{"id":46859,"date":"2019-07-16T09:29:54","date_gmt":"2019-07-16T09:29:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.medel.com\/unkategorisiert\/musik-ist-wie-architektur-aus-klaengen-meine-erfahrung-mit-eas-bei-einseitiger-ertaubung\/"},"modified":"2023-07-04T11:13:58","modified_gmt":"2023-07-04T09:13:58","slug":"musik-ist-wie-architektur-aus-klaengen-meine-erfahrung-mit-eas-bei-einseitiger-ertaubung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.medel.com\/de\/schaufenster-news\/musik-ist-wie-architektur-aus-klaengen-meine-erfahrung-mit-eas-bei-einseitiger-ertaubung\/","title":{"rendered":"&#8222;Musik ist wie Architektur aus Kl\u00e4ngen&#8230;&#8220; &#8211; Meine Erfahrung mit EAS bei einseitiger Ertaubung"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><em>\u201eMusik ist wie Architektur aus Kl\u00e4ngen&#8230;&#8220;<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\">Meine Erfahrung mit EAS (Elektrisch-Akustischer Stimulation) bei einseitiger Ertaubung (Annette E., Stuttgart)<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Von Stereo zu Mono in nur drei Sekunden<\/strong><\/p>\n<p>Am 19.September 2015 verlor ich beim Einkaufen pl\u00f6tzlich mein Geh\u00f6r im rechten Ohr. Dies war f\u00fcr mich ein gravierender Einschnitt. Zun\u00e4chst war ich prim\u00e4r mit dem kurz nach dem H\u00f6rverlust einsetzenden sehr starken Schwindel \u201ebesch\u00e4ftigt\u201c. Als der Schwindel sich nach einigen Wochen langsam etwas besserte, wurde mir erst bewusst, was der H\u00f6rverlust bedeutete. Er ber\u00fchrte\u00a0 elementare Bereiche meines Lebens, da ich in meinem Beruf sehr viel kommuniziere und privat leidenschaftlich Musik mache. Auch mein Sozialleben war stark beeintr\u00e4chtigt, da ich in Gruppensituationen die Sprechenden auf meiner rechten Seite kaum noch h\u00f6ren und somit Unterhaltungen schwer folgen konnte. In Situationen mit Hintergrundger\u00e4uschen h\u00f6rte ich fast nur Klangbrei und Stimmen konnte ich kaum noch herausfiltern. Ich vermied es, privat mit Freunden wegzugehen. Mein r\u00e4umliches H\u00f6ren war weg und ich musste lernen, mich z.B. beim \u00dcberqueren einer Stra\u00dfe nicht mehr auf mein Geh\u00f6r zu verlassen, sondern auf meine Augen. Vorher war mir gar nicht bewusst gewesen, dass ich <em>h\u00f6rte<\/em>, dass von links ein LKW kam, von rechts ein Fahrrad und von hinten ein Auto. Jetzt konnte ich froh sein, das Auto von hinten \u00fcberhaupt zu h\u00f6ren, beim Fahrrad von rechts hatte ich keine Chance. Dieses \u201eakustische Bild\u201c von meiner Umgebung nicht mehr zu haben versetzte mich, nicht nur im Stra\u00dfenverkehr, in einen Zustand st\u00e4ndiger Anspannung. In meinem rechten Ohr hatte sich mit dem H\u00f6rverlust quasi augenblicklich ein Tinnitus in Form eines deutlichen, permanent h\u00f6rbaren Rauschens entwickelt. Das Rauschen konnte ich zwar recht gut ausblenden, doch auch dieses Ignorieren kostete Kraft. Insgesamt war mein Leben anstrengend geworden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gibt es eine L\u00f6sung?