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Kabellos zu telefonieren bietet in vielerlei Hinsicht ein Mehr an Unabhängigkeit, zum Beispiel um Termine zu vereinbaren, ein Problem mit dem Kundendienst zu besprechen oder mit Freunden zu plaudern. Für Menschen mit Hörverlust ist das Telefonieren nicht selten eine Herausforderung und manchmal sogar denkbar unangenehm. Keri Reynolds trägt beidseitig ein Cochleaimplantat und gehört außerdem dem Team von MED-EL USA an. In ihrem neuesten Beitrag gibt sie ein paar nützliche Tipps zum Telefonieren mit einem Hörimplantat.

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Als mein Implantat aktiviert wurde, verspürte ich sofort den Wunsch, das Telefonieren wieder selbst in die Hand zu nehmen. Die Zeiten, in denen ich jemanden brauchte, der für mich sprach, sollten ein für allemal vorbei sein! Ich wollte unabhängig sein und auch am Telefon für mich selbst sprechen. Ein hoch gestecktes Ziel? In Anbetracht meiner Erwartungen schon, aber auf jeden Fall machbar. Ich möchte gern berichten, wie ich persönlich meine Probleme beim Telefonieren in den Griff bekommen habe. Dazu habe ich für Sie eine Liste mit den 10 wichtigsten Tipps für erfolgreiches Telefonieren zusammengestellt!

 

10: Keine übertriebenen Erwartungen: Es braucht Zeit, bis man sich beim Telefonieren wieder richtig sicher fühlt. Zusammen mit Ihrem Therapeut sollten Sie festlegen, wie man Erfolg definiert und messbar macht. Wer sich kleine, erreichbare Ziele setzt, verschafft sich regelmäßige Erfolgserlebnisse, die motivierend wirken.

 

9: Nutzen Sie ein Telefon, dessen Telefonspule und Mikrofon einem hohen Qualitätsstandard entsprechen.In der Regel verhelfen Ihnen solche Geräte auch zu größeren Erfolgen beim Telefonieren. Nicht alle Telefone sind in dieser Hinsicht gleich gut aufgestellt.  Telefonspulen und Mikrofone, insbesondere an Mobiltelefonen, haben eine Qualitätseinstufung von 1 – 4.  T4 ist die höchste Kennzeichnung für Telefonspulen und M4 für Mikrofone. Achten Sie bei der Wahl des Telefons darauf, dass sowohl die Telefonspule als auch das Mikrofon eine hohe Bewertungszahl haben – das macht wirklich einen Unterschied. Entscheiden Sie sich, wenn möglich, für ein Telefon, das unterschiedliche Hör- und Anschlussoptionen bietet. Beim Telefonkauf teste ich es erst einmal mit einem realen Telefonanruf, um zu sehen, wie gut ich hören und verstehen kann.  Ich frage sogar den Verkäufer, ob ich zum Telefonieren nach draußen gehen kann, da es im Geschäft manchmal Störeinflüsse gibt, insbesondere beim Testen der Telefonspule.

 

8: Nicht vergessen –Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Versuchen Sie es zunächst mit dem Telefonlautsprecher. In der Anfangsphase ist das oft hilfreich, insbesondere weil man beide Ohren zum Hören verwenden kann. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass jeder im Umkreis mithören kann, also seien Sie vorsichtig mit dem, was Sie preisgeben!

 

7: Experimentieren Sie mit der Telefonspule. Ich habe herausgefunden, dass die Telefonspule mir hilft, Hintergrundgeräusche auszublenden, und dass ich mich besser auf die Stimme meines Gesprächspartners konzentrieren kann. Ich liebe diese Funktion, weil man sich beim Zuhören und Verstehen nicht so anstrengen muss.  Außerdem ist das etwas, was jemand mit normalem Gehör nicht kann, d. h. er ist dem Hintergrundlärm immer ausgeliefert!

