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Haben Sie jemals jemanden sagen hören, dass in der Kommunikation mit anderen irgendwie der „Gesprächsfaden abgerissen“ ist? Kommunikation umfasst den erfolgreichen Austausch von Informationen zwischen zwei oder mehr Personen. Solche Brüche in der Kommunikation können frustrierend sein, obwohl sie häufig nur das Ergebnis einer anderen Art des Zuhörens und unterschiedlicher Kommunikationsstile sind.

Für Träger von Hörimplantaten können Brüche in der Kommunikation so entmutigend wirken, dass sie immer weniger Lust verspüren, sich mit anderen auszutauschen. Kommunikation ist vermutlich der Hauptgrund, warum Sie sich für ein Hörimplantat entschieden haben. Die folgenden Hinweise können Ihnen helfen zu verstehen, weshalb eine Interaktion nicht funktioniert hat und wie Sie mit diesen gelegentlichen Fehlschlägen umgehen:

Kommunikationsstil

Die Art und Weise, wie ein Mensch kommuniziert, ist in der Regel ein Ausdruck seiner Persönlichkeit. Dass jemand selbstbewusst und kontaktfreudig ist, zeigt sich meist auch an seinem lauteren und engagierteren Kommunikationsverhalten. Ein vorsichtiger oder unsicherer Mensch spricht dagegen eher leise und kommuniziert zurückhaltender. Wer die Persönlichkeit seiner Gesprächspartner richtig einschätzen kann, hat auch oft weniger Probleme in der Kommunikation mit ihnen. Wenn Sie beispielsweise wissen, dass Ihr Gegenüber eine leise Stimme hat, sollten Sie eine Umgebung mit weniger Hintergrundgeräuschen wählen, damit Sie ihn besser hören. Auch ein Ort mit weniger visuellen Reizen kann sicherstellen, dass Sie der Person Ihre volle Aufmerksamkeit schenken und sich leichter verständigen können.

Kommunikationsstile

Zunächst geht es darum herauszufinden, zu welchem Kommunikationstyp Sie gehören. Wenn Sie sich selbst nicht sicher sind, fragen Sie Ihren Gehörtherapeuten, Freunde oder Familienangehörige. Im Wesentlichen gibt es drei Arten von Kommunikationsstilen: passiv, aggressiv und affirmativ1.

  • Passive Gesprächspartner versuchen Interaktionen zu vermeiden, weil sie den Eindruck haben, dass sie das Gespräch nicht am Laufen halten können, und versuchen, diese Art von Fehlschlägen zu vermeiden, indem Sie Diskussionen grundsätzlich aus dem Wege gehen.  Lässt sich eine Diskussion nicht abwenden, bleiben sie während des gesamten Gesprächs eher passiv und tragen nur wenig dazu bei. Hör-Anfänger (also Personen, die ihr Hörimplantat gerade erst erhalten haben) sind häufig passive Gesprächspartner, da sie erst noch lernen müssen, auf gesprochene Sprache zu reagieren, und länger brauchen, um eine Frage zu verstehen. Wenn Sie zu dieser Gruppe gehören, sollten Sie sich Gesprächspartner suchen, die auf ihre Situation Rücksicht nehmen und Ihnen die Zeit geben, Fragen, Anweisungen und detaillierte Erzählungen zu verarbeiten. So können Sie im Laufe der Zeit das nötige Selbstbewusstsein entwickeln.
  • Aggressive Gesprächspartner dominieren Gespräche gern, damit sie die Art des Informationsaustauschs kontrollieren können. Um Brüche in der Kommunikation zu vermeiden, wirken diese Menschen auf Ihr Gegenüber nicht selten überzogen und regelrecht aggressiv. Viele Menschen mit Hörimplantaten müssen feststellen, dass sie zu dieser Form der Kommunikation neigen. Tatsächlich haben sie nur Angst, dass sie eine Frage überhören oder eine Erzählung nicht richtig verstehen. Es erscheint ihnen daher leichter, das Gespräch zu dominieren, als zu riskieren, dass der andere denken könnte, man habe seine Frage ignoriert oder den wesentlichen Punkt einer Geschichte nicht mitbekommen. Wenn Sie mit jemandem aus dieser Kommunikationsgruppe sprechen, versuchen Sie herauszufinden, warum er das Gespräch zu dominieren sucht, und helfen Sie ihm, indem Sie einen ruhigeren Ort aufsuchen. Ein Vieraugengespräch kann dieser Person auch helfen, sich mehr auf das Gesprochene zu konzentrieren, und fördert die wechselseitige Kommunikation.
  • Affirmative Gesprächspartner möchten bei jedem Gespräch am Ball bleiben und sorgen mit einer Reihe von aktiven und positiven Strategien dafür, dass Brüche in der Kommunikation überwunden werden. In der Gehörtherapie sollten Strategien vermittelt werden, damit Sie sich im Familien- und im breiteren Bekanntenkreis mehr und mehr zu einem affirmativen Gesprächspartner entwickeln.

