in Gastartikel

Sieben Jahre lang hörte der heute 13-jährige Valentin aus Österreich nur auf einem Ohr. Während sein Hörverlust lange unerkannt blieb, waren die Auswirkungen der einseitigen Taubheit auf seine Entwicklung deutlich zu erkennen. Wie es schließlich zur Diagnose „hochgradige Schwerhörigkeit am linken Ohr“ kam und wie sich Valentins Alltag und persönliche Entwicklung dank eines Cochlea-Implantats (CI) verbessert haben, erzählt Valentins Mutter Irene in ihrem Gastbeitrag.

Für die meisten von uns ist Hören mit zwei Ohren eine Selbstverständlichkeit. Was es für den Alltag bedeutet, mit nur einem Ohr hören zu können, ist vielen Menschen daher gar nicht bewusst. Bevor wir von der einseitigen Taubheit von Valentin erfuhren, war das auch bei mir so. Die Geschichte unseres Sohnes hat mich und unser soziales Umfeld aber eines Besseren belehrt:

Eine Kindheit mit Hindernissen 

Kurz nach Valentins Geburt wurde ein routinemäßiges Hörscreening gemacht, die Ergebnisse waren unauffällig. Mein Sohn entwickelte sich allerdings zu einem sehr lauten Kind und seine Aussprache war undeutlich. Daher holten wir uns Unterstützung von einer Logopädin, doch leider blieben die Verbesserungen geringer als erwartet. Unsere Logopädin äußerte die Vermutung, dass Hörprobleme die Ursache für Valentins verwaschene Aussprache sein könnten – ein Verdacht, den ich selbst bereits länger hegte.

Ich suchte vier verschiedene HNO-Ärzte auf, um Hörtests durchführen zu lassen. Jedes Mal erzielte mein Sohn gute Ergebnisse, doch seine Aussprache verbesserte sich nicht. Als Valentin schließlich in die Grundschule kam, bekam er eine sonderpädagogische Stützkraft zur Seite gestellt. Mit den anderen Kindern gemeinsam lernen, durfte er aber trotzdem nicht und so wurde er zum Außenseiter und konnte auch in der zweiten Schulstufe noch nicht lesen oder schreiben. Ich war ratlos, wie es mit meinem Sohn weitergehen sollte.

Diagnose: Einseitige Taubheit   

Was die Ursache für Valentins Schwierigkeiten sein könnte, erfuhren wir durch Zufall, als er sieben Jahre alt war: Ich hatte mir gerade neue In-Ohr-Kopfhörer gekauft und wollte diese mit Valentin gemeinsam ausprobieren: der rechte Ohrstöpsel für mich, der linke für Valentin. „Mama, ich hör‘ nichts“, beklagte sich mein Sohn allerdings sofort. Also testete ich selbst beide Kopfhörer und musste feststellen, dass beide Seiten tadellos funktionierten.

Gleich am nächsten Tag machte ich mich mit Valentin auf den Weg ins nächste Krankenhaus und bestand darauf, dass das Hörvermögen in seinem linken Ohr getestet wird. Schon bald war klar, dass Valentins Logopädin und ich richtig gelegen hatten: Hochgradige Schwerhörigkeit am linken Ohr lautete die Diagnose. Valentin hatte also auf der linken Seite noch nie etwas gehört. Da bei den Hörtests bei den HNO-Ärzten immer Lautsprecher verwendet wurden, war nie aufgefallen, dass Valentins linkes Ohr taub ist. Trotz dieser Diagnose war ich erleichtert: Endlich hatten wir eine Erklärung für die undeutliche Aussprache und sein lautes Sprechen.

Nächster Schritt: Cochlea-Implantat

Sofort ab der Diagnose wurden wir vom Team der HNO-Abteilung an der Klinik St. Pölten betreut und wir fühlten uns von Anfang an gut aufgehoben. Ein Jahr zuvor waren Cochlea-Implantate (CI) erstmals auch für einseitig ertaubte Menschen zugelassen worden. So wurde Valentin bald nach der Diagnose als einer der ersten Patienten mit einseitiger Taubheit mit einem CI versorgt, denn wir wollten ihm so schnell wie möglich Hören in Stereo ermöglichen.

Natürlich war das alles keine einfache Entscheidung für unsere Familie.

Aber dennoch überwiegte der Optimismus: Nicht was schiefgehen könnte, stand im Vordergrund, sondern die Zuversicht und Vorfreude auf das, was Valentin durch die Implantation gewinnen könnte.

Weniger Optimismus erlebten wir leider von Valentins Schule: Seine Lehrerin war nicht begeistern von seiner neuen High-Tech-Hörhilfe. Sie sah vor allem die Mehrarbeit für sich. Ich zog die Konsequenzen und suchte für Valentin eine neue Schule, die bereit war, auf seine Bedürfnisse einzugehen. Heute kann ich sagen: Das war genau das Richtige!

Leben in Stereo

Valentin war immer ein schüchterner Junge gewesen. Doch mit dem CI und an einer neuen Schule blühte unser Sohn schnell auf! Er lernte innerhalb kurzer Zeit Lesen, Schreiben und Rechnen, fand Freunde und gewann ungemein an Selbstbewusstsein.

Natürlich waren Valentins Klassenkameraden neugierig und wollten wissen, wie denn sein „elektronisches Ohr“ funktioniert. Aber sobald sie Bescheid wussten, wurde das CI Teil des Alltags – genau wie eine Brille oder eine Zahnspange.

Nach über fünf Jahren des Stereo-Hörens hat sich Valentin heute zu einem selbstbewussten Jugendlichen entwickelt. Besonders schön zu sehen: Er traut sich selbst viel mehr zu, als wir es uns als Eltern je erträumt hätten. Er ist begeisterter Fußballer, probiert neue Sportarten aus, hat neue Freundschaften geschlossen und ist Teil der Feuerwehrjugend. Ich könnte nicht glücklicher über die Entwicklung unseres Sohnes sein!

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