in Rehab at Home, Tipps & Tricks

Der heutige „Rehab at Home“-Beitrag beschäftigt sich mit „Listening First“, also „Zuerst Zuhören“. Bei dieser Strategie geht es darum, Ihrem Kind zuerst akustische Informationen zu geben, bevor visuelle Hinweise folgen. Anders gesagt: Beschreiben Sie Ihre Handlungen zuerst mit Worten, bevor Sie sie tatsächlich durchführen. Das hilft Kindern dabei, das Zuhören zu erlernen, eine Fähigkeit, die für das Verwenden von gesprochener Sprache und beim Lernen in der Schule besonders wichtig ist.

 

Warum ist „Listening First“ wichtig?

Wir wenden „Listening First“ an, um den Teil des Gehirns eines Kindes zu fördern, der für die Verarbeitung von akustischer Information zuständig ist. Ein Kind mit normalem Hörvermögen beginnt etwa 20 Wochen vor der Geburt zu hören. Ein Kind mit hochgradigem Hörverlust kann möglicherweise erst im Alter von 12 Monaten etwas hören, wenn es ein Cochlea-Implantat erhält. Das bedeutet, dass es auf wichtige frühzeitige auditive Impulse verzichten musste.

In den ersten dreieinhalb Lebensjahren ist das Gehirn eines Babys sehr formbar. Es lernt und passt sich schnell an die Erfahrungen und die Umgebung an. Während ein Kind Geräusche – auch akustische Informationen genannt – empfängt, entwickeln sich in seinem Gehirn Hörbahnen, um die Geräusche, die es hört, zu verarbeiten. Kinder mit Hörverlust hatten jedoch einen Zeitraum, in dem das Gehirn Geräuschen gar nicht oder nur begrenzt ausgesetzt war. Daher hatten diese Kinder weniger Zeit, um Hörbahnen im Gehirn aufzubauen. Die „Zuerst Zuhören“-Strategie zielt darauf ab, diese auditiven synaptischen Verbindungen und die Hörfähigkeiten Ihres Kindes zu stärken, indem es ermutigt wird, sich auf akustische Informationen zu konzentrieren.

 

Wie kann ich „Zuerst Zuhören“ mit meinem Kind üben?

Diese Strategie kann ganz einfach in Ihre tägliche Routine mit eingebunden werden. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was Sie sehen oder tun bevor Sie es sehen oder tun. Auf diese Weise konzentriert sich Ihr Kind auf die akustische Information – also was Sie sagen – und verbindet das Gehörte dann mit dem, was es sieht und baut so seine auditorischen Fähigkeiten aus.
Im folgenden Video zeigt Mias Mutter wie „Zuerst Zuhören“ funktioniert, während die beiden eine Puppe baden. Mias Mutter erklärt ihrer Tochter was sie machen werden, zum Beispiel „Zuerst werden wir das Wasser in die Badewanne gießen“, bevor sie das Wasser gemeinsam eingießen.

Hinweis: Das folgende Video ist auf Englisch mit deutschen Untertiteln verfügbar.

Hier ein paar weitere Anregungen, wie man „Zuerst Zuhören“ einsetzen kann:

 

Aktivitäten für jüngere Kinder

  • Machen Sie eine kurze Pause bevor Sie eine Handlung mit Ihrem Kind abschließen und sprechen Sie darüber. Zum Beispiel:
    • Wenn es Essenszeit ist, sagen Sie „Es ist Zeit für dein Frühstück“ bevor Sie in die Küche gehen oder „Du isst jetzt eine Banane“, bevor Sie dem Kind die Banane zeigen. Erklären Sie „Oh, deine Hände sind schmutzig“, bevor Sie darauf zeigen, und „Lass‘ uns Hände waschen“, bevor Sie zum Waschbecken gehen.
    • Wenn Sie das Haus verlassen, sagen Sie „Wir müssen jetzt mit dem Auto fahren“, bevor Sie zur Tür gehen, „Komme, wir ziehen uns die Schuhe an“ bevor Sie die Schuhe nehmen und „Wir machen die Tür auf“ bevor Sie die Tür wirklich öffnen.
  • Sprechen Sie während Ihrer täglichen Routinen und heben Sie Schlüsselwörter akustisch hervor, bevor Sie Handlungen ausführen. Wiederholen Sie diese Schlüsselwörter und Sätze dann, während Sie die Handlungen gemeinsam mit dem Kind ausführen.

 

Aktivitäten für ältere Kinder

  • Werfen Sie beim gemeinsamen Lesen einen Blick auf die nächste Seite oder hinter Aufklappelemente. Sprechen Sie darüber, was als Nächstes kommt, was noch versteckt ist oder machen Sie Vorhersagen, was passieren wird, bevor Sie es Ihrem Kind zeigen. Dadurch wird das Kind dazu ermutigt, sich auf die akustischen Informationen (also was Sie sagen) zu konzentrieren, bevor es die visuellen Informationen (das Buch) sieht.
  • Geben Sie Ihrem Kind Hinweise, wenn Sie sich unterhalten oder das Kind eine vertraute Frage stellt, zum Beispiel, wenn es fragt, was es zum Abendessen gibt. Beispielsweise: „Heute essen wir Papas Lieblingsspeise. Es sind Tomaten drin. Es ist Spaghetti Bolognese“.
  • Spielen Sie Ratespiele, bei denen Sie ein Bild oder Spielzeug verstecken. Geben Sie dem Kind Hinweise, um es zu erraten, bevor Sie es ihm zeigen. Sagen Sie zum Beispiel: „Ich habe ein kleines Stofftier in meiner Hand. Es ist gelb. Es hat einen langen Hals und braune Flecken. Es ist eine… (Giraffe)“.

 

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