<\/strong><\/p>\n<p>Schon wenige Wochen nach meinem H\u00f6rverlust stie\u00df ich bei meiner Recherche nach L\u00f6sungen auf das Cochlea-Implantat (CI) als eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr mich. Da ich seinerzeit in den USA lebte und arbeitete, war das jedoch leider keine Option, denn dort werden bei einseitiger Taubheit \u2013 au\u00dfer in Studien \u2013 keine CIs implantiert. Ich merkte schnell, dass ich ohne Hilfsmittel meinen (Arbeits-)Alltag nur schwer bew\u00e4ltigen konnte und nutzte fr\u00fch einen Roger Pen (vereinfacht gesagt ein Mikrofon mit Modi f\u00fcr verschiedene H\u00f6rsituationen) mit Empf\u00e4nger im h\u00f6renden Ohr, der mir zumindest gr\u00f6\u00dfere Besprechungen im Beruf erleichterte. Zur\u00fcck in Deutschland, ein Jahr nach dem H\u00f6rverlust, wurde mir zun\u00e4chst leider noch kein CI empfohlen, sondern ein sog. \u201eCROS\u201c als einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr mich. Die Abk\u00fcrzung CROS steht f\u00fcr <em>\u201e<\/em><em>Contralateral Routing Of Signals\u201c-<\/em> dabei wird der Schall mittels eines Mikrofons am tauben Ohr aufgenommen und an das gesunde Ohr weitergeleitet, wo sich der Lautsprecher befindet. Dies nutzte ich zwei Jahre und es half in vielen beruflichen Situationen, solange kein St\u00f6rl\u00e4rm ins Spiel kam. Dass ich durch das CROS mit meinem linken Ohr f\u00fcrs rechte mith\u00f6ren musste, empfand ich zunehmend als belastend. Leider hatte sich, verst\u00e4rkt durch die Nutzung des CROS, auf meinem h\u00f6renden, linken Ohr eine starke Hyperakusis (\u00dcberempfindlichkeit gegen\u00fcber Schall) entwickelt. U-Bahnfahren, Staubsaugen, Geschirrsp\u00fclmaschine ein- oder ausr\u00e4umen waren f\u00fcr mich \u2013 auch ohne CROS \u2013 nur noch mit Geh\u00f6rschutz zu ertragen. Der Leidensdruck war insgesamt sehr gro\u00df geworden und zum Gl\u00fcck bekam ich dann 2018 doch die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung in Richtung CI.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-16257\" src=\"https:\/\/blog.medel.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/ukulele-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"250\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer soll bei mir einziehen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich stand vor der Frage, welchen der vier CI-Hersteller ich w\u00e4hlen sollte. Der Tragekomfort des Audioprozessors war f\u00fcr mich ein wichtiges Kriterium, da ich das Ger\u00e4t permanent hinterm Ohr haben w\u00fcrde. Ich fragte noch vor der OP einen Audioprozessor-Dummy bei MED-El an, der mir auch prompt organisiert wurde, und konnte ihn eingehend probetragen. Beruhigend fand ich auch den Gedanken, das zu der Zeit leichteste und kleinste Implantat bei zugleich guter MRT-Sicherheit auf dem Markt implantiert zu bekommen. Sehr wichtig war f\u00fcr mich als Musikerin die theoretisch unterscheidbare Anzahl von bis zu 250 Tonh\u00f6hen und auch die strukturschonend konstruierten Elektrodentr\u00e4ger zur Erhaltung des Restgeh\u00f6rs. Somit war f\u00fcr mich die Entscheidung f\u00fcr MED-EL gefallen. Doch damit stand ich vor der n\u00e4chsten Frage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>CI oder EAS? Und wie lang darf\u2019s denn sein?