Arten des Zuhörens

Wie jemand zuhört, hängt wesentlich davon ab, weshalb er einer bestimmten Gruppe oder Person zuhört. Zu den drei Arten des Zuhörens gehören: inhaltsbezogen, personenbezogen und handlungsorientiert2,3.

  • Beim inhaltsbezogenen Zuhören konzentriert man sich auf den Inhalt eines Gesprächs, d. h. auf das „Was“ und „Warum“ einer kommunikativen Situation. Bei den meisten Interaktionen geht es um allgemeine Aussprachen mit häufig wechselnden Themen und Kommunikationspartnern. In lauten Umgebungen und bei mehr als einem Gesprächspartner kann es schwer fallen, diesen Themenwechseln zu folgen. Als Hör-Anfänger kann es hilfreich sein, einen Partner oder Freund bei sich zu haben, der erkennt, wenn Sie eine wesentliche Frage oder einen Themenwechsel verpasst haben, und der Ihnen schnell durch Wiederholen von ein paar Details oder einer eventuell gestellten Frage „auf die Sprünge“ helfen kann.
  • Beim personenbezogenen Zuhören konzentriert man sich auf bestimmte Personen, um diese besser kennenzulernen, d. h. es geht um das „Wer“ in diesem Gespräch. Diese Art des Zuhörens kommt meist zum Tragen, wenn wir jemandem zum ersten Mal begegnen. Hierfür könnten Sie sich eine Reihe von Fragen aneignen, mit denen Sie mehr über den anderen erfahren, zum Beispiel, ob er Kinder hat, wo er wohnt oder was er beruflich macht. Wenn Sie die Reihenfolge der Fragen beibehalten, können Sie sich besser auf die Antworten einstellen, da Sie wissen, welche Art von Informationen von der Gegenseite zu erwarten ist.
  • Beim handlungsorientierten Zuhören geht es um eine Art Aktionsplan, der besprochen werden soll, d. h. um das „Wie“ des Gesprächs. Für diese Form der Kommunikation kann es hilfreich sein, die anderen Teilnehmer zu bitten, eine Liste oder Zusammenfassung aller im Gespräch getroffenen Entscheidungen zu erstellen. Wenn Sie beispielsweise ein Picknick planen, bitten Sie um eine Liste der Dinge, die Sie mitbringen sollen.

 

Seinen eigenen Kommunikationsstil zu kennen und zu wissen, welche Art des Zuhörens in der jeweiligen Situation erforderlich ist, kann hilfreich sein, um angemessene Strategien parat zu haben, wenn der Gesprächsfaden einmal reißt.

Wenn Kommunikation in Ihrer Gehörtherapie noch kein Thema ist, empfehlen wir dringend, Strategien zu besprechen, die Sie in Ihr Programm einbauen können.

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Literaturnachweis:

1. Tye-Murray, N., & Witt, S. (1996). Conversational moves and conversational styles of adults cochlear implant users. Journal of the Academy of Rehabilitative

2. Audiology, 29, 11–25.Barker, L.L. (1971). Listening Behavior. Englewood Cliffs, New Jersey: Prentice Hall

3. Watson, K.W. and Barker, L.L. (1995). Listening Styles Profile. Amsterdam: Pfeiffer & Company

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