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Nach häufigen Mittelohrentzündungen als Kind bemerkte Lina aus Deutschland Hörverlust in ihrem linken Ohr, der sich schleichend immer mehr auf ihren Alltag auswirkte. Nach zahlreichen Operationen entschied sich Lina für ein Mittelohrimplantat, um etwas gegen ihren Schallleitungshörverlust zu unternehmen. Im heutigen Gastbeitrag erzählt sie von ihrem Weg zur VIBRANT SOUNDBRIDGE und warum sie sich dazu entschlossen hat, ihre Hörgeschichte auf Social Media zu teilen.

 

Mein Name ist Lina Marie, ich komme ursprünglich aus Hannover im Norden Deutschlands und bin 23 Jahre alt. Zurzeit lebe ich in Göttingen und studiere Rechtswissenschaften. In meiner Freizeit lese ich sehr gerne, gehe laufen und verbringe Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden.

 

Schallleitungshörverlust aufgrund von Mittelohrentzündungen

In meiner Kindheit hatte ich häufig Mittelohrentzündungen, weshalb mir mehrmals beidseitig Röhrchen eingesetzt wurden, um Flüssigkeitsansammlungen und erneute Infektionen im Mittelohr zu verhindern. Nachdem die letzten Röhrchen rausgefallen waren, ist mein linkes Trommelfell nicht wieder zugewachsen. Außerdem hat sich links ein leichter Hörverlust bemerkbar gemacht, weshalb ich dann 2007 meine erste größere Ohroperation – eine sogenannte Tympanoplastik – hatte. Mit der Operation wollte man versuchen, das Trommelfell zu verschließen und die Gehörknöchelchen zu reparieren, die vermutlich wegen der vielen Entzündungen vernarbt waren. In den darauffolgenden Jahren musste die Operation immer wieder durchgeführt werden (2008, 2013, 2015, 2017, 2018), denn leider brachte sie keine nachhaltige Besserung.

 

Alltag mit Hörverlust

Das Gehör meines linken Ohres hat sich im Laufe der Jahre immer weiter verschlechtert. Anfangs hat mich der Hörverlust nicht sehr belastet. Verständnisschwierigkeiten konnte ich lange Zeit ausweichen, indem ich mir angewöhnte, immer auf der linken Seite von anderen Personen zu sein, damit ich mein gesundes, rechtes Ohr verwenden konnte.

Als ich 2014 Abitur machte war der Hörverlust dann so groß, dass ich ein Hörgerät ausprobierte. Das konnte mir aber leider nicht helfen. Denn die Gehörknöchelkette im Mittelohr, die für die Weiterleitung des Klangs zuständig ist, war bei mir bereits so geschädigt, dass auch der durch das Hörgerät verstärkte Klang nicht mehr ausreichend weitergeleitet wurde.

Die folgenden Jahre wurden mit Beginn meines Studiums 2016 deutlich schwieriger. Gespräche in lauter Umgebung wie z.B. im Restaurant, in der Mensa, im Hörsaal oder einfach in einer größeren Gruppe wurden anstrengender, bis ich zuletzt den Gesprächen nicht mehr wirklich folgen konnte, was mich sehr traurig gemacht hat. Hinzu kam, dass ich mich in neuer Umgebung anfangs nie getraut habe, von meinem Hörverlust zu erzählen. Sobald ich das aber überwunden hatte, wurde viel Verständnis aufgebracht, alle haben versucht, mir bestmöglich zu helfen. Trotzdem habe ich Gespräche in lauter Umgebung oder in großen Gruppen soweit es ging gemieden, weil diese für mich mit mehr Qual als Vergnügen verbunden waren. Dadurch habe ich mich trotz allen Verständnisses immer öfter einsam und isoliert gefühlt. Mir ging es immer schlechter und auch die letzte Operation 2018 brachte leider keinen Erfolg.

 

Letzter Ausweg Mittelohrimplantat

Anfang 2019 empfahlen mir meine Ärzte im Krankenhaus ein Hörimplantat, genauer gesagt ein VIBRANT SOUNDBRIDGE Mittelohrimplantat, als letzten Ausweg. Als ich von dieser Möglichkeit erfuhr, hatte ich keine Zweifel, dass ein Implantat und eine weitere Operation der richtige Weg waren. Die Aussicht auf besseres Hören stand für mich im Vordergrund.

