in Technologie

Am Hauptsitz von MED-EL in Österreich bringen wir die klügsten Köpfe aus der ganzen Welt zusammen, um zukunftsweisende Technologien für Gehörimplantate zu erforschen. Im ersten Beitrag aus einer ganzen Serie von Gastbeiträgen stellen wir Ihnen Wissenschaftler, Forscher und Techniker aus der ganzen Welt vor, die daran arbeiten, die Welt wieder aufhorchen zu lassen. Wenn Sie sich je gefragt haben, was Magnetresonanztomographien (MRTs) mit Cochleaimplantaten (CIs) zu tun haben, dann werden Sie in diesem Interview mit Ellyce fündig werden. Als MRT-Expertin aus dem fernen Neuseeland bringt sie ihr geballtes Wissen bei MED-EL ein. Ellyce hat sich mit uns zusammengesetzt, um uns zu erklären, was Ihr MRT-Team macht und warum für Träger von Cochleaimplantaten die MRT-Sicherheit so wichtig ist.

 

Danke, dass Sie für uns Zeit haben, Ellyce! Können Sie uns ein bisschen von sich selbst erzählen?

Ich stamme ursprünglich aus Gisborne, einer kleinen Stadt an der Ostküste von Neuseeland. Ich habe zuerst an der Universität von Auckland Ingenieurswissenschaften studiert und anschließend meinen Doktor in Biomedizin am Auckland Bioengineering Institute gemacht.

Im Rahmen meiner Doktorarbeit konzentrierte ich mich auf Sicherheitsaspekte von implantierbaren Geräten bei der Magnetresonanztomographie (MRT), was zufälligerweise genau zu dem Zeitpunkt geschah, als MED-EL die Zulassung für MRTs mit 3,0 Tesla bekam. Das gab es damals für kein anderes Cochleaimplantat, und ich erkannte, wie aktiv und fortschrittlich MED-EL in diesem Bereich war. Nach Abschluss meiner Promotion wurde mir schnell klar, dass ich einen Beruf ausüben wollte, bei dem ich anderen Menschen helfen konnte, und so kam ich zu MED-EL.

Meine tägliche Arbeit besteht aus einer Mischung von physikalischen Tests im Labor oder in der Klinik und Computersimulationen.  In den Simulationen wird die MRT-Umgebung nachgestellt, um Vorhersagen zu treffen, inwieweit neue Implantate oder Funktionen die Patientensicherheit beeinflussen können.

MRI testing

 

Was interessiert Sie am meisten an der Arbeit mit CIs und MRTs?

Beide Technologien entwickelt sich rasant weiter, so dass an immer mehr Menschen sowohl Cochleaimplantate eingesetzt als auch MRT-Untersuchungen durchgeführt werden. Um die Sicherheit der Patienten gewährleisten zu können, muss man die Funktionsweise dieser medizinischen Geräte aufeinander abstimmen. Wenn MRTs immer selbstverständlicher werden, muss man außerdem dafür sorgen, dass Patienten nicht wegen ihres Implantats davon ausgeschlossen bleiben.

 

Für den Unbedarften ist dieses ganze Gerede von MRT und CI ziemlich verwirrend. Können Sie kurz erklären, warum für MED-EL die MRT-Sicherheit so wichtig ist?

Beim MRT steht der Wert in Tesla für die Stärke des statischen Magneten. Das statische Magnetfeld kann dazu führen, dass sich das Implantat im Kopf eines Menschen verschiebt, so wie bei einem Kühlschrankmagneten, der vom Kühlschrank angezogen wird. Bei einem MRT ist dieses Feld immer vorhanden. Das SYNCHRONY ist im Innern mit einem drehbaren Magnet ausgestattet, damit sich das Implantat nicht verdrehen und in Richtung des MRT-Magneten wandern kann. Stattdessen ist der Magnet im Innern des Implantats frei beweglich. So wird der Druck auf den Kopf, den der Patient verspürt, minimiert.

Der drehbare Magnet im Innern des SYNCHRONY-Cochleaimplantats bedeutet außerdem, dass selbst bei einem MRT mit 3,0 Tesla kein chirurgischer Eingriff zum Entfernen des Cochleaimplantat-Magneten erforderlich ist. Da MRTs gelegentlich schnell und unerwartet erforderlich werden, zum Beispiel nach einem Unfall, ist das nicht unerheblich. MRTs werden schon deshalb immer häufiger verschrieben, weil das Strahlungsrisiko für den Patienten nicht annähernd so hoch ist wie beispielsweise beim Röntgen oder bei CTs. Außerdem können mehr Gewebearten durchleuchtet werden. Deshalb ist es so wichtig, dass Patienten auch ohne chirurgischen Eingriff MRTs mit 1,5 oder 3,0 Tesla bekommen können.

 

Hat es in den letzten Jahren wesentliche Entwicklungen im Bereich der MRT-Sicherheit gegeben?

Es ist noch gar nicht so lange her, dass man bei Patienten mit jeder Art von Implantat sofort von einem MRT Abstand genommen hat, weil man Angst vor den Auswirkungen des elektromagnetischen Feldes hatte. Durch ein besseres Verständnis der MRT-Geräte und die sorgfältige Entwicklung von neuen Implantaten wie dem SYNCHRONY im Jahre 2014 ist es allerdings gelungen, auch bei vorhandenen Implantaten sichere MRT-Scans anzubieten.

Die Erforschung stärkerer und komplexerer MRT-Scanner geht rasant voran und als Wissenschaftlerin stelle ich mich gern der Herausforderung, mit diesen Innovationen Schritt zu halten, damit unsere Patienten im Falle eines Falles von dieser Entwicklung profitieren können.

 

Danke Ellyce!

 

Haben Sie Fragen zu Cochleaimplantaten und MRTs? Oder tragen Sie ein Cochleaimplantat und hatten schon ein MRT? Schreiben Sie Ihren Kommentar in das Feld unten!

Lernen Sie Martin Zimmerling kennen, den Erfinder des bahnbrechenden drehbaren SYNCHRONY-Magneten!

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