in Rehab at Home, Tipps & Tricks

Alltagssituationen und tägliche Routinen sind einfache und effektive Möglichkeiten, die Entwicklung der Hör-, Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten Ihres Kindes zu unterstützen. Besonders Kinder mit Hörverlust benötigen viele Stunden an Hörübungen, vielfältige Hörumgebungen und einen Fokus auf das Zuhören bei ihren Alltagsaktivitäten, um ihre Sprachfähigkeiten optimal zu entwickeln. Hör- und Sprechstrategien in Ihre täglichen Routinen einzubauen ist daher eine tolle Art und Weise, um Ihrem Kind diese Übungssituationen zu ermöglichen.

In diesem „Rehab at Home“-Beitrag schauen wir uns an, wie Sie Alltagsroutinen nutzen können, um die Sprachfähigkeiten Ihres Kindes zu unterstützen und stellen Ihnen konkrete Übungen vor, die Sie zu Hause ausprobieren können.

 

Wie kann ich die Hörfähigkeiten meines Kindes Tag für Tag unterstützen?

  1. Nutzen Sie den ganzen Tag: Eines der wichtigsten Dinge, die Sie jeden Tag tun können, ist, Ihr Kind dabei zu unterstützen, seine Geräte (Cochlea-Implantat(e)/ Hörgerät(e)) jeden Tag die gesamte Zeit, während es wach ist, zu tragen. Schaffen Sie die Erwartungshaltung und Umgebung, damit Ihr Kind seine Geräte jeden Morgen nach dem Aufstehen gerne anlegt.
  2. Ling Laute Test: Damit Ihr Kind Zugang zu allen Geräuschen hat, muss sichergestellt sein, dass seine Geräte einwandfrei funktionieren. Gerade jüngere Kinder können nicht immer sagen, ob das Gerät funktioniert. Überprüfen Sie daher jeden Tag mithilfe des Ling Laute Tests, ob Ihr Kind alle Laute, die die Sprachfrequenzbereiche abdecken hören kann.
  3. Sprechen Sie mehr während Alltagsroutinen: Untersuchungen des Thirty Million Words Projekts haben gezeigt, dass Kinder deren Eltern viel mit ihnen sprechen, über einen größeren Wortschatz verfügen und ihnen das Lesen leichter fällt.
    1. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was es gerade tut, sich anschaut oder worüber es nachdenkt.
    2. Sprechen Sie über die Details von Dingen: Wie sehen sie aus, wie fühlen sie sich an, wie riechen, schmecken oder klingen sie?
    3. Sprechen Sie über Tätigkeiten und Handlungen, Orte, Probleme, Gefühle und Gedanken.
    4. Machen Sie Bücher zum Teil Ihrer täglichen Routine, die sich mit Themen beschäftigen, die im Alltag kaum zur Sprache kommen, wie zum Beispiel das Weltall oder exotische Tiere. So können sie auch Wörter aus anderen Bereichen einbauen.
  4. Zuerst zuhören: Geben Sie Ihrem Kind im Laufe des Tages Anweisungen, zuerst nur in akustischer Form. Wenn das Kind unsicher ist, was es tun soll, können Sie kontextbezogene Hinweise oder Gesten hinzufügen. Sagen Sie Ihrem Kind zum Beispiel „Jetzt ist Badezeit“ bevor Sie mit ihm ins Bad gehen und den Wasserhahn aufdrehen, oder bitten Sie es, seine Schuhe zu holen und zeigen erst dann auf die Schuhe, wenn es die Anweisung nicht verstanden hat. Auf diese Art und Weise werden die Hörfähigkeiten des Kindes gestärkt.

Im folgenden Video hilft Matthew seiner Mutter dabei, den Tisch für das gemeinsame Abendessen zu decken. Matthews Mutter nutzt die Gelegenheit und gibt ihm Anweisungen, bei denen er zuerst nur zuhören muss, um so sein akustisches Gedächtnis zu stärken. Sie verwendet außerdem akustische Highlights, um Matthews Aufmerksamkeit auf wichtige Schlüsselwörter in ihrer Anleitung zu lenken.

Hinweis: Das folgende Video ist auf Englisch mit deutschen Untertiteln verfügbar.

 

Hier weitere Vorschläge, wie Sie alltägliche Aktivitäten nutzen können, um die Hör- und Sprachfähigkeiten Ihres Kindes zu unterstützen.

 

Ideen für jüngere Kinder

Nutzen Sie beispielsweise das Windelwechseln, um mehr zu sprechen:

  • Sprechen Sie über die einzelnen Handlungen und Schritte (hochheben, abwischen, sauber machen, Windel wechseln) bevor Sie diese durchführen. Sagen Sie z.B.: „Es ist Zeit, deine Windel zu wechseln. Ich werde dich jetzt hoch-, hoch-, hochheben“ bevor Sie das Kind auf den Wickeltisch heben.
  • Sprechen Sie über Konzepte wie „schmutzig“ und „sauber“. Denken Sie daran, diese Wörter in kurzen Sätzen und mit einer Singstimme zu verwenden. Zum Beispiel: „Deine Windel ist schmutzig. Wir müssen deine Windel wechseln“.
  • Fügen Sie ggf. ein Lied zu dieser Routine hinzu.

 

Auch das Anziehen ist eine gut geeignete Alltagssituation. Während Sie Ihrem Kind beim Anziehen helfen:

  • Geben Sie Ihrem Kind Anweisungen, so dass es zuerst zuhören und dann das jeweilige Kleidungsstück suchen muss. Sagen Sie zum Beispiel „Hol‘ bitte deine roten Schuhe“ oder „Suche deinen blauen Pullover“. Sie können die Länge und Komplexität der Anweisungen schrittweise erhören, um die Fähigkeiten Ihres Kindes auszubauen.
  • Verwenden Sie Wörter, die eine Reihenfolge beschreiben, wie „zuerst“, „als nächstes“, „danach“ oder „dann“. Sie könnten beispielsweise sagen: „Zuerst müssen wir die Socken anziehen, dann deine Schuhe“ oder „Nachdem du dein T-Shirt angezogen hast, können wir den Pullover anziehen“.

 

Ideen für ältere Kinder

Während Sie sich gemeinsam auf die Schule vorbereiten, können Sie Ihrem Kind Anweisungen geben, die es durch „Zuerst Zuhören“ verstehen soll:

  • Nennen Sie eine Liste an Dingen, die in die Tasche gepackt werden müssen. Erinnern Sie das Kind zum Beispiel: „Vergiss nicht deine Hausaufgaben, Mütze und Wasserflasche“.
  • Verwenden Sie Wörter, die eine Reihenfolge beschreiben, wie „bevor“, „als nächstes“, „nachdem“ oder „dann“. Sie könnten beispielsweise sagen: „Bevor du dich anziehst, iss bitte dein Frühstück“ oder „Nachdem du dein Frühstück gegessen hast, putze dir bitte die Zähne“.

Ermuntern Sie Ihr Kind vor den Mahlzeiten beim Tisch decken zu helfen oder die Utensilien für das Abendessen mit der Familie zu finden:

  • Geben Sie dabei Anweisungen, die Konzepte für die Beschreibung von Größe, Form und Standort enthalten: „Gib Papa den großen Teller. Der runde ist für mich“ oder „Suche bitte die Salatschüssel, sie ist im oberen Schrank auf der linken Seite“.

 

Überlegen Sie, welche anderen Haushaltsroutinen es bei Ihnen zu Hause gibt, und wie Sie Ihr Kind auch in diese einbinden können, um so eine tolle Möglichkeit für regelmäßige Hör- und Sprachübungen zu schaffen.

 

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