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Maria Terekhova kommt aus Kasachstan und ist 18 Jahre alt. Als professionelle Sportkletterin verfügt sie über eine unglaubliche Willensstärke und Leistungsbereitschaft. Bereits als kleines Kind verlor Maria vollständig ihr Gehör. Im Alter von 8 Jahren bekam sie ein Cochleaimplantat. In den darauffolgenden Jahren wurde Maria professionelle Athletin in der Disziplin des Sportkletterns. Vor kurzem hat sie an der Junioren-WM teilgenommen, die im österreichischen Innsbruck, dem Standort des MED-EL-Firmensitzes, ausgetragen wurde.

 

Hallo Maria, erzähl uns etwas über dich!

Mein Name ist Maria, ich bin 18 Jahre alt und in Almaty in Kasachstan geboren. Ich mache eine Ausbildung zur Zahntechnikerin am zahnmedizinischen Institut. Das regelmäßige Klettertraining und mein Studium nehmen viel Zeit in Anspruch, da bleibt nicht so viel für andere Hobbies übrig. Wenn ich einmal nichts vorhabe, gehe ich gern mit Freunden spazieren.

 

Wie hast du dein Gehör verloren?

Daran kann ich mich gar nicht genau erinnern. Meine Großmutter hat mir erzählt, das es langsam nachließ. Als ich fünf war, wurde bei mir eine hochgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit diagnostiziert. Zu dieser Zeit hörte für mich die Welt des Klanges auf, zu existieren. Es ist mir sehr schwergefallen, mit Freunden zu kommunizieren. Meine Eltern erzählen, dass ich zu dieser Zeit keine vollständigen Sätze, nur einzelne Wörter sagen konnte. Da die Hörhilfen nichts mehr brachten, musste ich Lippenlesen lernen.

Nach einiger Zeit beschlossen meine Eltern, dass ein Cochleaimplantat das Richtige für mich sei. So erhielt ich 2007 im Alter von acht Jahren ein Implantat, und damit wurde alles anders.

 

Inwiefern hat sich dein Leben und das deiner Familie durch das CI verändert?

Nach der Aktivierung konnte ich sofort etwas hören. Die Zeit, die ich brauchte, um wieder hören zu lernen und die ganze Therapie zu durchlaufen, verging wie im Fluge, auch weil meine Familie mich so toll unterstützt hat. Schon kurz nach der Implantation konnte ich wieder ganz normal zur Schule gehen. Allmählich traten neue soziale Kontakte und neue Hobbies in mein Leben. Soweit ich mich erinnere, ging die Umstellung ganz schnell!

 

Wie und wann hast du angefangen, dich für das Klettern zu interessieren?

An meinem siebten Geburtstag planten meine Eltern eine Geburtstagsfeier für mich in einem Kletterpark. Um mich vor meinen Freunden nicht komplett zu blamieren, habe ich eine Zeitlang vor der Party geübt. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass mir das richtig Spaß macht, und nach dem Geburtstag begann ich, regelmäßig zu klettern. Zu Anfang habe ich ein oder zwei Mal pro Woche trainiert. Nach der Cochleaimplantation hat sich mein Gleichgewichtsgefühl spürbar verbessert und gleichzeitig wurde auch meine Technik immer besser. Als mir klar wurde, wie viel besser ich durch das Implantat geworden war, beschloss ich, ins Profilager zu wechseln.

 

Wie oft trainierst du?

Ich trainiere fünf Mal in der Woche, von Montag bis Freitag. Meist sind es zwei oder drei, manchmal aber auch vier Stunden am Tag. Das ist natürlich ziemlich anstrengend, zumal das Training sehr hart ist und ich nebenbei noch ein Studium zu bewältigen habe. Mein Trainer stellt mir unterschiedliche Kletteraufgaben, und wenn etwas nicht klappt, bespreche ich das hinterher mit ihm – warum es nicht funktioniert hat, was man besser machen könnte, wo ich mich mehr anstrengen oder an meiner Technik arbeiten muss. Dank meines Cochleaimplantats kann ich mich mit meinem Trainer und den anderen im Team, mit denen ich trainiere, optimal verständigen. Während des Trainings befestige ich den RONDO mit meinen Haaren; dort hält er wirklich gut und ist noch nie heruntergefallen.

 

Welche Bedeutung hat das Klettern für dich?

Mein Cochleaimplantat hat mir die Welt der Klänge zurückgegeben. Als ich mit dem Klettern begann, wurde ich noch offener und selbstbewusster. Mir gefällt der Kampfgeist, und ich versuche jeden Tag etwas Neues zu lernen – sowohl im Sport als auch im Studium. Dabei wird nicht nur mein Kopf, sondern auch mein Körper gefordert. Aber vor allem bieten mir die Wettkämpfe die Möglichkeit, viel zu reisen und neue Leute kennenzulernen.

 

Wie fühlt es sich an, bei Wettkämpfen auf so hohem Niveau dabei zu sein?

Ich habe an vielen internationalen Wettkämpfen teilgenommen, unter anderem vier Mal in Asien. Dank des Kletterns habe ich schon viele Länder besucht: Malaysia, Norwegen, Österreich und Indonesien. Es ist schon oft vorgekommen, dass Fans oder Leute vor Ort auf mich zugekommen sind, um sich mit mir zu unterhalten oder fotografieren zu lassen.  Es ist ein tolles Gefühl, dass ich selbstbewusst mit ihnen sprechen und kommunizieren kann.

 

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

In Japan stehen die asiatischen Meisterschaften an, und da möchte ich unbedingt hin. Was meine Ausbildung betrifft, möchte ich gern am zahnmedizinischen Institut der Universität von St. Petersburg studieren. Ich bin bereit für die Herausforderung und habe keine Angst, etwas Neues auszuprobieren!

 

Welchen Rat würdest du anderen jungen Menschen mit Hörverlust auf den Weg geben?

Dass sie im Leben immer dran bleiben müssen! Außerdem ist es wichtig, offen zu sein, Selbstbewusstsein zu entwickeln und einen Job zu finden, der einem Spaß macht. Und wer für ein Cochleaimplantat in Frage kommt, sollte keine Sekunde zögern und die Implantation sofort machen lassen!

 

 

Danke, Maria. Viel Glück bei den Wettkämpfen und dem Studium!

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