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Wenn Ihr Kind sein Cochleaimplantat noch nicht lange trägt, hat es wahrscheinlich gerade erst mit dem Aufbau seiner Sprach- und Kommunikationsfähigkeit begonnen. In dieser Zeit ist der Versuch, mit anderen zu kommunizieren, nicht immer von Erfolg sondern auch von Frust gekrönt. Das ist leider die Schattenseite eines Cochleaimplantats.

Für Sie als Eltern gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Ihrem Kind in dieser schweren Zeit beizustehen.

Die Ursache für den Frust

Weinen, Wutanfälle, Rückzug aus dem sozialen Umfeld, Ignorieren und Nichtbefolgen von Anweisungen sind alles Wege, diesen Frust zu zeigen. Es kann viele unterschiedliche Gründe für diesen Frust geben, aber einer davon könnte sein, dass Ihr Kind nicht weiß, wie es kommunizieren oder sich verständlich machen soll.

So helfen Sie Ihrem Kind

Klare, altersgemäße Sprache

Ein Großteil dieses Frusts könnte darauf zurückzuführen sein, dass Ihr Kind nicht versteht, was gesagt wird. Der beste Lösungsansatz besteht dann darin, dass Sie eine Sprache verwenden, die es versteht. Verwenden Sie kurze und eindeutige Redewendungen, die zu dem passen, was gerade vor sich geht, und benutzen Sie Wörter, die es eventuell schon einmal gehört hat.

Wenn es beispielsweise weiß, was „Tschüss“ bedeutet, dann benutzen Sie dieses kurze Wort in größeren Zusammenhängen, zum Beispiel: „Es ist Zeit zu gehen. Wir können mit dem Auto später spielen. Tschüss, Auto, bis nachher. Tschüss, Auto. Wir spielen nächstes Mal weiter.“

Zeigen Sie Verständnis

Reagieren Sie auf den Frust Ihres Kindes verständnisvoll. Helfen Sie ihm, diese Gefühle besser einordnen zu können, indem Sie ihnen Namen geben. Sagen Sie zum Beispiel: „Ich sehe, dass du frustriert bist. Ich weiß, dass du mit dem Auto spielen möchtest. Aber jetzt ist Ben dran. Wir müssen warten und du bist dann nach Ben dran.“

Aus Frusterlebnissen lernen

Beobachten Sie das Verhalten Ihres Kindes und versuchen Sie herauszufinden, ob es bestimmte Situationen gibt, in denen es immer wieder scheitert. Nutzen Sie dieses Wissen, um daraus ein Spiel zu machen.

Gehen Sie die Situation immer wieder durch und lassen Sie sie immer anders enden. In der einen Variante bleibt Ihr Kind frustriert, in einer anderen könnten Sie ihm eine Möglichkeit aufzeigen, wie es seine Schwierigkeiten überwinden kann.

Durch ständiges Üben lernt Ihr Kind dazu und ist hoffentlich irgendwann in der Lage, dieses Wissen anzuwenden und Situationen zu meistern, an denen es vorher gescheitert ist.

Schreiben eines Erfahrungsberichts

Wir haben bereits davon gesprochen, inwiefern ein Erfahrungsbericht für die Weiterentwicklung Ihres Kindes hilfreich ist. Wie im Spielbeispiel oben kann das Niederschreiben einer frustrierenden Situation Ihrem Kind helfen, exakt zu verstehen, was vor sich geht und warum es frustriert ist.

Wenn sich Ihr Kind beispielsweise von einem Freund oder Klassenkameraden frustriert fühlt, dann schreiben Sie eine Geschichte, in der diese Person vorkommt. Verwenden Sie eine Sprache, die Ihr Kind versteht, und lassen Sie die Geschichte so enden, dass es nicht frustriert wird. Fassen Sie die Emotionen aller Beteiligten in Worte, damit Ihr Kind besser versteht, was in anderen Menschen vorgeht.

Seien Sie konsequent

Ihr Kind lernt am ehesten, was von ihm erwartet wird, wenn Sie Routinen mit festgelegten Regeln entwickeln.

Lassen Sie Ihr Kind wissen, welches Verhalten angemessen ist und welches nicht, und erklären Sie ihm, warum. Sie könnten beispielsweise sagen: „Nein, nein. Wir schubsen nicht. Wenn du deine Schwester schubst, dann tut ihr das weh.“ Oder, wenn Ihr Kind etwas richtig macht: „Toll. Es hilft mir wirklich, wenn du deinen Teller hinausträgst. Dankeschön.“

Entwicklung von Sozialkompetenzen

Helfen Sie Ihrem Kind bereits in der Aufbauphase seiner Kommunikationsfähigkeit, indem Sie sein Vokabular mit nützlichen Wörtern und Redewendungen „unterfüttern“. Verwenden Sie diese Redewendungen, wann immer sie Sinn machen. Dazu gehört zum Beispiel: „Kann ich mit dir spielen?“, „Ich möchte nicht, dass du xxx tust“, „Dankeschön“, „Wie bitte?“, „Möchtest du spielen?“ und „Ich heiße xxx“. Wenn Ihr Kind diese Redewendungen beherrscht, ist es besser auf bestimmte Situationen vorbereitet und muss sich nicht für alles etwas Neues einfallen lassen.

Beim Verfassen dieses Beitrags wurden wir von Ingrid Steyns, einer Rehabilitationstherapeutin bei MED-EL, unterstützt.

 

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Referenzen
Edwards, L., Khan, S., Broxholme, C., Langdon, D. (2006). Exploration of the cognitive and behavioural consequences of paediatric cochlear implantation. Cochlear Implants Int., 7(2), S. 61-76
Wiefferink, C.H., Rieffe, C., Ketelaar, L., Frijns, J.H. (2012). Predicting social functioning in children with a cochlear implant and in normal-hearing children: The role of emotion regulation. Int J Pediatr Otorhinolaryngol.

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