Hörgesundheit

Grade der Schwerhörigkeit: von leicht bis hochgradig

Der Grad der Schwerhörigkeit beschreibt, wie stark das Hörvermögen eingeschränkt ist. Bestimmt wird er anhand der leisesten Töne, die Sie bei einem Hörtest wahrnehmen können. Die Messwerte werden in dB HL (Dezibel Hearing Level) angegeben. Wer die verschiedenen Schwerhörigkeitsgrade kennt, kann die Ergebnisse eines Hörtests leichter verstehen und besser einordnen.

Ein Mann mit Cochlea-Implantat sitzt beim Frühstück und schaut auf sein Handy

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Schwerhörigkeit gemessen wird, was die verschiedenen Grade der Schwerhörigkeit im Alltag bedeuten, wann ein Hörtest sinnvoll ist und welche Behandlungsmöglichkeiten je nach Hörverlust infrage kommen.

Grad der Schwerhörigkeit: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Grad der Schwerhörigkeit beschreibt, wie stark das Hörvermögen eingeschränkt ist. Er wird bei einem Hörtest in Dezibel (dB HL) bestimmt.
  • Zu den verschiedenen Schwerhörigkeitsgraden zählen leichte, mittelgradige, mittelgradige bis hochgradige, hochgradige und an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit.
  • Die verschiedenen Grade können sich im Alltag unterschiedlich bemerkbar machen – von Schwierigkeiten, leise Sprache zu verstehen, bis hin zur Wahrnehmung nur sehr lauter Geräusche.
  • Wenn Sie Anzeichen einer Schwerhörigkeit bemerken, lassen Sie Ihr Gehör von einer qualifizierten Fachperson überprüfen und besprechen Sie die nächsten Schritte.

Was sind die verschiedenen Grade der Schwerhörigkeit?

Der Grad der Schwerhörigkeit beschreibt, wie stark das Hörvermögen eingeschränkt ist. Grundlage dafür ist die sogenannte Hörschwelle. Sie bezeichnet die leisesten Töne, die eine Person bei einem Hörtest mindestens 50 % der Zeit wahrnehmen kann.

Neben „Grad der Schwerhörigkeit“ werden auch Begriffe wie Schwerhörigkeitsgrade oder Stadien der Schwerhörigkeit verwendet. Gemeint ist dabei grundsätzlich, wie stark die Hörempfindlichkeit reduziert ist.

Wichtig ist: Der Schwerhörigkeitsgrad beschreibt, wie stark das Hörvermögen eingeschränkt ist – nicht, warum. Er gibt also nicht die Ursache oder Art der Schwerhörigkeit an, beispielsweise ob eine Schallleitungs- oder Schallempfindungsschwerhörigkeit vorliegt.

Zwei Menschen mit demselben Grad der Schwerhörigkeit können Klänge und Sprache zudem unterschiedlich wahrnehmen. Entscheidend ist unter anderem, welche Frequenzen betroffen sind und ob die Schwerhörigkeit ein Ohr oder beide Ohren betrifft.

Im Folgenden erfahren Sie mehr über die verschiedenen Grade – von leichter bis hochgradiger Schwerhörigkeit.

Wie wird der Grad der Schwerhörigkeit gemessen?

Eine Schwerhörigkeit wird mithilfe eines Hörtests festgestellt, der von einer qualifizierten Fachperson durchgeführt wird.

Bei einem typischen Hörtest:

  1. sitzen Sie in einem ruhigen Raum oder einer schallisolierten Kabine,
  2. tragen Sie Kopfhörer,
  3. hören Sie Töne in unterschiedlichen Frequenzen und Lautstärken,
  4. geben Sie ein Zeichen, sobald Sie einen Ton hören.

Dabei wird für unterschiedliche Frequenzen ermittelt, wie leise ein Ton sein kann, damit Sie ihn gerade noch wahrnehmen. Die Ergebnisse werden in Dezibel Hearing Level (dB HL) angegeben.

  • Niedrigere dB-HL-Werte bedeuten, dass Sie leisere Töne wahrnehmen können.
  • Höhere dB-HL-Werte bedeuten, dass ein Ton lauter sein muss, damit Sie ihn hören können – die Hörempfindlichkeit ist also stärker eingeschränkt.