 

6: Erinnern Sie sich, was ich in Tipp 9 geschrieben habe, dass Sie sich für ein Telefon mit mehreren Anschlussoptionen entscheiden sollten? Ein Telefon mit einer Standardbuchse für Kopfhörer ist ideal, um Telefonieren zu üben.  Das Signal geht ohne Umwege vom Telefon zum Audioprozessor, und damit werden Klänge und Stimmen viel klarer.  Ich fand diese Anschlussmöglichkeit toll und unheimlich motivierend, weil ich dem Gespräch so viel leichter folgen konnte.

 

5: Für den Fall, dass man weder den direkten Anschluss noch eine Telefonspule zur Hand hat, sollte man üben, den „idealen Punkt“ zu finden.Probieren Sie aus, in welcher Position der Lautsprecher am Telefon am besten auf das Mikrofon an Ihrem Audioprozessor ausgerichtet ist, so dass Sie den Sound klar und deutlich hören. Das braucht es etwas Übung, hat aber erheblichen Einfluss darauf, wie gut man den Anrufer verstehen kann.

 

4: Regelmäßiges Üben mit einem Bekannten als Telefontrainer. Zu Anfang habe ich mit meinem Mann und meiner Tochter telefonieren geübt, weil ihre Stimmen mir vertraut waren und ich mich „sicher“ fühlte. Es machte mir nichts aus, wenn ich etwas missverstand, und ich konnte sie ohne Weiteres bitten, etwas zu wiederholen.  Zu Übungszwecken machten es mir meine Tochter und mein Mann manchmal bewusst schwerer, indem Sie beispielsweise das Gesagte nicht sofort wiederholten. Für mich war das hilfreich, weil meine Ohren und mein Gehirn Zeit hatten, selbst zu einer Lösung zu kommen. Wir übten zunächst einfache Wörter wie „Hallo“, „Auf Wiederhören“, Zahlen, Wochentage und einfache Fragen.  Später gingen wir dann zu schwierigeren Übungen über und sprachen über zuvor vereinbarte Themen.  Erst dann wagten wir uns an Gespräche über ein beliebiges Thema. Bei allem was Sie tun, um beim Telefonieren besser zu werden, sollten Sie immer daran arbeiten, zur nächsten und damit schwierigeren Stufe vorzudringen!

 

3: Üben Sie das Telefonieren in unterschiedlichen Hörsituationen: drinnen, draußen, im Büro, am Flughafen oder auch beim Supermarkt in der Schlange! Denn ohne Übung geht nichts. Ich habe beim Telefonieren jeweils sowohl die Telefonspule als auch den direkten Anschluss ausprobiert, um herauszufinden, bei welcher der beiden Möglichkeiten ich besser hören kann.

 

2: Trauen Sie sich was! Gebrauchen Sie beim Telefonieren zum Sprechen und Hören ein Bluetooth-Gerät wie die Induktionsschleifen Quattro 4.0 oder Artone 3 MAX.  Da ich auf beiden Seiten ein Implantat habe, kann ich direkt an beiden Ohren Stereo hören.  Die Telefonspule unterdrückt Hintergrundgeräusche und der Klang vom Lautsprecher geht direkt an meine Prozessoren, so dass die Signale optimal verarbeitet werden können.  Und was noch viel wichtiger ist: Mit den Bluetooth-Induktionsschleifen habe ich beide Hände frei und kann nebenher etwas anderes machen.

 

1:Übung macht den Meister. Ich habe gelernt zu telefonieren, weil ich es wollte und regelmäßig geübt habe: mit meiner Telefonspule, dem direkten Verbindungskabel, in unterschiedlichen Umgebungen, mit unterschiedlichen Leuten und mit Streaming-Technologie. Tägliches Üben ist der Schlüssel zum Erfolg, egal, worum es geht!  Beginnen Sie mit einfachen Übungen, und steigern Sie den Schwierigkeitsgrad allmählich.  Bleiben Sie am Ball, und denken Sie nicht darüber nach, was „schiefgehen“ könnte.

Und keine Angst vor dem Telefonieren: Gehen Sie es mutig an, dann schaffen Sie es bestimmt!

 

Danke Keri!

 

Lesen Sie Keris Tipps zum Musikhören mit einem Cochleaimplantat.

Macht Ihnen der Hörverlust am Arbeitsplatz Probleme?CI-Träger Scott gibt Tipps zum besseren Hören am Arbeitsplatz.

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