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Gastartikel

Ein Lebenslauf, der inspiriert

Felix Somogyi verlor im Alter von neun Monaten das Gehör – doch das hielt den heute 30jährigen nicht davon ab, ein Leben zu führen, mit dem er gehörlose wie hörende Menschen gleichermaßen inspiriert. Lesen Sie im folgenden Interview, die inspirierende Geschichte vom diesjährigen Gewinner des MED-EL-Stipendiums Felix Somogyi.

MED-EL Stipendiat Felix Somogyi

Herr Somogyi, Sie kamen hörend auf die Welt. Wie kam es dazu, dass Sie Ihr Gehör verloren?

Mit neun Monaten hatte ich eine Windpockeninfektion, im Anschluss daran bekam ich eine Meningitis, was zu einem Hörverlust auf beiden Ohren führte. Meine Eltern erfuhren von der Möglichkeit, ein Cochlea-Implantat einsetzen zu lassen; dieses erhielt ich im Alter von knapp sechs Jahren an der Universitätsklinik in Frankfurt/Main. Die Nachsorge erfolgte im Cochlea-Implantat-Zentrum in Friedberg, dort lernte ich Hören und Sprechen.

Sie haben keine Erinnerung aus der Zeit vor Ihrem Hörverlust, wie es ist, zu hören?

Das ist richtig, ich war zu jung, sodass noch keine Sprachentwicklung stattgefunden hatte. Ich habe zunächst die Gebärdensprache erlernt, kann mich allerdings durch das Cochlea-Implantat auch mit Lautsprache verständigen. Schon in der Schule habe ich zwischen Hörenden und Gehörlosen vermittelt, auch als Klassensprecher und stellvertretender Klassensprecher. Lange Zeit dachte ich, die Gebärdensprache sei wichtiger, aber als ich anfing zu arbeiten, merkte ich, dass das nicht stimmt. Ich möchte sprechen und mit allen kommunizieren können. Heute wende ich beide Kommunikationswege an.

Wie wurden Sie an den Schulen, auf denen Sie waren, gefördert?

Mit drei Jahren kam ich zunächst in einen regulären Kindergarten, die Förderung dort reichte aber nicht aus. Aus diesem Grund entschlossen sich meine Eltern, mich mit vier Jahren im Kindergarten der Hermann-Schafft-Schule in Homberg/Efze anzumelden, der speziell für taube und hörgeschädigte Kinder ist. Ich kam später auch auf die dazugehörige Grundschule. Ab 2005  ging ich auf die Johannes-Vatter-Schule für Hörgeschädigte in Friedberg. Hier wurde ich nicht nur in Gebärdensprache, sondern auch parallel in Lautsprache unterrichtet und gefördert, was mir persönlich sehr gut getan hat. Ab diesem Zeitpunkt habe ich große Fortschritte in der Lautsprache gemacht. Bis heute übe ich die Lautsprache regelmäßig mit Logopäden.

MED-EL Stipendiat Felix Somogyi

Lange Zeit dachte ich, die Gebärdensprache sei wichtiger, aber als ich anfing zu arbeiten, merkte ich, dass das nicht stimmt. Ich möchte sprechen und mit allen kommunizieren können.

Felix Somogyi

CI-Träger

Die internationale Gebärdensprache sprechen Sie auch?

Ja, die internationale Gebärdensprache spreche ich seit etwa zehn Jahren, sie ermöglicht mir, mit hörgeschädigten und tauben Menschen aus der ganzen Welt zu kommunizieren, von Europa bis nach Südamerika. Darunter sind etliche, die wie ich ein Cochlea-Implantat tragen, wir sind sehr gut vernetzt.

Ich dolmetsche auch für Gefüchtete – ich übersetze und erkläre, an welche Ämter und Behörden Sie sich wenden müssen. Zwischen 2014 und 2018 habe ich viel für hörgeschädigte und taube Geflüchtete aus Afghanistan und Syrien gedolmetscht; seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine mache ich das für ukrainische Geflüchtete, in Zwickau und mehreren kleineren Orten in der Region.

All das üben Sie ehrenamtlich nebenbei aus … bleibt Ihnen da noch freie Zeit?

Durch mein Studium aktuell wenig. Ich studiere im sechsten Semester an der Fachhochschule in Zwickau und habe mir zum Ziel gesetzt, meinen Abschluss in der Regelstudienzeit zu machen, ich lerne sehr viel. Zudem bringe ich Kommilitonen die Gebärdensprache bei und die Semesterferien nutze ich, um aktiv Sport zu treiben. Ich spiele Fußball beim GTSV Frankfurt/Main. Vor meinem Studium war ich auch Jugendleiter für hörgeschädigte und taube Nachwuchsspieler beim GTSV Frankfurt; das schaffe ich aktuell leider zeitlich nicht.

Warum haben Sie sich für die Fachhochschule Zwickau entschieden?

Mein Beruf  als Elektroniker füllte mich nicht aus, ich merkte, dass ich studieren will. Bei meinen Recherchen fiel mir die Fachhochschule Zwickau durch ihren Internetauftritt auf, denn sie bietet neben dem regulären Lautsprache-Angebot auch eine Unterstützung speziell für Hörgeschädigte an, durch Gebärdendolmetscher in den Vorlesungen.

Sie schrieben sich zum Wintersemester 2020 in Zwickau ein, in der Zeit der Corona-Lockdowns. Wie war diese Zeit für Sie?

Es fand alles am Bildschirm statt, diese Zeit war auch für mich nicht einfach. Mir hat der persönliche Austausch sehr gefehlt. Seitdem wir wieder vor Ort unterrichtet werden und kommunizieren können, ist vieles leichter, auch das Lernen finde ich mit Präsenzveranstaltungen einfacher.

Wie finanzieren Sie Ihr Studium?

Bevor ich begann, in Zwickau Elektrotechnik zu studieren, hatte ich eine Ausbildung zum Elektroniker abgeschlossen und zwei Jahre in meinem Beruf gearbeitet. Aus dieser Zeit habe ich Ersparnisse, auf die ich jetzt im Studium zurückgreifen kann, auch meine Eltern unterstützen mich. Allerdings ist in den letzten Monaten alles sehr teuer geworden. Ich bin sehr glücklich und auch sehr dankbar, ab diesem Semester für ein Jahr das MED-EL-Stipendium zu erhalten! Es hilft mir sehr, mich jetzt in der Endphase meines Studiums ganz auf das Lernen zu konzentrieren.

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Der Elektrotechnik-Student Felix Somogyi ist MED-EL-Stipendiat 2023 und wird ab diesem Herbst-Winter-Semester ein Jahr lang mit monatlich 300 Euro von MED-EL Deutschland finanziell unterstützt. Die feierliche Übergabe der Stipendiaten-Urkunde an Felix Somogyi fand am 23. Oktober 2023 in Starnberg statt.

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