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Lukas Käfer aus Niederösterreich wurde gehörlos geboren und als Kind mit einem Cochlea-Implantat versorgt. Sein Hörverlust hat ihn aber nicht davon abgehalten, seine sportlichen Träume und Ziele zu verfolgen. Im heutigen Blogbeitrag erzählt er uns seine sportliche (Hör-)Geschichte.

Ich heiße Lukas und komme aus der Nähe von St. Pölten in Niederösterreich. Ich bin gelernter Tischler und arbeite als Holztechniker. In meiner Freizeit bin ich gerne in der Natur und mit Freunden unterwegs, gehe ins Kino oder auf den Fußballplatz, um mir Spiele anzuschauen. Mein größtes Hobby ist aber der Sport: Skifahren und Leichtathletik sind meine Leidenschaften.

 

Kindheit mit Cochlea-Implantat

Ich wurde gehörlos geboren, die Ursache dafür ist unbekannt. Mein Hörverlust wurde diagnostiziert als ich circa ein Jahr alt war und anfangs glaubte man noch, dass mir Hörgeräte helfen würden. Das war aber leider nicht der Fall, weil ich im Hochtonbereich nichts höre und im Tieftonbereich nur sehr geringes Hörvermögen habe. Nach zahlreichen Besuchen bei Spezialisten in Deutschland und Österreich wurde ich schließlich mit knapp 5 Jahren in Salzburg mit einem Cochlea-Implantat versorgt.

Meine Eltern haben sich damals für ein MED-EL Implantat entschieden, weil sie vom Unternehmen überzeugt waren. Ich bin heute sehr froh über ihre Entscheidung, denn ich fühle mich sehr gut versorgt und unterstützt. Zu Beginn hatte ich als Kind noch viele Termine im Krankenhaus und beim Logopäden, bis ich mit den Höreindrücken durch das CI wirklich etwas anfangen konnte – heute kann ich mir ein Leben ohne CI gar nicht mehr vorstellen.

In der Schule wurde ich gut akzeptiert und ich hatte dort viele Freunde. Manchmal wurde ich zwar gefragt, was denn das Gerät an meinem Ohr ist, aber das war kein großes Ding für mich. Wenn aber mal ein Problem mit dem CI auftrat und ich mal nicht hören konnte, war das eine kleine Tragödie für mich.

 

Sport als große Leidenschaft

Ich komme aus einer sehr aktiven Familie und habe schon früh meine Leidenschaft für Sport entdeckt. Schon mit dreieinhalb Jahren bin ich auf Skiern gestanden und bin später recht erfolgreich Kinderrennen gefahren. Im Sommer bin ich schon immer gerne gelaufen, habe an Crossläufen teilgenommen und Leichtathletik gemacht.

Mit 13 Jahren bin ich auf den Österreichischen Gehörlosenverband aufmerksam geworden und nach einer Sichtung wurde ich dort aufgenommen. Seitdem bin ich bei zahlreichen Leichtathletikbewerben angetreten und durfte mich bereits viele Male über den Titel als Staatsmeister im 100m, 200m oder 600m Lauf sowie im Weit- und Hochsprung freuen. Besonders gefreut habe ich mich auch über einige österreichische Rekorde, die ich aufstellen konnte. Meine Größe von 1,96m ist bei der Leichtathletik definitiv ein Vorteil!

Da Leichtathletik zu 60% im Sommer stattfindet, kann ich auch meiner zweiten großen sportlichen Leidenschaft, dem Skifahren, nachgehen und im Winter an Wettkämpfen teilnehmen. Das macht mir große Freude, auch wenn ich dafür nicht an den Leichtathletik-Hallenbewerben in der kalten Jahreszeit teilnehmen kann. Ich habe bereits bei der WM der Gehörlosen die Bronzemedaille in der Abfahrt gewonnen und bin oft Österreichischer Jugendmeister im Super G, Riesentorlauf (RTL), Slalom und der Kombination geworden. In den letzten Jahren durfte ich mich über den Vizemeistertitel im RTL, Super G oder der Kombination freuen.

Damit ich Sommer wie Winter in den verschiedenen Disziplinen Leistung bringen kann, ist ein sehr genauer Trainingsplan essentiell, vor allem, da man bei den beiden Sportarten idealerweise unterschiedlich viel Gewicht auf die Waage bringt. Aber egal, ob Training auf der Skipiste oder der Laufbahn, mein CI ist immer mit dabei. Ich brauche da eigentlich auch nicht auf viel achten und mit meinem neuen Audioprozessor, dem SONNET, ist auch das Schwitzen kein Problem.

 

Wettkämpfe in beiden Welten

Ich nehme an Wettkämpfen in „beiden Welten“ teil, wenn man so will, denn ich starte sowohl bei den Gehörlosen als auch bei den Hörenden. Schon als kleines Kind habe ich gerne an Wettkämpfen teilgenommen. Ich messe mich gerne mit anderen, will wissen, wo mich das Training hinführen kann, und arbeite gerne an mir. Bei den Wettkämpfen in der Gehörlosenklasse muss ich ohne CI antreten, das ist eine Grundregel, daher muss ich mich hier auf andere Signale konzentrieren, weil ich nichts hören kann. Bei den Wettkämpfen mit den Hörenden starte ich mit CI, das hat für mich natürlich Vorteile, da ich meinen Audioprozessor eigentlich immer trage, auch beim Training, und deshalb an das Hören gewöhnt bin.

Ich kann aber nicht sagen, was mir lieber ist, jeder Wettkampf ist eine Herausforderung! Zu Welt- und Europameisterschaften, olympischen Spielen und Europacup fahre ich aber mit den Gehörlosen, das wäre mit den Hörenden nicht möglich, da bin ich nicht gut genug, da müsste ich mich mit Marcel Hirscher & Co messen. Ich fahre aber bei den Hörenden FIS- und Punkterennen und nehme auch an Leichtathletik-Events bei den Hörenden teil.

 

Ratschläge und Wünsche für die Zukunft

Ich finde, es ist sehr wichtig, sich Ziele zu setzen. Es geht dabei nicht um Wettkämpfe, sondern auch um den Spaß am Sport und der Bewegung in der Natur. Meiner Erfahrung nach geht es mit einem Trainingsplan und wenn man gemeinsam mit anderen Leuten Sport treibt um einiges leichter. Dank meines CIs habe ich auch keine Einschränkungen beim Sport – fast alles ist möglich!

Im Dezember finden in Santa Caterina, Italien, die Deaflympics, die Olympischen Spiele für Gehörlose, statt und mein Ziel ist es, wieder eine Medaille für Österreich zu gewinnen. Außerdem wünsche ich mir Gesundheit für meine Familie und mich – mein Leben ist eigentlich sehr gut so, wie es ist!

 

Danke, Lukas, und viel Erfolg für die Deaflympics in Italien!

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