Gastartikel

Kunst als Ausdruck, Mut als Antrieb: Einblicke in das Leben von MED-EL Stipendiatin Anuk

Cochlea-Implantate, Kreativität und Kommunikationsdesign: Die Hamburger Studentin Anuk berichtet über ihr erstes Semester und macht anderen Mut, sich für ein MED-EL-Stipendium zu bewerben. Bewerbungsfrist für die nächste Runde: 30. Juni 2026.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Schultag erinnern? Oder an die ersten Tage in Universität oder Ausbildung? Zur Freude über den Neuanfang gesellt sich oft die Nervosität, etwas falsch zu machen. Noch viel komplizierter gestaltet sich die Sache, wenn eine körperliche Beeinträchtigung hinzukommt. So wie bei Anuk G., Autistin, Trägerin zweier Cochlea-Implantate und seit Herbst 2025 Studentin im Bereich Kommunikationsdesign an der KW Design Akademie in Hamburg. Sie erinnert sich: „Ein Dozent sprach über die Wichtigkeit von Minuskeln in der Typografie. Ich saß da und dachte nur: Warum braucht man dafür bitte Muskeln?“

Heute kann Anuk über diesen Moment lachen. Damals sorgte die automatische Transkription ihrer Vorlesung für Verwirrung: Aus typografischen Minuskeln, also Kleinbuchstaben, wurden kurzerhand Muskeln. Situationen wie diese gehören für die angehende Kommunikationsdesignerin zum Studienalltag. Denn auch mit Cochlea-Implantaten und moderner Technik bleibt das Verfolgen von Vorlesungen manchmal eine Herausforderung.

Trotzdem ist die junge Künstlerin genau dort angekommen, wo sie immer sein wollte: im Designstudium. Unterstützt wird sie dabei auch durch das MED-EL-Stipendium. „Mit diesem Stipendium schenkt ihr mir ein großes Stück Freiheit“, schreibt Anuk in ihrem Semesterbericht. „So kann ich mich voll und ganz auf mein Studium konzentrieren.“

Ein Traum wird Wirklichkeit

Für Anuk bedeutet das Studium weit mehr als nur einen Ausbildungsweg. Es ist die Chance, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Kreativ, autistisch, gehörlos und voller Ideen: So beschreibt sie sich selbst: „Ich bin eine Limited Edition.“ Seit ihrem sechsten Lebensjahr lebt sie mit zwei Cochlea-Implantaten. Neben der Lautsprache nutzt sie auch Gebärdensprache als Ausdrucksform. Ihre Vision: Kunst nutzen, um Menschen mit Behinderung oder Neurodiversität sichtbar zu machen.

Stipendium MED-EL

„Ich möchte Menschen mit Behinderung oder Neurodiversität eine Stimme geben: visuell, poetisch und laut.“

Anuk G.

Studentin Kommunikationsdesign und MED-EL Stipendiatin

Schon früh zeigte sich ihr kreatives Talent. Bereits 2020 überzeugte sie beim internationalen MED-EL-Kindererfinderwettbewerb IDEASforEARS mit ihrem „Waterkit“-Design. Heute entwickelt sie diese Kreativität an der Hochschule weiter.

Zwischen Kunstgeschichte, Typografie und Staffelei

Das erste Semester an der KW Design Akademie hatte es in sich. „Ich bin im Megatempo durch die spannende Welt der Kunstgeschichte gereist und habe unglaublich viel über die Macht von Farben und Bildern gelernt“, erzählt Anuk. Besonders begeistert habe sie die Erkenntnis, wie stark visuelle Gestaltung unsere Wahrnehmung beeinflusse. Gleichzeitig hätten viele neue Herausforderungen auf sie gewartet. Dazu gehörte beispielsweise das klassische Malen an der Staffelei. „Das war für mich komplettes Neuland“, sagt sie. „Auch wenn mir hier und da noch die handwerkliche Routine fehlt, hat es mir eine ganz neue Welt eröffnet.“ Dass sich der Einsatz gelohnt hat, zeigt ihre Bilanz am Ende des Semesters: beeindruckende 92 Prozent Gesamtnote: „Dafür habe ich gemalt, gelernt, konstruiert, getackert, geklebt und meinen gesamten kreativen Wahnsinn bemüht.“

Wenn Anuk auf ihr erstes Semester zurückblickt, überwiegt vor allem eines: Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber ihren Eltern, die sie immer unterstützt haben. Dankbarkeit für die technischen Möglichkeiten, die ihr das Hören erleichtern.

Jetzt für das MED-EL-Stipendium bewerben!

Anuks Geschichte zeigt, wie viel möglich wird, wenn Talent auf Unterstützung trifft. Deshalb vergibt MED-EL Deutschland auch in diesem Jahr wieder Stipendien an studierende und promovierende MED-EL-Hörimplantat-TrägerInnen aller Fachrichtungen und Nationalitäten sowohl in Universitäten als auch in Fach-/Hochschulen, die ihre Ziele verfolgen und ihre Zukunft aktiv gestalten möchten. Die Bewerbungsfrist für das Wintersemester 2026 läuft noch bis zum 30. Juni. Wer seine Ideen verwirklichen, neue Wege gehen und seine persönliche Geschichte weiterschreiben möchte, sollte die Chance nutzen und sich jetzt bewerben.

Hier geht es zu den Bewerbungsunterlagen

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