auf dem anderen jedoch nicht.
Auch wenn ein Ohr funktioniert, kann diese Form der Schwerhörigkeit gravierende Auswirkungen haben auf:
- Richtungshören – also zu erkennen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt
- Hören in lauten Umgebungen
- Sprach- und Kommunikationsentwicklung
- Entwicklung der Hörbahnen im Gehirn, da das Gehirn von beiden Ohren unterschiedlich viele Höreindrücke erhält
In den ersten Lebensjahren ist das Gehirn auf Höreindrücke von beiden Ohren angewiesen, damit sich ausgeglichene Hörbahnen entwickeln können. Wenn das Hören auf einem Ohr eingeschränkt ist, kann dies die Schallverarbeitung im Gehirn langfristig beeinträchtigen.
Ein Baby, das auf einem Ohr taub ist, kann von früher Unterstützung und regelmäßiger Beobachtung profitieren.
Behandlung von Schwerhörigkeit bei Babys
Die Behandlung hängt von Ursache, Art und Ausprägung der Schwerhörigkeit ab.
Optionen sind:
Medizinische Behandlung vorübergehender Ursachen
Manche Hörprobleme, die durch Flüssigkeitsansammlungen oder Ohrinfektionen entstehen, können sich durch Medikamente oder Eingriffe
Frühförderprogramme
Unterstützung beim Sprechen, Sprachverstehen und Hören kann Babys dabei helfen, in wichtigen Entwicklungsphasen Kommunikationsfähigkeiten aufzubauen.
Unterstützung durch Fachpersonen
Fachpersonen aus Audiologie, HNO-Medizin und Frühförderung können Familien dabei helfen, Hörtestergebnisse zu verstehen und den passenden Behandlungsplan
Hörgeräte
Hörgeräte können Babys mit leichter bis mittlerer Schwerhörigkeit dabei unterstützen, Geräusche und Sprache klarer wahrzunehmen.
Cochlea-Implantate
Für Babys und Kinder mit schwerer bis an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit können Cochlea-Implantate den Zugang zu Klang ermöglichen, wenn Hörgeräte nicht ausreichen.
Cochlea-Implantate
Mehr zu Cochlea-ImplantatenDer wichtigste Faktor ist Zeit: Frühzeitiges Handeln kann den Spracherwerb und andere Aspekte der kindlichen Entwicklung deutlich verbessern.
Was Eltern als Nächstes tun sollten
Wenn Sie sich Sorgen um das Hörvermögen Ihres Babys machen:
- Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder einem Audiologen.
- Nehmen Sie Folgetermine nach dem Neugeborenen-Hörscreening
- Beobachten Sie die Hör- und Sprechentwicklung Ihres Babys.
- Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung.
Schwerhörigkeit bei Ihrem Baby kann sich zunächst wie eine unüberwindbare Barriere anfühlen. Doch mit früher Diagnose, fachlicher Begleitung und der richtigen Unterstützung können Kinder starke Kommunikationsfähigkeiten entwickeln.
Wie kann ich mein Kind unterstützen?
Sie möchten herausfinden, ob Ihr Kind einen Hörverlust hat? Erfahren Sie mehr über die Anzeichen, auf die Sie achten sollten, und über die nächsten Schritte, um das Gehör Ihres Kindes überprüfen zu lassen.
Kontakt aufnehmenHäufig gestellte Fragen
Erste Anzeichen können sein, dass ein Baby bei lauten Geräuschen nicht erschrickt, sich nicht zu Stimmen hinwendet, nicht auf seinen Namen reagiert, erst spät Laute von sich gibt und eine verzögerte Sprachentwicklung zeigt. Die Anzeichen können je nach Alter unterschiedlich sein. Deshalb ist es wichtig, die Hör- und Kommunikationsentwicklung im Laufe der Zeit zu beobachten.
Ein „Refer“-Ergebnis bedeutet, dass Ihr Baby eine Nachuntersuchung benötigt. Es bedeutet nicht automatisch, dass eine dauerhafte Schwerhörigkeit vorliegt. Dennoch ist es wichtig, die nächste Untersuchung zeitnah zu vereinbaren, damit Fachpersonen den Hörbedarf Ihres Babys besser einschätzen können.
Ja. Ein Baby kann das Neugeborenen-Hörscreening bestehen und später dennoch einen Hörverlust entwickeln. Dies wird als später einsetzender oder fortschreitender Hörverlust bezeichnet. Deshalb sollten Eltern die Hör-, Sprach- und Kommunikationsentwicklung ihres Kindes weiterhin beobachten.
Schwerhörigkeit bei Babys kann durch genetische Faktoren, Infektionen während der Schwangerschaft, Frühgeburt, Risikofaktoren auf der Neugeborenen-Intensivstation, Gelbsucht, anatomische Besonderheiten des Ohrs oder vorübergehende Ursachen wie Flüssigkeit im Ohr oder Ohrinfektionen entstehen. In manchen Fällen lässt sich die genaue Ursache nicht feststellen.
Die Behandlung hängt von der Ursache und dem Schweregrad des Hörverlusts ab. Therapeutische Optionen umfassen Medikamente, Eingriffe, Hörgeräte, gegebenenfalls Cochlea-Implantate, Sprach- und Hörförderung sowie die professionelle Betreuung durch spezialisierte Fachpersonen. Frühzeitige Unterstützung kann die Kommunikations- und Sprachentwicklung unterstützen.
Referenzen
Dr. Yi Ge
Dr. Yi Ge is a certified otolaryngologist. Since joining MED-EL in 2003, she has held various roles across clinical, regulatory, and medical affairs. Currently, Dr. Ge serves as the Senior Manager of Medical Affairs at MED-EL Innsbruck. Her work focuses on medical process assessment in support of product development and risk management. With deep knowledge of hearing implant systems and global regulatory requirements, Dr. Ge fosters patient-centered innovation in hearing healthcare.
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