in Gastbeiträge

Max Röder ist 24 Jahre alt, studiert Informatik in Würzburg und spielt in seiner Freizeit Rugby. Er führt „ein ganz normales Leben“, wie er durchaus zufrieden sagt. Und das, obwohl – oder vielmehr, weil – er vor mehr als 20 Jahren als weltweit erstes Kind beidseitig mit Cochlea-Implantaten versorgt wurde. Im Interview erzählt er von den ersten Schritten als CI-Nutzer, technologischen Errungenschaften und davon, was er an seinen Implantaten am meisten schätzt.

Du hast dein erstes Cochlea-Implantat als Zweijähriger erhalten. Weißt du, welche Gedanken sich deine Eltern damals gemacht haben?
Sie wollten, dass ich normal hören kann. Es gab damals sehr viele Stimmen, die gegen die Entscheidung meiner Eltern waren. Aber für sie stand fest, dass ein (damals völlig neues) Implantat genau das ist, was ich benötige.

Was war damals ausschlaggebend für die Wahl des Cochlea-Implantats?
Wie gesagt, das war vor mehr als zwanzig Jahren alles noch sehr neuartig. An einem Baby bzw. Kleinkind wollten Kliniken eine solche Implantation noch nicht wirklich vornehmen. Daher waren meine Eltern an vielen Kliniken. An einer davon waren die Ärzte schließlich bereit, es zu versuchen. Jedoch verwendeten sie eine Technik, die sich „seit 20 Jahren bewährt hatte“. Das war 1995 schon ziemlich altmodisch, wenn man bedenkt, wie schnell die Technik vorangeschritten ist. Deshalb wollten meine Eltern etwas Moderneres. Das hat uns zu MED-EL geführt. Die nächste Herausforderung bestand darin, erstmal eine Klinik zu finden, welche die Operation vornehmen wollte. Die Würzburger Klinik hat sich schließlich dazu bereit erklärt.

Dein zweites Cochlea-Implantat hast du mit vier Jahren bekommen. Hast du dich schnell an das beidseitige Hören gewöhnt?
Ich habe ja schon nach der ersten Implantation zeitweise auf der zweiten Seite mit einem Hörgerät gehört. Jedoch war ich kurz darauf wieder taub und habe nur noch mit der implantierten Seite gehört. Da stand für meine Eltern sofort fest, dass ich ein zweites Implantat benötige. Was besonders interessant war: Ich habe bereits sechs Tage nach der Aktivierung der zweiten Seite in Hörtests 60% besser abgeschnitten als vor der Implantation.

Gibt es bestimmte Klänge aus deiner Kindheit, die dir besonders stark im Gedächtnis geblieben sind?
Einmal bin ich einen See gefallen und habe für eine Sekunde mit nicht-wasserfesten Prozessoren unter Wasser etwas gehört. Das war recht neu und einprägsam für mich. Mittlerweile gehe ich gerne mit den WaterWear Hüllen baden.

Im Rückblick auf die vergangenen zwanzig Jahre: Wie hat es dein Leben verändert, hören zu können – Welchen Stellenwert hat das in deinem persönlichen Werdegang gespielt?
„Nicht viel“ wäre vermutlich der falsche Ausdruck. Der Gedanke ist mir nur gerade gekommen, da ich ein völlig normales Leben führen kann. Ich habe eine normale Schule besucht, bin jetzt im Studium und werde bald meinen Master absolvieren. Ich habe ganz normal Freunde, Familie und bin seit 5 Jahren in einer glücklichen Beziehung.

Das Besondere daran ist, dass es mein Leben nicht „verändert“, sondern dass ich ein völlig anderes Leben führe. Wenn ich nicht implantiert worden wäre… Wo wäre ich dann? Bestimmt hätte ich dann ein völlig anderes Leben. Ich möchte damit nicht behaupten, dass es schlechter wäre. Aber ich würde niemals tauschen wollen. Ich bin sehr glücklich mit meinem momentanen Zustand und habe es mir nie anders gewünscht.

Seit du deine beiden Cochlea-Implantate bekommen hast, hat sich technologisch einiges getan. Wie leicht sind dir die Umstellungen auf neuere Audioprozessoren gefallen?
Neue Audioprozessoren sind keine große Umstellung, was die Akustik betrifft. Die Prozessoren bekommen ja immer die gleiche Stimulationstechnik wie die vorhergehenden. Was eine größere Herausforderung darstellt, ist das Wechseln der Klangkodierungsstrategie. Ich kann mich erinnern, dass mich so ein Wechsel in meiner Kindheit ein, zwei Monate sehr angestrengt hat. Danach habe ich dafür aber um einiges besser hören können als zuvor.

Von welchen technischen Weiterentwicklungen hast du in all den Jahren deiner Ansicht nach am stärksten profitiert?
Das waren zum einen eben neue Kodierungsstrategien. Und in den vergangenen fünf Jahren war das für mich mit Abstand Wichtigste die Spritzwasserfestigkeit des SONNET. Ich habe früher oft damit kämpfen müssen, dass mein Prozessor „ertrunken“ ist, wenn ich Sport getrieben habe. Jetzt ist das nicht mehr der Fall, was wirklich wundervoll ist.

Du betreibst ja nicht gerade „zimperliche“ Sportarten…
Ich habe mich in meinem Leben generell nie von den Implantaten beeinträchtigen lassen. Wenn es etwas gab, was ich nicht hätte tun können, habe ich nach einer Lösung gesucht. Aktuell spiele ich zum Beispiel Rugby. Eine als „recht hart“ bekannte Kontaktsportart. Damit mir meine Prozessoren nicht von den Ohren fallen, trage ich eine sogenannte Scrum Cap. Und in zwei Jahren Rugby ist kein Prozessor oder Implantat diesem Sport zum Opfer gefallen. Das zeigt vielleicht auch ganz gut, dass ich der Robustheit des Implantat-Systems vertraue.

Was ist neben dieser Robustheit für dich persönlich die wichtigste Eigenschaft unserer Cochlea-Implantate und Audioprozessoren?
Die Leidenschaft, mit der Frau Hochmair und alle von MED-EL hinter ihren Produkten stehen. Es ist für viele eben nicht nur ein Job. Ich spüre wirklich die Begeisterung und den Willen, ein einzigartiges Produkt herzustellen.

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