<\/strong><\/p>\n<p>Vermutlich steht dieser Punkt in den wenigsten F\u00e4llen zur Diskussion. Doch etwa vier Wochen nach dem H\u00f6rverlust hatte sich mein Geh\u00f6r in den tiefen Frequenzen wieder erholt und war seither stabil. Genau deswegen war die L\u00e4nge des Elektrodentr\u00e4gers ein Thema. Hierzu hatte ich unterschiedliche Empfehlungen erhalten. Zwei Kliniken empfahlen ein reines CI mit einer langen Elektrode (28 oder sogar 31 mm), die beim Einf\u00fchren in die Cochlea mein Restgeh\u00f6r vermutlich zerst\u00f6ren oder zumindest teilweise sch\u00e4digen w\u00fcrde. Zwei andere Kliniken rieten zu EAS kombiniert mit einer k\u00fcrzeren Elektrode von 24 mm L\u00e4nge, was die Chance, mein Restgeh\u00f6r zu erhalten, erh\u00f6hen w\u00fcrde. Also eine klassische Pattsituation! In dem Moment war es eine sehr schwierige Entscheidung f\u00fcr mich. Mein Restgeh\u00f6r nutze mir nichts, wenn ich Sprache verstehen wollte, doch ich konnte damit Stimmen noch teilweise h\u00f6ren und auch Musik, wenn auch beides nur sehr dumpf. Mein Ziel war, mit dem implantierten Ohr wieder Sprache verstehen zu k\u00f6nnen, was Musik anging, machte ich mir keine Hoffnung. Ich hatte mich daher eigentlich f\u00fcr die, wie mir schien, sicherere Variante mit FLEX<sup>28<\/sup> entschieden, da damit auch die Chance bestand das Restgeh\u00f6r (zumindest teilweise) zu erhalten, wenn auch keine so gro\u00dfe wie mit der FLEX<sup>24<\/sup>. Mit der sicheren Aussicht auf ein \u201evolles CI\u201c f\u00fchlte ich mich wohler \u2013 vermutlich ohne Restgeh\u00f6r \u2013 als mit der Aussicht auf ein vermeintlich \u201ehalbes\u201c CI mit einer k\u00fcrzeren Elektrode und einem H\u00f6rger\u00e4teanteil (EAS) \u2013 schlimmstenfalls auch ohne Restgeh\u00f6r. Zum Gl\u00fcck vertraute ich kurz vor der OP dann doch auf die Empfehlung von Frau Dr. Helbig (meiner Operateurin) und Herrn Prof. Baumann am Universit\u00e4tsklinikum Frankfurt, die etwas k\u00fcrze Elektrode mit 24 mm zu nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Happy Cyborg oder \u00dcbung macht den Meister<\/strong><\/p>\n<p>Am Tag nach der OP h\u00f6rte ich durch den Verband mit dem implantierten Ohr deutlich tiefe Frequenzen und war sehr erleichtert, die k\u00fcrzere Elektrode gew\u00e4hlt zu haben.<\/p>\n<p>Zwei Tage nach der OP wurde mein CI aktiviert (sogenannte Fr\u00fchaktivierung). Ich rechnete damit, au\u00dfer sinnlosem L\u00e4rm nichts h\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Als die erste Verbindung zwischen dem Computer und meinem Audioprozessor hergestellt wurde, h\u00f6rte ich als Start-Melodie des Systems drei aufsteigende T\u00f6ne \u2013 allein mit der elektrischen Stimulation des CIs! Das war schon viel mehr als ich erwartet hatte! Ich konnte drei T\u00f6ne unterscheiden! Nach erfolgter Erstanpassung konnte ich sogar schon einzelne W\u00f6rter verstehen und war \u00fcbergl\u00fccklich. Eine Stunde nach der Erstanpassung ging ich mit einem Freund im Restaurant auf dem Klinikgel\u00e4nde Mittagessen und konnte ihn w\u00e4hrend unserer Unterhaltung in der lauten Umgebung schon deutlich besser verstehen als dies vor der OP der Fall gewesen w\u00e4re. In den darauffolgenden Wochen und Monaten \u00fcbte ich t\u00e4glich intensiv mit Apps auf meinem Smartphone, h\u00f6rte und machte viel Musik und trug das CI konsequent\u00a0jeden Tag von morgens bis abends. Mein H\u00f6ren wurde von Tag zu Tag sp\u00fcrbar besser und ich f\u00fchlte mich wie ein Duracell-H\u00e4schen, dem gerade wieder frische Batterien eingesetzt wurden. Und das war \u201enur\u201c das H\u00f6ren mit dem reinen CI, denn die akustische Verst\u00e4rkung der tiefen Frequenzen \u00fcber die H\u00f6rger\u00e4t-Komponente des EAS erfolgte erst nach sechs Wochen, als die Wundfl\u00fcssigkeit im Mittelohr vollst\u00e4ndig abgeflossen war.