Die VIBRANT SOUNDBRIDGE von MED-EL hat auf mich sehr weit entwickelt gewirkt. Zudem versprach sie einen natürlichen Klang und das Implantat war vergleichsweise klein, weshalb ich mich dafür entschied.

Die Zeit vor der Operation war sehr bewegend, da ich mitten in der Examensvorbereitung steckte und die Operation wegen Engpässen im Krankenhaus zweimal kurzfristig abgesagt und verschoben werden musste. Im Mai 2019 wurde ich dann im dritten Anlauf in Hannover operiert und das Implantat in einer fünfstündigen Operation eingesetzt. Die Operation verlief komplikationslos und auch die ersten Hörtests zeigten positive Resultate. Die Erstanpassung fand dann Ende Juni statt. Bis zur Aktivierung und Erstanpassung war ich sehr angespannt und nervös. Ich hatte Angst, dass auch dieser Versuch fehlgeschlagen sein konnte und ich mein Gehör nicht wiedererlangen würde. Die Erstanpassung zeigte dann aber zum Glück sofort positive Ergebnisse.

 

Alltag mit der VIBRANT SOUNDBRIDGE

Durch das Implantat kann ich auf der linken Seite wieder etwas hören, was mich sehr überwältigt hat und heute noch fasziniert. Das Implantat hilft mir im Alltag sehr. Auch wenn ich keine hundert Prozent höre, kann ich allen Gesprächen folgen, selbst in sehr lauter Umgebung. Ich gehe wieder gerne aus und fühle mich endlich wieder wohler unter Menschen, auch in einer großen Gruppe. Das Implantat hat mir Lebensqualität zurückgegeben und dafür bin ich sehr dankbar.

Der Klang der VIBRANT SOUNDBRIDGE ist sehr natürlich, ich habe ihn noch nie als störend empfunden. Auch der außen liegende magnetische SAMBA-Prozessor stört mich nicht. Die meiste Zeit über spüre ich nicht einmal, dass er da ist.

 

Mein Tipp für andere

Mein Rat für andere ist, sich seinen Ängsten zu stellen. Mein Leben war und wird immer von der Angst geprägt sein, irgendwann mein komplettes Gehör zu verlieren. Aber ich habe und werde nie aufgegeben, nach einem Weg zu suchen, das zu vermeiden, ganz gleich wie viele Tränen und Kraft es mich kostet. Durch das Implantat habe ich nicht nur Lebensqualität, sondern auch ein Stück Sicherheit erlangt. Die Angst, mein Gehör vollständig zu verlieren, werde ich wahrscheinlich nie ganz überwinden, aber ich habe gelernt, damit zu leben. In der Zukunft möchte ich Lippenlesen und Gebärdensprache lernen, in der Hoffnung noch ein Stück Sicherheit dazu zu gewinnen.

 

Mein Hörverlust auf Social Media

Vor kurzem habe ich meinen Hörverlust und meine Entscheidung für ein Hörimplantat auch auf Social Media öffentlich gemacht. Einerseits, um anderen Menschen in gleicher oder ähnlicher Situation Mut zu machen. Andererseits wollte ich durch die Veröffentlichung mehr Realität in die vermeintlich perfekte Welt der sozialen Medien bringen. Neben vielen Vorteilen, wie sich zu vernetzen und Kontakte zu pflegen, bieten soziale Medien vor allem auch die Möglichkeit der „perfekten“ Selbstdarstellung. Sie haben mir immer den Eindruck vermittelt, Perfektion sei erstrebenswert und das Maß aller Dinge. Dabei wird häufig vergessen, dass hinter jedem „perfekten“ Instagram-Account ein Mensch sitzt, mit all seinen Fehlern und Schwächen. Jeder Mensch hat Probleme und es ist vollkommen okay, nicht perfekt zu sein. Perfektion sollte meiner Meinung nach nicht der Maßstab des Lebens sein. Auch um das zu verdeutlichen, habe ich meinen Hörverlust veröffentlicht.

 

 

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Danke, Lina!

Lesen Sie außerdem die Geschichte von Silke, die über ihren Weg zur VIBRANT SOUNDBRIDGE erzählt. 

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