in Gastbeiträge

Claire Stancliffe (im Bild oben in der Mitte, mit der Nr. 17) ist Trägerin eines MED-EL Cochlea-Implantats und möchte hier ein paar Tipps aus der Cochlea-Implantat Therapie weitergeben, mit denen sie ihr Hörvermögen steigern konnte.

Nach dem Einschalten gab mir mein Therapeut verschiedene Übungen mit auf den Weg. Wie schon erwähnt war der Klang nach der Aktivierung nicht besonders natürlich und eher merkwürdig, was mich anfangs ziemlich frustriert hat.

Aber ich habe die Therapie trotzdem durchgezogen. Im Folgenden möchte ich berichten, was mir besonders geholfen hat und was ich mit meinem neuen Gehör noch so alles machen konnte.

Üben mit einzelnen Wörtern

Der erste Teil der Therapie bestand im Erlernen einzelner Wörter. Das klingt vielleicht albern, denn mit der Hörhilfe waren einzelne Wörter für mich gar kein Problem mehr. Aber mit dem Cochlea-Implantat verstand ich zunächst kein einziges Wort. Es gab nur unbestimmte Geräusche.

In den ersten Wochen übte meine Mutter jeden Tag mit mir. Ich schloss meine Augen und sie wählte ein Wort aus der Liste, die man mir mitgegeben hatte. Dann sollte ich wiederholen, was ich gehört hatte. Am Anfang bekam ich nicht ein einziges Wort mit. Aber im Laufe der Zeit begann ich, das Gesagte ganz oder teilweise zu verstehen. Daraufhin ging sie dazu über, mehrere und kompliziertere Wörter und schließlich ganze Sätze zu sagen. Es ist unglaublich hart und zermürbend, aber ich denke, dass man das zurückbekommt, was man reinsteckt.

Wieder Musik hören können

Neben der Therapie hat mich das Musikhören unglaublich vorangebracht. Immer wieder habe ich mir Songs angehört, deren Texte ich kannte. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich die Texte dem richtigen Teil des Songs zuordnen konnte.

Von Zeit zu Zeit sah ich mir eine Fernsehsendung ohne Untertitel an. Es ist nämlich wichtig, sich unterschiedliche Stimmen anzuhören.

Dann versuchte ich, das Gesagte zu wiederholen, und meine Mutter hat mich, wenn nötig, korrigiert.

Telefonieren

Auch telefonieren habe ich versucht. Mir persönlich fällt es unglaublich schwer, jemandem am Telefon zuzuhören, und auch heute noch muss ich denjenigen sehr gut kennen, um ihn zu verstehen. Da ich auch vor dem Cochlea-Implantat nie viel telefoniert habe, muss ich gestehen, dass mir diese Kommunikationsfähigkeit oder das Selbstbewusstsein dafür fehlt. Daran arbeite ich also noch, aber immerhin kann ich seit dem Implantat einfache Telefonate mit meiner Mutter führen.

Bei meinen Terminen in der Klinik musste ich ganz häufig Telefonieren üben. Man stellte mir am Telefon eine Reihe von Fragen zu meinem täglichen Leben, die ich beantworten musste. Nachdem ich einige Fortschritte gemacht hatte, beschloss ich, einen Schritt weiter zu gehen und aus einem anderen Raum mit meiner Mutter ein Gespräch zu führen. Diese Übung ist in vielerlei Hinsicht hilfreich, weil sich Klang und Lautstärke völlig verändern, wenn man sich nicht im selben Raum befindet. Vor dem Implantat wäre das überhaupt nicht gegangen. Ich hätte nicht einmal mitgekriegt, wenn jemand aus einem anderen Raum laut meinen Namen gerufen hätte. Dazu hätte er schon im selben Raum sein müssen.

Mit einem Cochleaimplantat Fußball spielen?

Ich habe das große Glück, dass ich als Teilnehmerin an den internationalen Futsal-Turnieren für Gehörlose schon in der ganzen Welt herumgekommen bin. Im vergangenen Februar habe ich im Turnier der Futsal Champions League für Gehörlose in Graz (Österreich) gespielt. Andere taube Athleten zu treffen, die eine ähnliche oder sogar die gleiche Geschichte durchlebt haben wie ich, ist ein tolles Gefühl. Ich treffe andere Implantatträger aus der ganzen Welt, was ziemlich cool ist!

Diese paar Wochen, in denen ich mein Land vertrete, bedeuten für mich auch eine Pause von meinem täglichen Kampf. An diesen Tagen da draußen mit dem Team kann ich mich ganz entspannt unterhalten, in der Gewissheit, dass ich nichts von dem verpasse, was die anderen sagen.

Vielen Dank und bis zu meinem nächsten Blog!

Danke Claire!

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