in Gastartikel

Emilia ist 15 Jahre jung, beidseitige MED-EL CI-Trägerin und wagt für das ganze nächste Schuljahr den Schritt auf einen anderen Kontinent. Nach Südamerika, genauer gesagt nach Costa Rica. Echt mutig, wie wir finden! In unserer neuen Serie „MED-EL grenzenlos“ wird uns Emilia in ihren eigenen Worten das nächste Jahr mit auf Ihre (Hör-)Reise nehmen. Es erwarten sie ein unbekanntes Land, eine für sie völlig neue Sprache, fremde Menschen, eine spannende Kultur – und ganz viele neue Erfahrungen. Mittlerweile ist Emilia seit über einem Monat vor Ort und „Bienvenido a costa rica!” ist sicherlich der Satz, den sie am meisten gehört hat; denn jeder will das aufgeschlossene junge Mädchen aus dem fernen Deutschland kennenlernen! Lesen Sie mehr.

 

Mein Name ist Emilia und ich bin 15 Jahre alt. Ich komme aus Dortmund, lebe jedoch schon seit einigen Jahren in Monheim am Rhein. Zurzeit mache ich ein Auslandsjahr in Costa Rica. Ich bin seit dem 10.08.2005 Trägerin eines Cochlea-Implantates. Dieser Tag sollte mein Leben um 180° wenden. Da ich seit meiner Geburt aufgrund eines Gendefektes beidseitig komplett Taub bin, war es mir zuvor nicht möglich auch nur in irgendeiner Art und Weise zuhören.  Auf der linken Seite trage ich den Opus 2 und auf der Rechten das Rondo 2. Da die Krankenkasse das zweite Cochlea-Implantat erst nach Jahrelangem Kampf genehmigte, folgte dieses erst zu Beginn des Jahres 2009.

Das beeinflusste mein Leben jedoch nie besonders negativ. Ich war, beziehungsweise bin gut in die  „Hörenden-Gesellschaft“ integriert und habe in Deutschland immer Regelschulen und Sportvereine etc. für Hörende besucht. Mein einziger Berührungspunkt mit anderen CI-Trägern oder auch Hörgerät-Trägern in meinem Leben waren von Gehörlosenschulen organisierte Skifreizeiten, wo ich auch einige Kontakte mit anderen Hörgeschädigten knüpfen konnte. Akustisch habe ich im Alltag in Deutschland fast nie Probleme und ich musste auch nicht oft nachfragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe und wenn doch nehme ich es mit Humor, was auch ziemlich wichtig ist, denke ich . Sowohl meine Familie, als auch meine Freunde und ich vergessen meist oder eigentlich sogar immer, dass ich taub bin.

Meine Implantate ermöglichen mir eben ein ganz normales Leben und ich mache alles was Gleichaltrige auch machen. So kam schon vor einigen Jahren der Wunsch in mir auf, ein Auslandsjahr zu machen, da ich sehr gerne reise und neue Kulturen entdecke und mir Sprachen sprechen nicht so besonders schwer fällt. Vor zwei Jahren entschied ich, dass es ein exotisches Land werden soll und nicht beispielsweise die USA. Außerdem sollte es eine Sprache sein, die ich noch nie zuvor in Deutschland, zum Beispiel in der Schule erlernt habe. Die Entscheidung fiel ziemlich schnell auf die Sprache spanisch. Aus dem einfachen Grund, dass es sehr viele Spanischsprechende auf diesem Planeten gibt und ich die Länder in denen spanisch gesprochen wird ziemlich interessant finde.

