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Für den Arzt bietet die Magnetresonanztomographie (MRT), die auch als Kernspintomographie bezeichnet wird, die einzigartige Möglichkeit, ohne chirurgischen Eingriff einen Blick in das Innere eines menschlichen Körpers zu werfen. Und mittlerweile ist sie weit verbreitet: Im Jahr 2013 hatten etwa 10 % der amerikanischen Bevölkerung eine Kernspintomographie.Dabei ist die MRT eine relativ junge Technologie. Und es werden ständig stärkere und höher auflösende MRTs entwickelt. Wenn Sie ein Cochleaimplantat tragen, können diese Entwicklungen direkten Einfluss darauf haben, ob Sie die modernsten MRT-Technologien nutzen können.

Das liegt daran, dass der Magnet in einem Kernspintomographen direkt mit dem in einem Cochleaimplantat interagieren kann. Jedes Cochleaimplantat darf nur ganz bestimmten MRT-Stärken ausgesetzt werden, für die sie beispielsweise von Regulierungsbehörden wie der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA* zugelassen wurden.

Wenn Sie über ein Cochleaimplantat nachdenken, müssen Sie bedenken, dass das Wissen um die modernste MRT- und Cochleaimplantat-Technologie ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des bestmöglichen Cochleaimplantats für Sie ist.

Geschichte der MRT

Die erste erfolgreiche Aufnahme mithilfe der Magnetresonanz wurde 1977 gemacht.2Die frühen experimentell genutzten Kernspintomographen wurden mit wesentlich niedrigeren Feldstärken betrieben als heute. So hatte der Prototyp von Siemens im Jahr 1978 einen Magneten von 0,1 Tesla.3

Dennoch enthält auch der Kernspintomograph mit der geringsten Feldstärke einen Magneten, wenn auch nur einen schwachen. Zum Vergleich: Das Magnetfeld der Erde hat eine Feldstärke von 0,00005 Tesla.

In der Vergangenheit glaubte man, dass CIs mit MRTs unvereinbar seien4

0,2 Tesla

Obwohl MRTs mit 0,2 Tesla bereits 1980 eingeführt wurden, dauerte es Jahre, bis die FDA Cochleaimplantate für ihre Verwendung zuließ. Das MED-EL COMBI 40+, das 1996 auf den Markt kam, war das erste Cochleaimplantat mit einer FDA-Zulassung für MRTs mit 0,2 Tesla, ohne dass der Magnet entfernt werden musste; die Zulassung kam 2003.5

Praktisch alle derzeit hergestellten Cochleaimplantate sind bei eingesetztem Magneten für die Verwendung mit 0,2 Tesla zugelassen.

1,5 Tesla

In den 1980er Jahren kamen MRTs mit 1,0 bis 1,5 Tesla auf. Der Leistungszuwachs brachte eine höhere Auflösung mit sich, war aber mit vielen Cochleaimplantaten nicht vereinbar. Das liegt daran, dass der Magnet im Tomographen den des Cochleaimplantats anzieht und unter der Haut verschiebt.

Eine Möglichkeit dieses Problem zu umgeben, bestand darin, Cochleaimplantate mit herausnehmbaren Magneten auszustatten: Der Chirurg musste vor der MRT-Untersuchung einen Schnitt durch die Haut machen, um den Magneten zu entfernen, und ihn hinterher wieder einsetzen. In der Zwischenzeit war das Implantat nicht nutzbar, da die Spule nicht haften konnte.

Die MED-EL Cochleaimplantate PULSAR, SONATA und MED-EL CONCERT waren die ersten, die eine Zulassung für MRTs mit 1,5 Tesla bekamen, ohne dass der Magnet chirurgisch entfernt werden musste.7Andere Implantate, wie Advanced Bionics HiRes 90K und Cochlear Nucleus 24, sind für 1,5 Tesla nur zugelassen, wenn der Magnet chirurgisch entfernt wird.8, 9, 10

3,0 Tesla

Geräte mit 3,0 Tesla sind doppelt so stark wie 1,5 T MRTs. Kernspintomographen mit 3,0 T hielten in den Krankenhäusern um 2003 Einzug. Sie gehören damit zu den derzeit stärksten Geräten im nicht experimentellen Umfeld, bieten aber natürlich auch die höchste Auflösung.

Aber viele Cochleaimplantate sind für 3,0 T MRTs nicht geeignet. Wie bei dem vorangegangenen Sprung von 0,2 auf 1,5 T stellt dieser erneute Leistungszuwachs noch größere Anforderungen an den Magneten des Cochleaimplantats.

Aktuell gibt es nur ein einziges Cochleaimplantat, das ohne Magnetentfernung für 3,0 T MRTs zugelassen ist: das neue MED-EL SYNCHRONY.

