in Gastartikel

Sollte Ihr Kind mit Hörverlust anders behandelt werden oder genauso wie jedes andere? Als Eltern eines Kindes mit Hörimplantat fragt man sich oft, ob und wie es wohl damit fertig wird, anders als die anderen zu sein. Ana ist der Meinung, dass ihr 10-jähriger Sohn wegen seines Cochleaimplantats keine andere Behandlung erfahren sollte. Hugo ist ständig dabei, seine Grenzen auszutesten, sei es in der Überwindung seines Hörverlusts oder bei rasanten Fahrten mit dem Motorrad.

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Als Hugo drei Jahre alt war, brachten wir ihn zu einem Sprachtherapeuten, weil er Probleme mit der Entwicklung seines Sprechvermögens hatte. Wir vermuteten, dass er an einem Hörverlust litt, weil er nicht reagierte, wenn wir ihn im Auto ansprachen. Aber seine Ärzte versicherten uns, dass mit seinem Gehör alles in Ordnung sei und er nur Probleme mit dem Sprechen habe. Erst als Hugo im Alter von fünf Jahren einen Motorradunfall hatte und daraufhin eine Computertomographie durchgeführt wurde, kam man zu der Diagnose Mondini-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Fehlbildung des Innenohrs, die zu einem sensorineuralen Hörverlust führen kann.

 

„…Er reagierte sehr verärgert, wenn er uns nicht hören konnte oder wir ihn nicht verstanden.“

 

Von da an ging alles ganz schnell. Wir suchten einen Hörspezialisten auf, der erklärte, dass Hugo unter einem hochgradigen Hörverlust im rechten Ohr litt und sein gutes Gehör im linken Ohr früher oder später auch noch verlieren würde. Er erhielt darauf hin Hörhilfen, die ihm ein Jahr lang gute Dienste leisteten. Allerdings merkten wir recht bald, dass sein Gehör weiter nachließ, und er reagierte sehr verärgert, wenn er uns nicht hören konnte oder wir ihn nicht verstanden. Im Alter von sieben Jahren erhielt Hugo im Gregorio Marañón Hospital in Madrid ein Cochleaimplantat im rechten Ohr.

 

„Hugos Geschichte macht deutlich, dass jedes Kind in allem erfolgreich sein kann, wenn es mit Spaß bei der Sache ist.“

 

Wir sind wirklich stolz darauf, dass Hugo immer eine ganz normale Schule besucht hat und ohne weiteres mit den anderen Kindern in seiner Klasse mithalten kann. Hugo ist ziemlich intelligent, wenn auch ein bisschen lernfaul! Hugo verwendet ein FM-System, um seine Lehrer besser hören zu können, und er lernt Flötespielen – und schlägt sich ganz gut dabei! Für ihn ist es das Größte, dass er sich dank seines Cochleaimplantats ganz normal mit anderen unterhalten kann. Er nutzt seinen Prozessor beim Fußball- und Basketballspielen und verhält sich in der Schule genauso wie alle seine Freunde mit „normalem Gehör“.

Aber nun zu Hugos liebstem Hobby: Motorräder! Hugo wollte immer schon lernen, Motorrad zu fahren, und über Freunde haben wir eine entsprechende Fahrschule gefunden. Sein Lehrer hat Hugos Hörverlust nie als Hinderungsgrund gesehen. Im ersten Jahr lernte Hugo auf einer Minimoto, später dann auf einer KAWA 65. Zur Zeit fährt er eine MINI GP 110. Hugo kann den Prozessor nicht während der Fahrt tragen, weil er nicht unter den Motorradhelm passt – zum Wechseln der Gänge konzentriert er sich einfach auf die Vibrationen. Aber wenn es darum geht, seine Freunde bei einem Wettrennen anzufeuern, legt er den Audioprozessor immer an!

 

„Hugo ist besonders, aber nicht wegen seines Hörverlusts, sondern weil er alles schafft, was er sich in den Kopf setzt.“

 

Wir als Eltern glauben, dass jedes Kind, das ein Motorrad fahren kann, außergewöhnlich ist, und das gilt um so mehr für unseren Hugo. Dass Hugo mit seinem Cochleaimplantat besser hören kann, macht ihn glücklich, weil er sich mit seinen Klassenkameraden und Motorrad-Freunden unterhalten und telefonieren kann und alles versteht, was seine Lehrer sagen. Allerdings versteht sich Hugo selbst nicht in erster Linie als Cochleaimplantat-Träger. Er sagt, dass er einfach so leben möchte wie seine Klassenkameraden und Freunde auch.

Meiner Meinung nach macht Hugos Geschichte deutlich, dass jedes Kind in allem erfolgreich sein kann, wenn es mit Spaß bei der Sache ist. Hugo selbst sagt, dass Kinder mit Hörverlust die Möglichkeit haben sollten zu tun, was sie wollen, und dass sie genauso behandelt werden sollten wie „normal hörende“ Kinder. Ich glaube, dass man Kindern vermitteln muss, dass sie etwas Besonderes sind. Hugo ist besonders, aber nicht wegen seines Hörverlusts, sondern weil er alles schafft, was er sich in den Kopf setzt.

 

Danke, Ana!

 

Was denken Sie? Ist ein Kind mit Cochleaimplantat anders als gleichaltrige Kinder oder sollten sie trotz ihres Hörverlusts genauso behandelt werden?

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