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Cochleaimplantate gehören zu den effektivsten Möglichkeiten, das Hörvermögen von Menschen mit einer signifikanten Schallempfindungsschwerhörigkeit teilweise wiederherzustellen. Allerdings ist das Hören mit einem Cochleaimplantat für jeden Träger unterschiedlich. Das liegt daran, dass es sich vom „normalen“ Hören unterscheidet: Das Ohr braucht Zeit, um sich an die neuen Klangstimulationen zu gewöhnen, und auch das Gehirn muss diese Klänge und Empfindungen erst verstehen lernen. Außerdem ist die Cochlea bei jedem Menschen etwas anders geformt, was bedeutet, dass sie die Signale des Cochleaimplantats anders aufnimmt.

Es gibt zahlreiche Faktoren, die beeinflussen, inwieweit jemand, der das Implantat erst im Erwachsenenalter erhalten hat, davon profitieren kann. Hier sind nur einige der Faktoren:

Welche Vorgeschichte haben Sie?

Die Vorgeschichte des Hörverlusts hat Einfluss darauf, wie der Träger nach Einsetzen des Cochleaimplantats hört.

  1. Alter beim ersten Auftreten des Hörverlusts.Träger, die ihr Gehör relativ spät verloren haben, haben mehr Erinnerungen und neurale Verbindungen für den Schall im Gehirn. Nach Einsetzen des Cochleaimplantats können diese Erinnerungen helfen, das Hören mit dem Implantat neu zu erlernen.
  2. Alter zum Zeitpunkt der Implantation. Für das Einsetzen eines Cochleaimplantats gibt es keine Altersbeschränkung. Manche können selbst mit über Neunzig noch Klänge über ein Cochleaimplantat genießen.
    Menschen, die ihr Gehör erst nach dem Spracherwerb durch Zuhören verloren haben (man bezeichnet dies als „postlingualen“ Hörverlust), lernen, die gesprochene Sprache zu hören, die sie bereits vor dem Cochleaimplantat beherrschten.
    Wer vor Einsetzen des Cochleaimplantats noch nie gehört hat, hat einen ganz anderen Weg vor sich. Er braucht unter Umständen länger, um überhaupt ein Verständnis für den Klang zu entwickeln. Und auch wenn er in der Lage ist, einige Klänge in seiner Umgebung zu verstehen, kann es sein, dass er noch genau so kommuniziert, zuhört und spricht wie vor dem Cochleaimplantat.
  3. Zeit zwischen Hörverlust und Implantation.Auch wenn der Hörverlust schon lange besteht, ist das kein Grund, auf ein Cochleaimplantat zu verzichten. Allerdings kann die Eingewöhnungsphase länger dauern, wenn zwischen dem Beginn des signifikanten Hörverlusts und der Implantation ein größerer Zeitraum verstrichen ist.
  4. Restgehör.Von Restgehör spricht man, wenn einige der Zellen in der Cochlea noch intakt sind und Klänge aufnehmen können. Je mehr Restgehör jemand hat, desto mehr Möglichkeiten hat das Gehirn zu hören, zu lernen und das Gehörte zu bewahren. Dieses Gehör hilft dem Gehirn, die mit einem Cochleaimplantat aufgenommenen Klänge zu interpretieren und zu verstehen.
    Deshalb ist es so wichtig, das Restgehör zu erhalten, und das ist auch der Grund, weshalb die MED-EL Elektrodenträger so unvergleichlich weich und flexibel sind.
  5. Grund des Hörverlusts. Die Ursache eines Hörverlusts lässt sich nicht immer nachvollziehen. Wenn man sie allerdings kennt, kann diese Information für den potenziellen Träger und die Spezialisten, die mit ihm arbeiten, ein wesentlicher Hinweis darauf sein, wie man das Hören mit dem Cochleaimplantat am besten entwickeln kann.
  6. Gebrauch von Hörhilfen vor dem Implantat.Insbesondere bei Personen mit einem guten Restgehör, können Hörhilfen dem Gehirn in der Zeit vor der Cochleaimplantation bei der Wahrnehmung von Klängen helfen. So werden eine gewisse Stimulation des auditorischen, hörenden Bereichs im Gehirn und seine Fähigkeit, die Bedeutung von Klängen zu interpretieren, aufrechterhalten.

Hören mit einem Cochleaimplantat

Man kann mit einem Cochleaimplantat nicht unbedingt automatisch hören. Nach der Aktivierung von Implantat und Audioprozessor kann der Träger zwar sofort Klänge hören, aber es können Monate oder Jahre harter Arbeit ins Land gehen, bis er sie interpretieren und ihnen ihre eigentliche Bedeutung zuschreiben kann.

  1. Keine falschen Erwartungen wecken. Alle oben genannten Faktoren müssen berücksichtigt werden, wenn es um die Erwartungen an das Ergebnis eines Cochleaimplantats geht. Damit keine falschen Erwartungen geweckt werden, sind vor dem Eingriff Beratungsgespräche mit Spezialisten wie Audiologen, Chirurgen, Hörimplantat-Therapeuten, Reha-Spezialisten und anderen ausgewiesenen medizinischen Fachleuten erforderlich.
  2. Unterstützung durch die Familie. Unterstützung und Motivation durch die Familie haben sich als äußerst hilfreich erwiesen, um diese Erfahrung für den Träger positiver zu gestalten.
  3. Rehabilitation ist der Schlüssel zum Erfolg.Rehabilitationsübungen beginnen am ersten Tag des Hörens. Ein motivierter Träger, der an Rehabilitationssitzungen mit gut ausgebildetem Personal teilnimmt und diese Übungen regelmäßig im Alltag durchführt, erzielt bessere Ergebnisse als derjenige, der dies nicht tut.
  4. Prozessor-Programmierung.Eine Cochleaimplantat-KARTE ist ein spezielles Programm, das dem Audioprozessor im Implantat sagt, wie er Klänge verarbeiten soll. Jeder bekommt seine eigene, unverwechselbare KARTE, die auf sein Gehör angepasst ist, und Änderungen an diesen Einstellungen wirken sich unmittelbar auf das Hörerlebnis des Trägers aus. Es ist völlig normal, dass die KARTE in den ersten Monaten nach der Implantation häufig angepasst werden muss. Wenn ein Träger den Eindruck hat, dass sich sein Gehör seit der letzten Programmierung verändert hat, sollte er seinen Audiologen benachrichtigen, da sich die Klangqualität durch Anpassen der KARTE eventuell wieder erhöhen lässt.

Ziehen Sie oder ein Ihnen nahe stehender Mensch die Einsetzung eines Cochleaimplantats in Erwägung?Dann schreiben Sie uns im Kommentarfeld unten, damit wir Ihnen einen Ansprechpartner bei MED-EL vermitteln können!

 

Beim Verfassen dieses Blog-Beitrags wurden wir von R. Sheetal, Sprachtherapeut, -pathologe und klinischer Spezialist bei MED-EL, unterstützt.

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