Künftige Vereinbarkeit von Cochleaimplantaten und MRT

Was ist anders am SYNCHRONY, das es zum einzigen Cochleaimplantat mit Zulassung für 3,0 T MRTs ohne chirurgische Entfernung des Magneten macht?

Es ist der Magnet selbst.

History of MRI SYNCHRONY Cochlear Implant Magnet
The SYNCHRONY Cochlear Implant's rotatable magnet.

Jeder Magnet hat einen Nord- und einen Südpol und je nach dem, welcher Pol ihm am nächsten liegt, interagiert der Magnet in einem Kernspintomographen anders mit dem im Cochleaimplantat. Bei älteren Cochleaimplantaten, auch bei denen von MED-EL, befand sich der Magnet in einer festen Position. Beim Einschalten des Tomographen wird ein fest installierter Magnet angezogen, weil er nicht auf den des Tomographen ausgerichtet ist.

Mit dem Magneten im SYNCHRONY ist dieses Problem gelöst. Statt fest in einer Position zu verharren, „schwebt“ er in einem Titangehäuse und kann sich frei drehen. So kann er sich selbsttätig auf den Magneten im Tomographen ausrichten. Der Magnet im Tomographen befindet sich auf der linken Seite? Der SYNCHRONY-Magnet dreht in diese Richtung. Der Magnet im Tomographen befindet sich auf der rechten Seite? Der SYNCHRONY-Magnet ist auch in diese Richtung drehbar.

Damit ist eine MRT-Untersuchung auch mit der hohen Feldstärke von 3,0 Tesla möglich, ohne den Magneten entfernen zu müssen.

 

Ziehen Sie die Einsetzung eines Cochleaimplantats in Erwägung und möchten gern mehr erfahren? Dann informieren Sie sich auf unserer Webseite über die Vorteile des SYNCHRONY Cochleaimplantat-Systems.

 

*Aus Gründen der Konsistenz bezieht sich der Begriff „Zulassung“ in diesem Blog-Beitrag auf die Kennzeichnung „MR Conditional“ (MR-tauglich) der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration), die in den USA für die Zulassung von Cochleaimplantaten zuständig ist. Die Zulassungen lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Blog-Beitrags vor. Die Zulassungsbestimmungen in Ihrem Land oder Ihrer Region können von denen der FDA abweichen.

 

Referenzen:

  1. Magnetic resonance imaging (MRI) exams, total / 2014. (2014, June 30). Abgerufen am 18. Februar 2015 unter http://www.oecd-ilibrary.org/social-issues-migration-health/magnetic-resonance-imaging-mri-exams-total-2014-1_mri-exam-total-table-2014-1-en
  2. Geva, T. (2006). Magnetic Resonance Imaging: Historical Perspective. J Cardiovasc Mang, 8, 573–580. doi:10.1080/10976640600755302
  3. (November 2014). Magnetic Resonance Imaging at Siemens: A success story [Brochure]. Germany: n.p.
  4. Kim, B.G., Kim, J.W., Park, J.J., Kim, S.H., Kim, H.N., Choi, J.Y. (2015). Adverse events and discomfort during magnetic resonance imaging in cochlear implant recipients. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg, 141, 45–52. doi:10.1001/jamaoto.2014.2926
  5. MED-EL. (18. Juni 2003). Das MED-EL Cochleaimplantat-System erhält eine FDA-Zulassung zur Verwendung mit der Magnetresonanztomographie (MRT)[Press release]. Abgerufen unter http://www.prnewswire.com/news-releases/fda-approves-an-industry-first—-the-med-el-cochlear-implant-system-is-fda-approved-for-use-with-magnetic-resonance-imaging-mri-71351697.html
  6. American Speech-Language-Hearing Association. (2004). Cochlear implants [Technical Report]. Abgerufen unter http://www.asha.org/policy
  7. MED-EL. (14. Juni 2013). MED-EL gibt FDA-Zulassung für die Cochleaimplantate PULSAR, SONATA und MED-EL CONCERT für 1,5 T MRT bekannt[Press release]. Abgerufen unter http://s3.medel.com/pdf/US/Final_MRI_FDA_Approval_Press_Release_06_14_13.pdf
  8. MRT-Richtlinien. (2015). Abgerufen am 18. Februar 2015 unter http://www.cochlear.com/wps/wcm/connect/us/for-professionals/cochlear-implants/warnings-and-precautions/mri-guidelines
  9. HiRes 90K Implant Family. (2015). Abgerufen am 18. Februar 2015 unter http://www.advancedbionics.com/com/en/products/hires_90k_implant.html
  10. Azadarmaki, R., Tubbs, R., Chen, D.A., Shellock, F.G. (2014). MRI information for commonly used otologic implants: review and update. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg, 150, 512–9. doi:10.1177/0194599813518306

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