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Unser Gehirn funktioniert ein bisschen wie eine Verkehrsleitzentrale. Jede Menge Informationen müssen verarbeitet werden, ohne dass man sich von Kleinigkeiten ablenken lässt, und man muss schnell entscheiden, was in welcher Reihenfolge zu tun ist.  Dazu braucht man ein gutes Gedächtnis, die Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, und flexible Denkstrukturen. Kinder werden mit diesen Fähigkeiten nicht geboren, sie müssen sie sich mit der Zeit aneignen¹.

Kinder, die sich mit exekutiven Funktionen schwer tun, haben auch oft Probleme damit, organisiert und konzentriert zu handeln, sich Anweisungen zu merken und mehr als eine Aufgabe zu bewältigen. So vergessen Sie zum Beispiel, am richtigen Tag das Schwimmzeug einzupacken, haben Schwierigkeiten, alles zusammenzusuchen, was sie für ein bestimmtes Vorhaben brauchen, und können ein begonnenes Puzzle nicht zu Ende führen.

Im folgenden Beitrag finden Sie ein paar Beispiele, wie Sie Ihrem Kind dabei helfen können, diese drei wichtigen Fähigkeiten zu entwickeln: Gedächtnis, Selbstkontrolle und Planung/ Prioritäten setzen.

 

1: Gedächtnis

Beim Abendessen:

  • Lassen Sie sich von Ihrem Kind beim Anreichen des Essens helfen.„Mami möchte Reis.“ – „Gib deiner Schwester den Löffel“
  • Sprechen Sie darüber, was die unterschiedlichen Familienmitglieder mögen und nicht mögen.„Mag Papi Erbsen?“

Beim Anziehen:

  • „Es ist kühl heute, du brauchst deine Mütze und deine Stiefel.“
  • „Findest du zwei Kleidungsstücke mit derselben Farbe?“

Beim Spielen:

  • Mit Bauklötzen/ Lego: „Wir müssen eine Brücke über eine Straße bauen.“
  • Mit einen Puppenhaus und Figuren: „Das kleine Mädchen möchte ins Bett gehen, aber der kleine Junge darf draußen spielen.“

 

2: Selbstkontrolle

Bringen Sie Ihrem Kind Begriffe bei, die einen zeitlichen Ablauf beschreiben:

  • „Erst holen wir Brot und Butter, dann machen wir ein belegtes Brot.“
  • „Wir frühstücken erst, bevor wir den Fernseher einschalten.“
  • „Nach dem Abendessen machen wir einen Spaziergang.“

Bringen Sie Ihrem Kind Verantwortung bei:

  • Pflanzen Sie einen Samen ein, und beobachten Sie, wie er im Laufe der Zeit zur Pflanze wird.Helfen Sie Ihrem Kind dabei, die Pflanze regelmäßig zu gießen.
  • Geben Sie Ihrem Kind Dinge im Haushalt zu tun, die es jeden Tag erledigen muss.
    • 2-Jährige können dabei helfen, ihre Spielsachen aufzuräumen.
    • 3-Jährige können ihre schmutzigen Kleidungsstücke in den Wäschekorb tun.
    • 4-Jährige können ihr Bett selber machen.
    • 5- und 6-Jährige können das Füttern eines Haustiers übernehmen und beim Staubsaugen helfen.

 

3: Planen und Prioritäten setzen

Vermitteln Sie Ihrem Kind dessen Tagesablauf:

  • Besorgen Sie für Ihr Kind einen Kalender, in den Sie Termine eintragen oder einzeichnen können.
  • Gehen Sie jeden Abend gemeinsam durch, was an diesem Tag passiert ist. „Heute waren wir bei Jenny zur Therapie, und dann sind wir im Park spazieren gegangen.“
  • Sprechen Sie darüber, was am nächsten Tag ansteht.Ergänzen Sie, was dafür benötigt wird, zum Beispiel:„Du hast morgen Schwimmunterricht.Wir müssen dein Schwimmzeug und deine Schwimmbrille in die Tasche packen.“

Stellen Sie Ihr Kind, wenn möglich, vor die Wahl:

  • „Möchtest du schwimmen gehen oder in den Park?“
  • Schließen Sie andere Mitglieder der Familie in die Entscheidung ein.„Elisabeth möchte ins Kino, aber du möchtest einkaufen gehen – was sollen wir tun?“

Übertragen Sie Ihren Kindern Pflichten, die sie übernehmen müssen:

  • Hängen Sie einen Plan auf, in dem ihre Verpflichtungen aufgeführt sind, zum Beispiel eine Übersicht mit den Aufgaben für jeden einzelnen Tag.
  • Sprechen Sie darüber, welche Folgen es hat, wenn das Kind seiner Pflicht, z. B. dem Füttern des Hundes, nicht nachkommt.„Denk dran, wenn du vergisst, Hündchen Wasser in seinen Napf zu tun, dann wird er sehr durstig und traurig.“

 

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Literaturnachweis:

1: Beer, J., Kronenberger, W. G., Castellanos, I., Colson, B. G., Henning, S. C., & Pisoni, D. B. (2014). Executive Functioning Skills in Preschool-Age Children With Cochlear Implants. Journal of Speech, Language, and Hearing Research : JSLHR57(4), 1521–1534. http://doi.org/10.1044/2014_JSLHR-H-13-0054

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