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-16262\" src=\"https:\/\/blog.medel.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/gitarre-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"378\" height=\"252\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eIm Kopf zu einem runden Ganzen\u201c\u00a0 &#8211; mein neues H\u00f6ren mit EAS\u2026<\/strong><\/p>\n<p>In H\u00f6rtests nach sechs Wochen zeigte sich, dass mein Restgeh\u00f6r fast vollst\u00e4ndig hatte erhalten werden k\u00f6nnen &#8211; dank des Zusammenspiels von Elektrodentr\u00e4gerl\u00e4nge und -form und der sehr gro\u00dfen Erfahrung und dem Fingerspitzengef\u00fchl von Frau Dr. Helbig. Damit habe ich auf dem implantierten Ohr eine sehr sch\u00f6ne klangliche Basis in den tiefen Frequenzen. Die Grundfrequenzen der meisten Stimmen kann ich damit wahrnehmen und somit Sprachmelodien erkennen. Das CI steuert die mittleren und hohen Frequenzen bei und erm\u00f6glicht es mir so, Sprache sehr gut zu verstehen. Die hohen Frequenzen kommen sehr differenziert an, wenn sie auch ein wenig steril klingen. Die mittleren Frequenzen sind f\u00fcr mich sehr pr\u00e4sent und klingen teils etwas \u201etopfig\u201c und metallisch. Die tiefen Frequenzen sind der klangliche Leim, der alles zusammenh\u00e4lt wodurch f\u00fcr mich ein insgesamt weitgehend nat\u00fcrliches Klangbild entsteht. Und zusammen mit meinem normalh\u00f6renden Ohr ist es noch viel besser. Ich h\u00f6re zwar den klanglichen Unterschied links und rechts, empfinde ihn jedoch nicht als st\u00f6rend, sondern beide H\u00f6reindr\u00fccke vereinen sich im Kopf zu einem runden Ganzen.<\/p>\n<p>Seitdem ich auch die H\u00f6rger\u00e4te-Komponente, also die akustische Stimulation, nutze, h\u00f6re ich wieder r\u00e4umlich. Es war so, als w\u00fcrde damit das 3D-H\u00f6ren wieder eingeschaltet. Das war ein echtes Aha-Erlebnis!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Architektur aus Kl\u00e4ngen &#8211; Musik mit EAS<\/strong><\/p>\n<p>Musik ist f\u00fcr mich eine Sprache, mit der sich Gef\u00fchle ausdr\u00fccken lassen. Wenn Musik eine Gef\u00fchlssprache ist, dann habe ich diese Sprache nach dem H\u00f6rverlust zwar inhaltlich bzw. auf analytischer Ebene noch verstanden, doch die Gef\u00fchle kamen nicht mehr an. Ich wusste, welches Gef\u00fchl gemeint war, konnte es aber nicht mehr empfinden. Umgekehrt konnte ich diese Sprache aber noch sprechen. Ich komponierte nach wie vor Lieder, mit denen ich meine Gef\u00fchle transportierte und kommunizierte. Aber es war irgendwie witzlos. Fr\u00fcher weckte das H\u00f6ren von bestimmten St\u00fccken sehr starke Gef\u00fchle; schon vom ersten Ton an konnte mich Musik v\u00f6llig in ihren Bann ziehen. Und vor allem auch beim Musizieren und Improvisieren allein oder mit anderen empfand ich sehr stark. Musik war ein gro\u00dfer Teil meines Lebens und damit ein Teil, der f\u00fcr meinen Gef\u00fchlshaushalt, f\u00fcr mein Wohlbefinden, meine Lebensfreude sehr wichtig war. Nach dem H\u00f6rverlust war da ein gro\u00dfes Vakuum.