in Gastartikel

Vor ein paar Wochen haben wir Ihnen Silke vorgestellt, die uns von ihrem Hörverlust erzählt hat und wie sie sich für das VIBRANT SOUNDBRIDGE-Mittelohrimplantat entschieden hat. Silke lebt in Deutschland und erhielt ihr Implantat Ende November 2016, nachdem sie bereits zwanzig Jahre lang nach einer Lösung für ihren Hörverlust gesucht hatte. In diesem Beitrag berichtet Silke von ihren Erfahrungen im Vorfeld des Eingriffs und wie sie seit Erhalt des Mittelohrimplantats wieder besser hören kann.

 

Die Zeit bis zur SOUNDBRIDGE-OP

Diese Phase von der Entscheidung für das SOUNDBRIDGE-Implantat bis zum Eingriff selbst war eine einzige Achterbahnfahrt. An manchen Tagen ging es mir gut, an anderen war ich voller Zweifel. Zum Glück war mein Mann immer für mich da, baute mich auf und wir sprachen viel über meine Ängste. Vor allem aber versicherte er mir, dass er, selbst wenn etwas schiefgehen sollte und ich auf einem Ohr taub würde, immer für mich da wäre und wir auch das genauso schaffen würden wie bisher, nämlich gemeinsam!

Am Tag der OP selbst war ich wahnsinnig aufgeregt. In einem Moment voller Vorfreude und dann wieder voller Angst. Was, wenn der Eingriff nichts brachte? Die ersten Tests nach der OP ergaben, dass ich auf dem linken Ohr nicht taub war, aber was, wenn die Verbindung zwischen Implantat und Incus nicht funktionierte? Ich hatte tausend Fragen, und konnte doch nichts anderes tun, als bis zu Aktivierung zu warten.

Nach der OP brach mein Sohn in Gelächter aus.Mein Kopf war auf einer Seite rasiert und ich hatte beschlossen, auch den Rest abzurasieren, so dass ich nur noch Stoppeln auf dem Kopf hatte. Als mein Sohn mich zum ersten Mal ohne Haare sah, fing er fürchterlich an zu lachen, aber er lachte mich nicht aus, eher so nach dem Motto: „Mama, du siehst klasse aus, aber irgendwie komisch.“ Er begann sofort, mich gegen jeden zu verteidigen, der es wagte, mich schräg von der Seite anzusehen, und warf solchen Leuten überall, wo wir hinkamen, böse Blicke zu.

 

Die ersten Höreindrücke mit meinem Mittelohrimplantat

Als ich meinen Audiologen kennenlernte, war ich sehr froh, dass er so nett und gut drauf war und viel mit mir redete.Noch bevor er die SOUNDBRIDGE aktivierte, konnte er mir einen Großteil meiner Nervosität und Angst nehmen. Diese ersten Höreindrücke nach der Aktivierung werde ich nie vergessen. Ich war einfach sprachlos. Ich glaube, ich hatte sogar Tränen in den Augen – vor Freude.

Wie viel besser ich aber tatsächlich hören konnte, wurde mir erst klar, als ich in unsere Wohnung zurückkehrte, die gleich neben einer Kirche liegt.Als wir vor ein paar Jahren hier einzogen, fragte ich meinen Mann, ob ihm dieses tiefe „Wrumm-Wrumm“ aufgefallen sei. Ich erklärte ihm, dass ich das Geräusch beim besten Willen nicht zuordnen konnte. Es war wie ein Schwingen in regelmäßigen Abständen über den ganzen Tag hinweg. Er schaute mich etwas komisch an, öffnete dann ein Fenster und fragte: „Meinst du die Kirchenglocken?“ Und er hatte recht. Als ich nach der Aktivierung nach Hause kam, ließ ich mich erst einmal erschöpft auf die Couch fallen. Und da hörte ich es wieder. Kein tiefes „Wrumm-Wrumm“, sondern den satten Klang von Kirchenglocken. Ich suchte in der ganzen Wohnung, ob vielleicht ein Fenster offen stand. Als ich keines fand, wurde mich klar, dass ich die Kirchenglocken sogar durch die geschlossenen Fenster hören konnte! Ich schrieb meinem Mann eine SMS mit den Worten: „Ich kann bei geschlossenen Fenstern die Glocken hören“, und fügte einen lachenden Smiley hinzu. Ich wusste, dass er verstehen würde, was das bedeutet!

 

Jeden Tag ein bisschen besser

Seit der Aktivierung sind erst ein paar Monate vergangen, aber ich kann bereits jetzt Diskussionen viel besser folgen als zuvor und das Ganze strengt mich viel weniger an. Wenn jemand wirklich leise spricht, habe ich immer noch Probleme, jedes Wort zu verstehen, aber immerhin verstehe ich wesentlich mehr. Ich fühle mich weniger isoliert und kann vieles wieder genießen. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich wegen des Hörverlusts begonnen hatte, Zusammenkünfte zu fürchten oder sogar zu meiden, indem ich zum Beispiel an einem Abendessen mit Freunden nicht teilnahm. Dank meines gesteigerten Hörvermögens mit dem Mittelohrimplantat habe ich wieder Freude an solchen Verabredungen. Ich kann jedem Gespräch folgen und sogar mit mehr als einer Person gleichzeitig reden. Das ist unglaublich!

Ich höre jetzt sogar Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt, was manchmal lustig, manchmal aber auch verwirrend ist! So hörte ich eines Tages zum Beispiel etwas, das klang, als hätten wir ein Kätzchen in der Wohnung, was definitiv nicht der Fall war. Ich war völlig verunsichert, bis ich merkte, dass es nur der Kühlschrank war, der merkwürdige Schnurrgeräusche von sich gab! Autos höre ich jetzt viel lauter. Beim Überqueren einer Straße schaue ich deshalb lieber einmal mehr, ob was kommt, weil es sich immer so anhört, als wären die Autos direkt neben mir, obwohl sie ganz weit weg sind. Oft sind es die kleinen Geräusche, die mich verwirren, bis ich herausfinde, worum es sich handelt, während jemand mit normalem Gehör diese einfach ignorieren würde. Ich muss noch lernen, Geräusche zu unterdrücken, die ich nicht hören will, wie zum Beispiel den Lüfter vom Ofen nach dem Backen. Ich weiß, dass ich den Umgang mit diesen ganzen neuen Höreindrücken noch lernen muss, aber bislang läuft es großartig und jeden Tag ein bisschen besser. Diese Woche fliegen wir nach Amerika, wo wir ein paar Nationalparks besichtigen möchten. Ich freue mich schon so auf die Geräusche in den Parks, die Vögel, den Wind, einfach alles!

 

Mein Rat an andere

Auch andere, die unter einem ähnlichen Hörverlust leiden wie ich, haben vielleicht Bedenken gegen ein Mittelohrimplantat. Mir ging es genauso. Aber mit der richtigen Unterstützung gibt es keinen Grund zur Besorgnis und so viele Gründe, die dafür sprechen. Die Welt des Klanges ist so viel reicher und der Umgang mit anderen so viel leichter, dass es die Sache wirklich wert ist. Keiner sollte sich dieses Erlebnis oder die Freude, auch kleine Dinge wieder zu hören, entgehen lassen, auch wenn der Weg dorthin am Anfang vielleicht steinig ist. Es gibt so viele kleine Dinge zu hören, die einfach nur schön sind, und es wäre so schade, sie zu verpassen!

 

Danke, Silke!

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