in Gastartikel

Heinz und Walter sind zwei Hobbymusiker aus Niederösterreich, die nicht nur die Liebe zur Musik vereint. Eine große und für sie persönlich wichtige Gemeinsamkeit ist das Cochlea-Implantat, das ihnen den Zugang zur Musik überhaupt ermöglicht. Denn sowohl Walter als auch Heinz verloren im Laufe ihres Lebens ihr Gehör. Und beide litten unter der Tatsache, nicht mehr so selbständig wie gewohnt zu sein, sich kaum mehr unterhalten zu können und in geselliger Runde im Abseits zu sitzen. Doch am meisten traf beide der Verlust der Musik. Nicht mehr musizieren zu können, gemeinsam mit ihren Ensembles andere Menschen zu unterhalten, traf die zwei Männer unabhängig voneinander schwer.

Die Parallelen im Leben von Walter und Heinz lassen sich fortsetzen. Beide wagten den Schritt zur Cochlea-Implantation. Und erwarteten gespannt ihren neuen Musikgenuss mit CI. Die Enttäuschung folgte auf dem Fuß. „Gleich nach der Erstanpassung empfand ich Musik nicht als schön“, erinnert sich Walter zurück. Sein Freund Heinz, der einige Jahre später implantiert wurde, bestätigt: „Die Harmonika klang am Anfang schrecklich für mich!“

Aufgeben war keine Option für die beiden leidenschaftlichen Musikanten. Walter stieß bei seiner Zusammenarbeit mit dem MED-EL Forschungsteam auf eine Audiologin, die selbst Sängerin ist und an sich selbst den Anspruch stellt, das Maximum aus der Software des Audioprozessors zu holen. So erhielt Walter ein eigenes Musikprogramm und übte nach vielen Anpassterminen mit eisernem Willen an der Verbesserung seiner musikalischen Hörfähigkeit. „Mit diesem Programm und dank des Musiktrainings bereitet mir das Musizieren wieder Freude. Ich spiele fast täglich mehrere Stunden Geige, Gitarre und Saxophon. Ich bin glücklich, wenn unser Publikum begeistert mitsingt.“


TECHNIK, HERZBLUT UND FLEISS FÜR MEHR GENUSS

Auch Heinz arbeitete intensiv, um Musik wieder genießen zu können. Gemeinsam mit seiner Musiktherapeutin an der Klinik St. Pölten, zusammen in der Gruppe während eines dreiwöchigen Reha-Aufenthalts in Bayern und allein zuhause übte er regelmäßig mit seiner geliebten Harmonika, um allmählich festzustellen: „Sie klingt wieder gut!“ Das Glück, das er verspürt, wenn er mit seiner Musik gute Stimmung bei geselligen Zusammenkünften verbreitet, ist Heinz ins Gesicht geschrieben.

Neben Durchhaltevermögen, einem starken Willen, musikalisch wieder von vorne zu beginnen und der Bereitschaft, das Musikhören intensiv zu üben, bedarf es für Musikgenuss noch anderer Komponenten. Das Cochlea-Implantat-System muss die technischen Grundvoraussetzungen für optimale Musikwahrnehmung erfüllen: ein tief eingeführter Elektrodenträger, der alle Bereiche der Cochlea stimuliert und das ganze Frequenzspektrum von hohen bis tiefen Tönen abdeckt; ein weicher, atraumatischer Elektrodenträger, der die sensiblen Strukturen der Cochlea bewahrt und Klang natürlich abbildet; und ein Klangkodierungsprogramm, das auch die komplexen, feinen Details von Musik übermittelt.


DOCH WARUM IST MUSIK ÜBERHAUPT WICHTIG FÜR COCHLEA-IMPLANTAT-NUTZER?

Für CI-Nutzer, die vor ihrer Implantation nicht aktiv musizierten oder Musik keine große Bedeutung beimaßen, hat diese auch danach wenig Gewicht.

Aber das Erkennen von Sprachmelodien, von Emotionen und Bedeutungen, die ein Satz in sich trägt, und das bessere Verstehen bei Hintergrundlärm sind nur zwei der Vorteile, die Musiktraining für alle CI-Nutzer bringt.


MUSIK VERBINDET

Musik weckt Erinnerungen, bringt Geselligkeit und Glück. Und im Fall von Walter und Heinz neue Freunde. Die beiden lernten sich beim Treffen einer CI-Selbsthilfegruppe kennen und entdeckten schon bald ihre gemeinsame Leidenschaft zur Volksmusik.

Bei einem Kurzurlaub mit ihren Familien stand neben idyllischen Wanderungen das Musizieren im Mittelpunkt.  Eine große Freude auch für die Angehörigen, die auch die Zeit des Nichthörens noch in Erinnerung hatten.

 

Neue Herausforderungen nehmen Walter und Heinz ebenso gerne an. Letzterer nahm vor Kurzem an einem Alphorn-Workshop teil und berichtete begeistert: „Dieser Kurs war eine einzigartige Erfahrung! Das Alphorn ist für CI-Nutzer ein sehr schwieriges Instrument. Der Workshop-Leiter gilt als einer der Alphorn-Koryphäen. Weil er auch selbst Chöre leitet, haben wir auf dem Workshop auch viel gesungen.“

Walter stellt seine Expertise als musizierender Cochlea-Implantat-Nutzer mittlerweile anderen Betroffenen zur Verfügung. Als Hörberater beantwortet er Fragen von Kandidaten, die vor der Implantation wissen wollen, wie sich Musik mit CI anhört. Und er gibt persönliche Ratschläge, wie man das Hören von Musik mit CI trainieren kann.

Wie Nutzer von Hörimplantaten mehr Musikgenuss mit Hörimplantat erreichen können, weiß auch Johanna Boyer, Musikwissenschaftlerin bei MED-EL und selbst CI-Trägerin. Die besten Übungsmaterialien, Apps und Tipps zur Musikrehabilitation verrät sie hier.

 

Ein abschließender Tipp für Musikliebhaber:  hören Sie doch in die eigens für CI-Nutzer erstellten MED-EL Playlists rein: von sonnigen Sommersongs über motivierende Montagsmusik bis hin zum Besten von Beethoven ist alles dabei – abgestimmt auf die Hörbedürfnisse von Cochlea-Implantat-Nutzern.

 

 

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