<\/p>\n<p>Etwa eine Woche nach der Erstanpassung kaufte ich mir eine neue Gitarre. Ich wollte damit Musik neu entdecken und dieses Instrument sollte mich dabei begleiten. Ich probierte verschiedene Gitarren aus, w\u00e4hrend ich mein neues CI trug und entschied mich f\u00fcr ein Modell mit Stahlsaiten und einem sehr transparenten Klang. Dass die Gitarre im linken Ohr absolut nat\u00fcrlich klang und im rechten zu dem Zeitpunkt maximal verzerrt st\u00f6rte mich nicht. Ich freute mich, dass ich den Rhythmus der Anschl\u00e4ge wieder beidseitig h\u00f6ren konnte. Mit der Zeit wurde der H\u00f6reindruck immer besser.<\/p>\n<p>Mit EAS kann ich Musik \u2013 die von anderen K\u00fcnstlern und auch meine eigene \u2013 jetzt wieder wirklich genie\u00dfen und f\u00fchlen. Ich fragte mich lange, wieso. Denn auch als einseitig Ertaubte konnte ich ja mit dem gesunden Ohr alle T\u00f6ne, Frequenzen und Klangfarben vollst\u00e4ndig wahrnehmen.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel liegt f\u00fcr mich darin, dass ich wieder r\u00e4umlich h\u00f6re. Musik ist wie Architektur aus Kl\u00e4ngen und ich kann sie jetzt wieder als solche wahrnehmen. Ich bin wieder mitten im musikalischen Raum, umgeben von Musik, anstatt nur einohrig am Rand zu stehen. Sicher tr\u00e4gt auch die Tatsache, dass ich mich, seitdem ich EAS nutze, wieder rundum gut f\u00fchle, dazu bei, dass ich wieder Spa\u00df an der Musik habe.<\/p>\n<p>In der Musik sorgen die tiefen Frequenzen meines Restgeh\u00f6rs f\u00fcr einen vollen Klang und daf\u00fcr, dass ich gesangliche oder instrumentale Melodien weitestgehend h\u00f6ren kann, au\u00dfer, sie spielen sich in den hohen Lagen ab. Damit ist f\u00fcr mich der grunds\u00e4tzliche Charakter eines Musikst\u00fccks identifizierbar und auch die Tonlage, in der es sich abspielt. Die mittleren und hohen Frequenzen steuert das CI mit der elektrischen Stimulation bei. Die hohen Frequenzen klingen sch\u00f6n pr\u00e4zise und klar und Rhythmusinstrumente sind wieder h\u00f6rbar, Melodien kann ich jedoch nicht identifizieren. In den mittleren Frequenzen ist das Klangbild eher undifferenziert und verzerrt, da sich dort meist besonders viele Instrumente und auch die Stimmen tummeln, die vermutlich nicht mehr sauber aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Songtexte kann ich allerdings ziemlich gut verstehen. Soweit zum H\u00f6ren nur mit meinem EAS-Ohr.<\/p>\n<p>Die beiden unterschiedlichen H\u00f6reindr\u00fccke links und rechts erg\u00e4nzen sich f\u00fcr mich ausgezeichnet. Wenn ich singe und Gitarre spiele, ist die Gitarre nicht mehr nur das St\u00f6rger\u00e4usch, das mich hindert, meine Stimme gut zu h\u00f6ren und umgekehrt, sondern ich kann Stimme und Gitarre viel besser differenzieren.<\/p>\n<p>Es ist wunderbar, die eigene Stimme wieder mit beiden Ohren h\u00f6ren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Meinen ersten kleinen Liveauftritt mit EAS habe ich bereits erfolgreich gemeistert. Konzerte zu besuchen macht wieder richtig Spa\u00df. Musik mit Kopfh\u00f6rern zu h\u00f6ren ist wieder ein echtes Erlebnis in Stereo und l\u00f6st starke Empfindungen (von G\u00e4nsehaut \u00fcber Herzklopfen bis hin zu Freudentr\u00e4nen) aus. Daf\u00fcr bin ich sehr dankbar.