in Therapie zu Hause, Tipps & Tricks

Herzlich willkommen zur neuen „Rehab at Home“-Serie! In dieser Blog-Reihe wollen wir Ihnen Hör- und Sprachübungen für zuhause vorstellen, die Sie ganz einfach in den Alltag einbauen können, um Ihr Kind in seinen Hör- und Sprachfähigkeiten zu fördern.
Unser erster „Rehab at Home“-Beitrag befasst sich mit der sogenannten Theory of Mind (abgekürzt auch ToM). Für Kinder mit Hörverlust kann es schwierig sein, ToM-Fähigkeiten ohne Unterstützung zu bewältigen. In diesem Beitrag möchten wir Ihnen erklären, was Theory of Mind ist und wie Sie beim gemeinsamen Geschichtenlesen daran arbeiten können.

 

Was ist Theory Of Mind?

Theory of Mind ist die Fähigkeit zu verstehen, dass wir unsere eigenen Gedanken, Ansichten, Überzeugungen und Emotionen haben, und zu erkennen, dass andere Menschen Gedanken, Ansichten, Überzeugungen und Emotionen haben, die sich von unseren eigenen unterscheiden können. Theory of Mind ist also die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und ihre Sichtweise zu verstehen.

 

Warum ist Theory of Mind wichtig?

ToM hilft Ihrem Kind dabei, erfolgreich zu kommunizieren und stabile Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.

  • ToM hilft uns dabei, die Ansichten, Motive, Wünsche, Gefühle und Überzeugungen anderer zu erkennen und unsere eigenen auszudrücken.
  • Es ist wichtig, für die soziale und emotionale Entwicklung Ihres Kindes. Die eigenen Gedanken und die Denkweise anderer zu verstehen, spielt in der Entwicklung von Freundschaften und Beziehungen eine wichtige Rolle.
  • ToM hilft Kindern dabei effektiv zu kommunizieren, indem sie Fähigkeiten wie Empathie, Überzeugungskraft, Inferenz, Argumentation, kritisches Denken, Kooperation und Verständnis von Erzählungen und Texten einsetzen.
  • Sie hilft, Gespräche einfacher zu machen, indem sie dem Kind erlaubt vorherzusagen, was der Zuhörer bereits weiß, was es selbst vielleicht wissen muss, wie der Zuhörer reagieren wird und was als Nächstes gesagt werden sollte.

Die ToM-Fähigkeiten sind in unserer täglichen Kommunikation mit anderen eng verknüpft. Kinder lernen diese Fähigkeiten und die damit verbundene Sprache oft indem sie hören, wie andere diese Sprache immer wieder in verschiedenen Kontexten und Gesprächen verwenden. Kinder mit Hörverlust können jedoch Schwierigkeiten haben, Gespräche um sie herum zu hören. Das bedeutet, dass sie möglicherweise weniger Situationen ausgesetzt sind, in denen ToM-Konzepte verwendet werden, und dass ihre Entwicklung dieser Fähigkeiten dadurch beeinträchtigt werden könnte.

 

Wie kann ich mein Kind bei der Entwicklung von Fähigkeiten im Bereich Theory of Mind unterstützen?

Gemeinsam Bücher zu lesen ist eine wunderbare Möglichkeit, mit Ihrem Kind über die Sichtweisen, Gefühle und Einstellungen anderer Personen zu reden. Dies wird dem Kind dabei helfen zu verstehen, dass sich die eigenen Gedanken von den Gedanken anderer unterscheiden können.
Im folgenden Video sehen Sie, wie Mias Mutter gemeinsam mit ihrer Tochter eine Geschichte liest. Sie gibt ihrer Tochter viele Möglichkeiten zu hören, wie sich die Figuren der Geschichte fühlen und was sie denken. Mias Mutter liest dabei die Geschichte aus dem Buch vor, aber sie erklärt auch ihre Gedanken, sagt die Gefühle und Gedanken der Charaktere voraus und macht Vorschläge, was diese vielleicht sagen könnten. Sie verwendet dabei Wörter, die Gedanken und Gefühle beschreiben, wie zum Beispiel „Ich denke“ und Beschreibungen körperlicher Zustände wie „er hat Hunger“.

