in Rehab at Home, Tipps & Tricks

Im heutigen „Rehab at Home“-Beitrag geht es um Sabotage. Auch wenn das Wort „Sabotage“ im täglichen Sprachgebrauch eine negative Konnotation hat, so wird Sabotage in der Rehabilitation verwendet, um Kinder bei der Sprachentwicklung zu unterstützen. Denn Sabotage erzeugt bei Kindern den Wunsch oder das Bedürfnis zu sprechen.

Im Folgenden befassen wir uns genauer damit, warum wir Sabotage einsetzen und erklären Ihnen, wie Sie sich diese Strategie für das Hörtraining mit Ihrem Kind zu Hause zunutze machen können.

 

Warum Sabotage?

Der Einsatz von Sabotage schafft einen sinnvollen und interessanten Grund für Ihr Kind, Kommunikation zu beginnen. Sie bietet Ihrem Kind die Möglichkeit, einer anderen Person von einem Problem zu erzählen oder um Hilfe bei der Lösung des Problems zu bitten. Sabotage ermöglicht es Ihnen, Ihrem Kind Wörter beizubringen, mit denen es über Probleme sprechen und um Hilfe bitten kann. Durch den Einsatz von Sabotage lernen Kinder, dass ihre eigene Stimme wichtig ist und dass sie sie benutzen können, um Dinge geschehen zu lassen, um Hilfe zu bitten oder um zu bekommen, was sie wollen. Manche Kinder setzen vielleicht eher Zeige-Gesten, Drücken oder Ziehen ein, um das zu bekommen, was sie wollen. Mithilfe von Sabotage können Sie Ihrem Kind zeigen, wie es stattdessen Worte einsetzen kann und es dazu ermutigen, diese Worte auch einzusetzen.

 

Wie kann ich Sabotage einsetzen, um die Sprachfähigkeiten meines Kindes zu verbessern?

Überlegen Sie sich ein interessantes Problem oder eine Überraschung für Ihr Kind. Warten Sie, bis das Kind das Problem bemerkt oder machen Sie es darauf aufmerksam. Warten Sie dann darauf, dass Ihr Kind Sie um Hilfe bittet, und das Problem (z.B. „kaputt“) oder die Lösung (z.B. „putzen“) benennt. Wenn das Kind nicht weiß, was es sagen soll, bilden Sie einen Satz und ermutigen Sie Ihr Kind, den Satz zu zu wiederholen. Setzen Sie Sabotage ein, um dem Kind bspw. Wörter wie „oh oh“, „funktioniert nicht“, „verletzt“, „weg“, „fertig“, „Hilfe“, mehr“ oder „offen“ beizubringen.

Im folgenden Video bereiten sich Matthew und seine Mutter darauf vor, Bilder zu malen. Matthews Mutter vergisst die Farbe, was Matthew die Gelegenheit gibt, ihr zu sagen, was fehlt und sie um das zu bitten, was er braucht.

Hinweis: Das folgende Video ist auf Englisch mit deutschen Untertiteln verfügbar.

 

Aktivitäten für jüngere Kinder

  • Kinder benötigen oft Unterstützung beim Öffnen von Verpackungen, Türen, Kisten oder Schubladen. Diese Gelegenheiten können Sie nutzen, um Ihr Kind dazu zu ermutigen, mit seinen eigenen Worten um Hilfe zu bitten. Anstatt also die Verpackung eines Snacks bereits vorher zu öffnen, geben Sie dem Kind die verschlossene Packung. Warten Sie dann, bis es um Ihre Hilfe bittet. Sie können erwarten, dass es „Aufmachen“ oder „Tüte aufmachen“ sagt oder nachahmt, je nach Sprachlevel des Kindes.
  • Platzieren Sie eine Überraschung an einen unerwarteten Ort, z.B. in die Hosentasche, in einen Schuh oder auf das Kopfkissen. Das könnte beispielsweise ein kleines Spielzeug, ein Farbmalstift oder ein anderer Gegenstand des Kindes aus einem anderen Raum sein, wie z.B. eine Haarbürste aus dem Badezimmer. Warten Sie, bis Ihr Kind die Überraschung gefunden hat oder machen Sie es darauf aufmerksam. Bringen Sie Ihnen Sätze dabei, mit denen sich Überraschung ausdrücken lässt, wie „Schau!“ oder „Ich habe XY gefunden!“. Fügen Sie nach und nach neue Wörter und Sätze hinzu, zum Beispiel: „Das ist aber eine Überraschung“, „Ich frage mich, wie das dort hingekommen ist“ oder „Wo sollen wir das jetzt hinlegen?“

 

Aktivitäten für ältere Kinder

Sobald Ihr Kind eine bestimmte Routine im Alltag gut kennt, zum Beispiel Zähne putzen oder ein Spiel spielen, können Sie Sabotage einsetzen, indem Sie einen Schritt vergessen oder etwas absichtlich falsch machen. Zum Beispiel:

  • Vergessen Sie Zahnpasta auf die Zahnbürste des Kindes zu geben
  • Geben Sie dem Kind eine Gabel statt eines Löffels, um das morgendliche Müsli zu essen
  • Bereiten Sie ein Brettspiel falsch vor, indem Sie das Spielbrett verkehrt herum auflegen
  • Beginnen Sie beim Vorlesen eines Buches auf der letzten Seite

 

Warten Sie dann darauf, dass Ihr Kind ihnen sagt, was falsch ist und was Sie tun müssen, um das Problem zu lösen. Bei dieser Gelegenheit können Sie wunderbar „Korrektives Feedback und Erweiterung” einsetzen, um komplexere Sätze und Phrasen vorzusprechen und so die Äußerungslänge Ihres Kindes zu erweitern. Sollte das Kind das Problem nicht erkennen, weisen Sie darauf hin, beispielsweise so: „Oh nein, ich habe die Zahnpasta vergessen!“

 

Wichtig: Seien Sie sich bewusst, dass es ein schmaler Grad sein kann zwischen einer wertvollen Lernsituation dank Sabotage und der Schaffung einer Stresssituation. Wenn Ihr Kind also Schwierigkeiten hat, Ihnen zu zeigen, was das Problem ist, und/oder die Lösung nicht artikulieren kann, wandeln Sie die Sabotage am besten in eine kleine Lernstunde um. Zeigen Sie dem Kind, welche Sprache man in einer bestimmten Situation verwenden könnte, um das Problem zu lösen und unterstützen Sie es, indem Sie das Problem gemeinsam lösen. Auf diese Art und Weise entwickelt das Kind die notwendigen Fähigkeiten, um ähnliche Probleme in Zukunft selbst lösen zu können. Eine „Sabotage“-Situation kann also tolle und hilfreiche Lernmomente erzeugen, noch wichtiger sind allerdings Erfolgsmomente für das Kind.

 

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