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Dr. Harold Pillsbury, Chirurg und Vorstand der HNO-Abteilung an der „University of North Carolina School of Medicine” setzte einem Patienten vor dreieinhalb Jahren das erste SYNCHRONY Cochlea-Implantats in den USA ein. Im Interview spricht er über eine zentrale Eigenschaft dieses Implantats: die herausragende MRT-Sicherheit.

Sie haben im Laufe Ihrer Karriere an über 1.500 Cochlea-Implantationen mitgewirkt. Welche Rolle spielt der Gedanke an künftige MRT-Untersuchungen bei den Patienten?
Heutzutage eine sehr große. Ältere Menschen haben häufig Probleme mit der Wirbelsäule, den Knien oder den Schultergelenken, wodurch jederzeit ein MRT(Magnetresonanztomographie)-Scan notwendig sein kann. Es ist wichtig, zu verstehen, dass der Magnet des Cochlea-Implantats auch dann zum Tragen kommt, wenn bei der Magnetresonanztomographie Teile des Körpers gescannt werden, die vom Ohr weit entfernt sind. Auch für Krebspatienten spielt die MRT-Sicherheit des Cochlea-Implantats eine große Rolle. Gerade bei Krebsarten im Brust-, Bauch- oder Schilddrüsenbereich ist die MRT ein gutes bildgebendes Verfahren zur Diagnose und Nachkontrolle. Jemanden vor die Wahl zu stellen, entweder hören zu können oder eine schwere Erkrankung weiterhin überwachen zu lassen, wäre furchtbar.

Wird die Zahl an Erwachsenen, die sich für ein Cochlea-Implantat entscheiden, weiter steigen?
Ja. Die Technologie hinter den Cochlea-Implantaten verbessert sich stetig, was zugleich auch deren allgemeine Akzeptanz erhöht. Viele “Babyboomer” haben durch diese Entwicklung eine großartige Möglichkeit erhalten, ihren Platz inmitten der Gesellschaft zu wahren. Momentan implantieren wir mehr Erwachsene als Kinder. Das war nicht immer so.

Weshalb ist es so entscheidend, dass Cochlea-Implantate MRT-Scans mit bis zu 3,0 Tesla sicher überstehen?
MRT-Scan mit 3,0 Tesla erfüllen deutlich höhere Ansprüche als andere Diagnoseverfahren. Die Bildresultate, die ein MRT mit 3,0 Tesla Magnetfeldstärke liefert, sind hochauflösender und klarer. Wenn Sie die Wahl haben, sollten Sie sich immer für ein MRT mit 3,0 Tesla entscheiden. MRT-Untersuchungen mit 3,0 Tesla sind der Goldstandard.

Warum ist ein auf 3,0-Tesla-MRTs ausgelegtes Implantat für Patienten in der Zukunft so wichtig?
Weil ein MRT-Scan mit höherer Magnetfeldfeldstärke bessere Ergebnisse liefert. Bilder einer Schulter, eines Knies oder der Wirbelsäule, die mit einem 1,5-Tesla-Gerät gemacht wurden, können unscharf sein. Dennoch erhalten viele Patienten nach wie vor Scans mit 1,5 Tesla. Die Magnetfeldstärke allein ist aber kein Grund, ein perfekt funktionierendes Cochlea-Implantat durch eines der neuesten Generation zu ersetzen. Das kann höchstens bei Kindern eine Rolle spielen, die im Laufe Ihres Lebens ohnehin mehr als ein Implantat nutzen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Laufe ihres Lebens ein MRT benötigen, schätze ich auf 80-90 %. Daher ist die hohe MRT-Sicherheit des SYNCHRONY Cochlea-Implantats ein riesiger Vorteil für dessen Nutzer.

War die hohe MRT-Sicherheit auch ein entscheidender Faktor beim ersten Patienten, dem Sie 2015 in den USA ein SYNCHRONY Implantat einsetzten?
Ja. Joe (der erste SYNCHRONY Nutzer in den USA, Anm.) hatte gesundheitliche Problem mit dem Rücken. Wir wussten, dass er in Zukunft weitere MRT-Scans benötigen würde. Das stand fest. Mit dem SYNCHRONY bekam er 2015 sein erstes Cochlea-Implantat. Aufgrund der MRT-Problematik hätte er vor SYNCHRONY wohl kein Implantat haben wollen. Dank SYNCHRONY musste er sich aber nicht mehr zwischen der weiteren Therapie seines Rückens und der Möglichkeit zu hören entscheiden. Ich habe auch mit anderen Hörverlust-Patienten zu tun gehabt, die in Zukunft MRTs benötigen werden. Sie leiden unter anderem an Schmerzen im Bereich des unteren Rückens, des Nackens oder der Knie. Werden diese Beschwerden schlimmer, braucht es weitere Therapien. Die Notwendigkeit einer MRT-Untersuchung mag vielleicht noch nicht heute oder morgen gegeben sein – aber irgendwann, „früher oder später“, wird sie schlagend werden.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

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