Wer sich fragt, wie sich der Grad der Schwerhörigkeit berechnen lässt, sollte deshalb beachten: Er wird nicht als einfacher Prozentwert berechnet, sondern anhand der bei einem Hörtest ermittelten Hörschwellen beurteilt.

Ein „Hörverlust von 40 dB“ bedeutet beispielsweise nicht, dass das Hörvermögen um 40 % reduziert ist. Schwerhörigkeit wird in Dezibel und nicht in Prozent gemessen.

Die Ergebnisse werden in einem Audiogramm dargestellt, das manchmal auch als Hörkurve bezeichnet wird. Diese Grafik zeigt die leisesten Töne, die Sie bei verschiedenen tiefen und hohen Frequenzen wahrnehmen können.

Sprachlaute liegen in unterschiedlichen Bereichen eines Audiogramms. Einige leisere Konsonanten sind schwieriger wahrzunehmen als lautere Vokale. Deshalb können Stimmen bei manchen Arten von Schwerhörigkeit zwar „laut genug“, aber trotzdem undeutlich klingen: Sie hören, dass jemand spricht, verpassen aber wichtige Details des Gesprochenen.

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Übersicht: Welche Schwerhörigkeitsgrade gibt es?

Die Grade reichen von normalem beziehungsweise typischem Hörvermögen bis hin zu an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit.

Die genauen dB-HL-Grenzwerte können sich je nach verwendeter Richtlinie etwas unterscheiden. Die Auswirkungen im Alltag sind jedoch vergleichbar.

Grad des Hörvermögens

Hörschwelle

Mögliche Auswirkungen im Alltag

Beispiel

Normales/typisches Hörvermögen 25 dB HL oder besser Die meisten alltäglichen Sprach- und Umgebungsgeräusche können gut wahrgenommen werden. Sie können leise Sprache auch in einer geräuschvollen Umgebung verstehen.
Leichte Schwerhörigkeit 26-40 dB HL Leise oder weiter entfernte Sprache ist schwieriger zu verstehen. Gespräche bei Hintergrundgeräuschen erfordern mehr Konzentration. In einem vollen Raum verpassen Sie Teile eines leisen Gesprächs oder haben Schwierigkeiten, sich in einem belebten Café zu unterhalten.
Mittelgradige bis mittelgradig-hochgradige Schwerhörigkeit 41-60 dB HL Gespräche in normaler Lautstärke können gedämpft oder undeutlich klingen. Gruppengespräche und laute Umgebungen werden zunehmend zum Problem. Sie stellen Fernseher oder Smartphone möglicherweise lauter ein, als andere Personen es angenehm finden.
Hochgradige Schwerhörigkeit 61-80 dB HL Vor allem laute Geräusche, beispielsweise Straßenverkehr oder ein Staubsauger, werden deutlich wahrgenommen. Alltagssprache kann ohne starke Verstärkung sehr schwer verständlich sein. Sie hören eine Person nicht, die in normaler Lautstärke mit Ihnen spricht, obwohl sie sich in Ihrer unmittelbaren Nähe befindet.
An Taubheit grenzende Schwerhörigkeit 81 dB HL oder mehr Nur sehr wenige Geräusche werden wahrgenommen. Visuelle Hinweise, Lippenlesen oder leistungsstarke Hörlösungen können eine wichtige Rolle spielen. Sie nehmen nur besonders laute Geräusche wahr, beispielsweise einen Feueralarm oder eine zugeschlagene Tür.

Diese Schwerhörigkeitsgrade helfen Fachpersonen dabei, geeignete Unterstützung, Behandlungsmöglichkeiten und Hörtechnologien zu empfehlen.

Wie wirken sich die verschiedenen Schwerhörigkeitsgrade im Alltag aus?

Wie sich ein bestimmter Grad der Schwerhörigkeit im Alltag bemerkbar macht, hängt sowohl von der Stärke des Hörverlusts als auch von der jeweiligen Hörsituation ab.

Bei einer leichten Schwerhörigkeit kann es beispielsweise vorkommen, dass Sie:

  • andere Personen häufiger bitten, etwas zu wiederholen,
  • bei Hintergrundgeräuschen größere Schwierigkeiten beim Verstehen haben,
  • das Gefühl haben, dass andere Menschen „nuscheln“.