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-16267\" src=\"https:\/\/blog.medel.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/konzert-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"285\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sieben Monate EAS: Alle Erwartungen \u00fcbertroffen<\/strong><\/p>\n<p>Ich bef\u00fcrchtete Komplikationen nach der OP, doch es traten keine auf. Ich erwartete 60-80% Einsilberverst\u00e4ndnis nach einem Jahr und verstand 60% Einsilber bereits nach anderthalb Wochen und 100% nach f\u00fcnf Monaten \u2013 dank guter Einstellungen, intensiven \u00dcbens und gezieltem Training in der Reha. Nach der Erstanpassung erwartete ich, nur L\u00e4rm zu h\u00f6ren, doch ich konnte teilweise sogar schon Sprache verstehen. Ich erwartete unangenehme und be\u00e4ngstigende Kl\u00e4nge zu h\u00f6ren, doch was ich h\u00f6rte, klang zwar zun\u00e4chst fremdartig doch ich konnte es f\u00fcr mich gut akzeptieren. Ich erwartete keinerlei Verbesserung hinsichtlich Musik und ging davon aus, dass ich das H\u00f6rsystem zum Musizieren ablegen w\u00fcrde. Ich trage es begeistert von morgens bis abends, ohne es abzunehmen, auch, wenn ich Musik mache. Mein Tinnitus ist nicht mehr wahrnehmbar, wenn ich den Audioprozessor trage und meine Ger\u00e4usch\u00fcberempfindlichkeit ist weg. Ich kann wieder r\u00e4umlich h\u00f6ren. Im St\u00f6rger\u00e4usch f\u00e4llt es mir erheblich leichter, meine Gespr\u00e4chspartner zu verstehen. Das hilft mir im Berufsleben und auch privat sehr. Es h\u00e4tte f\u00fcr mich insgesamt nicht besser laufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Mit meinem neuen H\u00f6ren bin ich sehr, sehr gl\u00fccklich und genie\u00dfe mein Leben wieder.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich f\u00fchle mich wieder ganz.<\/strong><\/p>\n<p>Mein herzlichster Dank geht an MED-El f\u00fcr die tolle Technologie, an das Team am Universit\u00e4tsklinikum Frankfurt f\u00fcr die exzellente Behandlung und Betreuung und an das Team der Kaiserbergklinik Bad Nauheim f\u00fcr die ausgezeichnete Unterst\u00fctzung in der Reha! Und nat\u00fcrlich danke ich auch der Techniker Krankenkasse und der DRV, dass all das f\u00fcr mich m\u00f6glich war und ist!<\/p>\n<p>Annette E., Stuttgart<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich f\u00fchle mich wieder ganz&#8220; &#8211; so beschreibt unsere einseitig ertaubte Nutzerin Annette E. ihr H\u00f6rerleben bereits einige Monate nach ihrer CI-Versorgung (Elektrisch-Akustische Stimulation).<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":64953,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2877],"tags":[2769],"class_list":["post-46859","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-schaufenster-news","tag-musik"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>&quot;Musik ist wie Architektur aus Kl\u00e4ngen...&quot; - Meine Erfahrung mit EAS bei einseitiger Ertaubung - The MED-EL Blog<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/blog.medel.com\/de\/schaufenster-news\/musik-ist-wie-architektur-aus-klaengen-meine-erfahrung-mit-eas-bei-einseitiger-ertaubung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"&quot;Musik ist wie Architektur aus Kl\u00e4ngen...&quot; 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