Ich entschied mich für das mittelamerikanische Land Costa Rica, da ich von seiner unglaublich vielfältigen und schönen Natur schon vieles gehört habe und ein Bekannter von mir, der auch mit meiner Auslandsjahr-Organisation dort hin ging, nur gutes berichtet hatte und mir von Ausflügen zu exotischen Stränden, Nationalparks und Vulkanen sowie Surfcamps etc.  erzählt hat. Da stand es fest: Ich gehe nach Costa Rica. Die Bewerbung wurde abgeschickt und ich wurde dann einige Zeit später auch angenommen. Dann hieß es organisatorische Sachen, wie das Visum zu beantragen zu erledigen und auf meine Abreise  hinzufiebern! Natürlich kamen dann auch einige Ängste auf, wie dass ich kein Spanisch lernen werde. Eine Woche vor dem Abflug habe ich dann begonnen, meine Sachen zu packen. Da meine Koffer natürlich viel zu schwer waren, woran auch meine CI-Batterien Schuld waren, kam mir die geniale Idee bei der Fluggesellschaft, Lufthansa, anzurufen und zu fragen, ob es möglich sei, wenn mein Handgepäck ein wenig mehr wiegt, da ich aufgrund meiner Behinderung Hilfsmittel mit mir führen muss und siehe da, es klappte! Außerdem schickte MED-EL mir vor dem Abflug ein Paket mit vielen tollen Dingen, wie Flipflops, einem Strandtuch, Kopfhörer, einem Notizbuch, wasserabweisende Hüllen für mein Rondo 2 und vieles mehr.

Am 25. Juli diesen Jahres war es dann soweit. Der Abflug stand bevor. Am Morgen des 25. Juli haben die anderen Austauschschüler, die auch mit meiner Organisation ein Auslandsjahr machen und ich uns dann am Frankfurter Flughafen getroffen. Merkwürdiger Weise war meine Aufregung zu dem Zeitpunkt wie weggeblasen. Wir verabschiedeten uns von unseren Familien und sind dann direkt schon zum Abfluggate gegangen, da wir ein bisschen zeitlich im Verzug waren und die Leute schon begannen ins Flugzeug zu steigen. 12 Stunden später, um circa 18 Uhr Ortszeit betraten wir zum ersten Mal costa-ricanischen Boden und da fingen schon die ersten Probleme an. Der Koffer von einem Mädchen aus der Gruppe kam nicht in Costa Rica an! Da kann das Auslandsjahr doch schon ganz schön schnell zur Herausforderung werden. Wir wurden dann von unserer Organisaton abgeholt und in ein Hotel gefahren, wo ein zweitägiges Orientierungsseminar stattfand. Am letzten Tag wurden wir dann mittags von den Gastfamilien abgeholt.

In der ersten Woche meines Auslandsjahres besuchte ich eine Sprachschule und hatte dann auch meinen ersten Schultag in der richtigen Schule. Zum Glück lief alles gut und alle sind echt nett zu mir und behandeln mich ganz normal. Jedoch wird einem schon angesehen, dass man aus Europa kommt. Das habe ich, weil die Costa Ricaner sehr religiös sind und die meisten auch ein oder mehrere Male die Woche in die Kirche gehen, auch dort zu spüren bekommen und ich war sozusagen die Hauptattraktion und jeder hat mich  erst einmal herzlich begrüßt.

Nun bin ich schon seit etwa 6 Wochen hier und habe schon ein wenig spanisch gelernt. In der Schule ist es schwer etwas zu verstehen, da einfach alle durcheinander und auch wahnsinnig schnell reden. Jedoch wurde mir versichert, dass das ganz normal sei. Ein sprachliches Erfolgserlebnis hatte ich auch schon: Ich habe mich eine halbe Stunde lang mit einem Uber/Taxi-Fahrer auf Spanisch unterhalten und das obwohl ich vor dem Auslandsjahr nichts außer meinem Namen und meinem Alter auf Spanisch sagen konnte!!! Am Ende des Monats ging es dann mit meiner Organisation auf einen Wochenendtrip auf die Halbinsel Nicoya, die zu der Provinz Guanacaste gehört, in den Ort Samara. Dort waren wir viel am Strand und haben zudem auch eine Bootstour gemacht, wo wir dann auch einige Delfine und sogar ein paar Wale gesehen haben! Am letzten Tag des Ausfluges haben wir dann einen Ausritt am  Strand entlang gemacht. Ich würde sagen es war ein lehrreicher erster Monat eines Auslandsjahres in dem ich vielleicht noch nicht so ganz viel spanisch, aber dafür viel fürs Leben gelernt habe.

Danke, Emilia, viel Erfolg für dein Auslandsjahr in Cosa Rica.  Wir sind auf deinen nächsten Bericht sehr gespannt.

 

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