Hinweis: Das folgende Video ist auf Englisch mit deutschen Untertiteln verfügbar. 

 

Aktivitäten für jüngere Kinder

  • Fügen Sie Wörter wie aufgeregt, verärgert, verlegen, schockiert oder besorgt hinzu, um Ihre eigenen Emotionen und die Gefühle der Figuren in der Geschichte zu beschreiben. Dies hilft Ihrem Kind dabei, seine eigenen Emotionen und die der anderen zu erkennen. Sprechen Sie auch darüber, warum sich die Figuren so fühlen könnten.
  • Setzen Sie verschiedenen Stimmlagen ein, um die Gefühle der Figuren wiederzugeben. Das hilft Ihrem Kind dabei zu verstehen, wie sich die Figur fühlt.
  • Sprechen Sie über Situationen, in denen Sie selbst eine bestimmte Emotion gefühlt haben, oder wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie die Figur in der Geschichte wären. Auch das hilft Ihrem Kind dabei, andere besser zu verstehen.
  • Fügen Sie Wörter hinzu, die innere Zustände beschreiben, wie zum Beispiel wissen, denken, mögen, wollen oder vermuten, um Ihre Gedanken und die der Figuren zu beschreiben. Das wird Ihr Kind dabei unterstützen zu erkennen, dass andere Menschen unterschiedliche Gedanken und Vorlieben haben.
  • Besprechen Sie, warum die Figuren bestimmte Dinge denken könnten, und sagen Sie voraus, was diese als Nächstes tun werden. Das hilft Kindern dabei zu verstehen, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Gedanken haben und dass menschliche Handlungen auf ihren Gedanken basieren.

 

Aktivitäten für ältere Kinder

Wenn Ihr Kind schon älter ist, können Sie beim gemeinsamen Lesen schon komplexere Sprache verwenden und tiefere Gespräche über die Gedanken, Perspektiven, Motive und Emotionen der Figuren führen.

  • Fügen Sie komplexere Wörter hinzu, die Emotionen beschreiben, wie gereizt, eifersüchtig, unglücklich, nervös, erleichtert oder verängstigt, um Ihre Gefühle und die der Figuren der Geschichte zu beschreiben. Reden Sie darüber, warum sich die Figuren so fühlen könnten.
  • Fügen Sie auch komplexere Wörter hinzu, die innere Zustände beschreiben, zum Beispiel erinnern, vergessen, vorstellen, bevorzugen, sich wünschen oder glauben, und sprechen Sie über Ihre Gedanken und die der Figuren. Das wird Ihrem Kind dabei helfen zu verstehen, dass verschiedene Menschen verschiedene Gedanken und Vorlieben haben.
  • Sprechen Sie auch über die Beweggründe der Figuren, warum sie bestimmte Gedanken haben könnten, und sagen Sie voraus, was die Figuren als Nächstes tun könnten. Dies wird Ihrem Kind dabei helfen zu verstehen, dass verschiedene Personen unterschiedliche Gedanken haben und dass menschliche Handlungen auf deren Gedanken basieren.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind, warum sich die Figuren der Geschichte auf bestimmte Art und Weise verhalten haben. Zum Beispiel: „Warum hat sich der Wolf in Rotkäppchen als Großmutter verkleidet?“.
  • Reden Sie auch darüber, was die Charaktere unternehmen könnten, um ein Problem in der Geschichte zu lösen oder was Sie in dieser Situation machen würden. Dies wird Ihrem Kind verdeutlichen, dass sich verschiedene Leute unterschiedlich verhalten, basierend auf ihren Gedanken und Perspektiven, und dass es in jeder Situation verschiedene Möglichkeiten gibt, zu reagieren.
  • Sprechen Sie über eine Zeit, in der Sie sich wie eine der Figuren der Geschichte gefühlt haben, oder wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie Teil der Geschichte wären.

 

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