Bei einer mittelgradigen Schwerhörigkeit kann es sein, dass Sie:

  • Teile von Gesprächen verpassen,
  • soziale Situationen zunehmend meiden,
  • sich nach längeren Gesprächen geistig erschöpft fühlen.

Bei einer hochgradigen oder an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit können Sie:

  • Türklingeln, Telefonanrufe oder den Wecker überhören,
  • stärker auf visuelle Hinweise angewiesen sein,
  • ohne eine geeignete Hörlösung große Schwierigkeiten haben, Gesprächen zu folgen.

Wann ist ein Hörtest sinnvoll?

Wenn Sie Anzeichen einer Schwerhörigkeit bemerken, ist ein professioneller Hörtest der beste nächste Schritt.

Ein Hörtest kann sinnvoll sein, wenn:

  • Sie andere Menschen häufig bitten, etwas zu wiederholen,
  • Sie Gesprächen bei Hintergrundgeräuschen nur schwer folgen können,
  • andere Personen sagen, dass Ihr Fernseher oder Ihre Musik zu laut ist,
  • Sie Türklingel, Wecker oder Telefonanrufe überhören,
  • Stimmen undeutlich, verzerrt oder gedämpft klingen.

Eine qualifizierte medizinische Fachperson kann eine umfassende Höruntersuchung durchführen und Ihnen die Ergebnisse erklären. Abhängig vom individuellen Grad der Schwerhörigkeit können anschließend geeignete Behandlungsmöglichkeiten besprochen werden, beispielsweise Hörgeräte oder andere Hörlösungen.

Wenn Sie noch unsicher sind, ob Sie einen Termin vereinbaren möchten, kann ein Online-Hörtest einen ersten Hinweis geben. Er ersetzt jedoch keine professionelle Untersuchung.

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Behandlungsmöglichkeiten nach Grad der Schwerhörigkeit

Welche Behandlung infrage kommt, hängt von Ihren individuellen Hörtestergebnissen, Ihren Kommunikationsbedürfnissen und der Beurteilung durch eine Fachperson ab.

Leichte bis mittelgradige Schwerhörigkeit

  • Hörgeräte können häufig dabei helfen, Sprache wieder deutlicher wahrzunehmen.
  • Kommunikationsstrategien, beispielsweise das Reduzieren von Hintergrundgeräuschen oder ein geringerer Abstand zur sprechenden Person, können das Verstehen erleichtern.

Hochgradige bis an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit

  • Leistungsstarke Hörgeräte mit hoher Verstärkung können infrage kommen.
  • Wenn Hörgeräte kein ausreichendes Sprachverstehen ermöglichen, kann geprüft werden, ob ein Cochlea-Implantat oder eine andere implantierbare Hörlösung geeignet ist.
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Welche Hörlösung am besten geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab, u. a. vom individuellen Grad der Schwerhörigkeit, dem persönlichen Alltag und den jeweiligen Kommunikationsbedürfnissen.

Die nächsten Schritte bei Schwerhörigkeit

Das Wichtigste: Für Menschen mit unterschiedlichen Graden an Schwerhörigkeit gibt es verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung.

Wenn Sie Veränderungen Ihres Hörvermögens bemerken oder Ihre Hörtestergebnisse nicht vollständig verstehen:

  • Vereinbaren Sie einen professionellen Hörtest.
  • Lassen Sie sich Ihr Audiogramm erklären.
  • Besprechen Sie mit einer Fachperson, welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie infrage kommen.

Den eigenen Grad der Schwerhörigkeit zu verstehen, ist ein wichtiger erster Schritt, um eine passende Lösung für die individuellen Hörbedürfnisse zu finden.

Mehr erfahren

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Referenzen

Dr. Yi Ge

Dr. Yi Ge is a certified otolaryngologist. Since joining MED-EL in 2003, she has held various roles across clinical, regulatory, and medical affairs. Currently, Dr. Ge serves as the Senior Manager of Medical Affairs at MED-EL Innsbruck. Her work focuses on medical process assessment in support of product development and risk management. With deep knowledge of hearing implant systems and global regulatory requirements, Dr. Ge fosters patient-centered innovation in hearing healthcare.

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