in Gastartikel

Claudia Schweier ist seit ihrer Jugend schwerhörig. Mit ihrem Cochlea-Implantat holt sie jetzt begeistert den geschwänzten Gitarrenunterricht aus ihrer Kindheit nach.

Allmählich verschwanden die vertrauten Töne

Mit 14 Jahren bemerkte Claudia, wie allmählich ihr Gehör schwand. Das Vogelgezwitscher, das sie morgens auf dem Schulweg begleitet hatte, war verstummt. Ein paar Jahre später auch das Läuten des Telefons.

Die Ausbildung zur Heilmasseurin gestaltete sich durch die fortschreitende Schwerhörigkeit aufwändiger, doch Claudia meisterte die Herausforderung mit Mehraufwand. Noch viele Jahre lang kompensierte sie ihren unbehandelten Hörverlust.

Als sie mit ca. 30 Jahren ihre ersten Hörgeräte bekam, war sie von deren Leistung nicht überzeugt. Damals waren die Geräte weder einem Hochtonsteilabfall noch dem Störlärm gewachsen. Doch viele weitere Jahre sollten vergehen, bis Claudia bessere Hörapparate bekam.

 

Singen trotz Schwerhörigkeit

In dieser Zeit wuchs auch Claudias Begeisterung für das Singen. Sie wagte sich in einen Chor mit fast 40 Personen. Zu ihrer Freude klappte das Singen gut, vor allem, wenn sie zusätzlich zuhause übte.

Die Liebe zur Musik war jedenfalls entflammt. Claudia wechselte zu einem Gospelchor, sang auch in kleinen Ensembles, wo sie sogar registerführend war, und nahm Gesangsunterricht bei einer Konzertsängerin.

Leider verstand sie auch mit Hörgeräten die Anweisungen der Chorleitung nicht gut und gab den Chorgesang nach einiger Zeit auf. „Da ich nicht alles verstand, entstand das Vorurteil, dass ich auch nicht singen kann. Doch wenn man viel übt, singt man auch als Schwerhörige richtig“, erklärt die Unterallgäuerin.

Ihr Mann schenkte ihr zu Weihnachten 2018 eine Ukulele. Voller Enthusiasmus brachte sich Claudia das neue Instrument im Selbststudium bei und bei einem Bekannten lernte sie Schlagrhythmen. Ihre Fortschritte motivierten sie so sehr, dass sie sich einige Monate später eine spanische Gitarre kaufte. „Als Kind bekam ich eine Gitarre geschenkt und musste Unterricht nehmen. Dabei hätten mir Klavier oder Querflöte viel besser gefallen. Als Teenager schwänzte ich den Gitarrenunterricht und das war’s dann mit meiner Karriere als Gitarristin“, meint sie lachend.

 

Neu entflammte Leidenschaft

Inzwischen Mitte 50, wurde Claudias Hörverlust beidseits als an Taubheit grenzend eingestuft. Die neue Gitarre hörte sie nur unzureichend und dumpf. Doch sie war einer der Gründe, warum sich Claudia implantieren ließ. „Über den Schwerhörigenbund kam ich zum Cochlea-Implantat. Die Entscheidung ist mit vielen Fragen verknüpft, deren Antworten ich in monatelanger Recherche teilweise im Internet, teilweise von Betroffenen in Selbsthilfegruppen fand.“

Die Frage nach Musik mit CI konnte ihr niemand sicher beantworten. „Ich entschied mich aus dem Bauch heraus für mein CI. Der Herrgott kann ja nicht gewollt haben, dass ich mir eine tolle und teure Gitarre kaufe und dann das Instrument nicht hören kann“, ist Claudia überzeugt.

Der Implantationstermin für das rechte Ohr im März 2020 konnte noch gehalten werden, doch dann gewann die Corona-Pandemie die Oberhand und verhinderte Claudias Reha. „Zuhause übte ich mit einer CD und am Handy, das funktionierte fürs Sprachverständnis recht gut.“ Die Gitarre trug mindestens ebenso viel zum Hörerfolg bei. „Am Anfang klang sie noch ungewohnt, doch nach ein paar Wochen täglichen Übens und weiteren Prozessoreinstellungen gefiel mir meine neue Gitarre richtig gut.“ Auch bekannte Lieder klingen mit CI fast so wie früher. Ein eigenes Musikprogramm, das ihr auf den Prozessor programmiert wurde, verbessert Claudias Musikgenuss noch mehr. Das linke Ohr wurde mit einem neuen Hörgerät versorgt.

Die Liebe zur Gitarre flammte nach vierzig Jahren wieder auf. Folk, Schlager, Klassik, alles spielt Claudia und freut sich auf ihren Unterricht in Klassikgitarre. Heute übt sie mehrmals pro Woche zwischen einer halben und zwei Stunden.

Doch die umtriebige Unterallgäuerin musiziert nicht nur alleine. Sie organisierte bereits ein privates Musikfest in ihrem Garten mit ca. 40 Gästen, wovon viele mit ihren Instrumenten drauflos musizierten. „Ein Riesenspaß“, erinnert sich die Organisatorin freudestrahlend.

 

Rat aus erster Hand

Claudia hält wertvolle Tipps für musikbegeisterte CI-NutzerInnen und KandidatInnen parat.

  • „Besteht bei der Anpassung auf einem Programm für Musik. Nicht nur die Sprache ist wichtig! Dazu braucht es natürlich Ingenieure, die sich mit Musik auskennen.
  • Nur hören allein reicht nicht. Selber singen und musizieren versetzt uns in emotionale Schwingungen und macht uns glücklich.“

Und der wichtigste Ratschlag?

„Wer mit CI Musik machen will, soll es einfach tun. Genau das Instrument spielen, das man immer schon spielen wollte. Egal, wie alt man ist. Übung macht nicht nur den Meister, sondern vergrößert den Spaß an der Musik. Musik gibt uns so viel!“

Wenn Sie sich überzeugen möchten, wie gut Claudia mit CI singt und Gitarre spielt, sehen Sie sich ihr Video an!


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