in Gastartikel

Wir haben hier einen Gastbeitrag von Cathrine Forsberg (im Bild oben in der Mitte, mit ihren beiden Töchtern), für die Musik schon immer das größte war und die ihr MED-EL Cochlea-Implantat vor sieben Monaten bekommen hat.

Ausgeschlossen aus der Welt des Hörens

Ich habe mein Gehör geschädigt, als ich 15 Jahre alt war, weil ich zu laut Musik mit Kopfhörern gehört habe. Im Laufe der Zeit wurde es immer schlechter, bis ich das Telefon nicht mehr hören konnte und Schwierigkeiten hatte, an Social Events teilzunehmen.

Dann, etwa drei Jahre nachdem ich schon nicht mehr telefonieren konnte, wurde es mir zu viel und ich sah mich nach einer Lösung um. Von Cochlea-Implantaten hatte ich schon Mitte der 1990er Jahre gehört, als eine Freundin von mir eines bekam. Ich erwog, mir selbst eines implantieren zu lassen. Demzufolge scheute ich aber die Operation, weil ich Musik so liebe und es schien, dass das Cochlea-Implantat mehr für die Wahrnehmung von Sprache und weniger für Musik geeignet war, die so eine wichtige Rolle in meinem Leben spielte.

Aber je stärker mein Hörvermögen abnahm, desto mehr erfuhr ich über Implantate. Eines Tages sagte jemand zu mir: „Wenn du kein Cochlea-Implantat willst, weil du vielleicht keine Musik mehr hören kannst, musst du dich erst einmal fragen, wie viel Musik du denn jetzt noch hörst.“

Ich musste zugeben, dass ich eigentlich nur noch die Bässe hörte. Von der Musik selbst blieb war mir nur die Erinnerung geblieben. Da wurde mir klar, dass ich nichts zu verlieren hatte. Ich war schon jetzt unglaublich isoliert und konnte die Musik, für die ich so schwer gekämpft hatte, gar nicht mehr hören.

Den Ausschlag gaben dann einige Leute in meinem Bekanntenkreis, die mir erzählten, dass sie mit dem Implantat tatsächlich feine Nuancen in der Musik hören konnten. Von da an war ich überzeugt, dass ein Implantat genau das Richtige für mich ist.

Entscheidung für MED-EL wegen MRTs

Als es dann an die Auswahl des Implantats ging, hatte ich drei Optionen. Ich hatte das Glück, dass MED-EL gerade ein Implantat entwickelt hatte, das für wesentlich stärkere MRTs geeignet war als andere Modelle. Ich trage mein Cochlea-Implantat jetzt seit sieben Monaten und im Nachhinein kann ich nur lachen, wenn ich daran denke, wie alles klang, als ich nach dem Aktivierungstag das Krankenhaus verließ. Alles klang wie Polizeisirenen oder als würde jemand auf einer Säge spielen. Und wenn Leute sprachen, klangen sie wie Donald Duck auf Helium. Dementsprechend hatte ich Angst, dass dies immer so bleiben würde. Noch am selben Abend gingen mein Mann und ich mit dem Hund spazieren. Er sagte einige kurze Wörter, ohne dass ich ihn ansah. Und trotz all der Umgebungsgeräusche verstand ich fast jedes davon. Allerdings hatte ich zu dieser Zeit noch Probleme mit bestimmten Buchstaben wie „s“ und „f“.

Die Klänge, die ich wahrnahm, änderten sich mit jedem Tag. Eines Tages saß ich im Wohnzimmer und hörte ein Piepen. Ich dachte, es käme vom Fernseher. Ich schaltete ihn aus, aber das Piepen ging weiter. Demzufolge machte ich mich auf die Suche. Ob es vielleicht das Telefon war (Fehlanzeige), mein Wecker (Fehlanzeige), ich prüfte die Eingangstür (Fehlanzeige), den Feuermelder (Fehlanzeige)… bis ich schließlich feststellte, dass es der Warnton für niedrigen Batterieladestand in meinem Audioprozessor war. Haha! Es ist wie eine Hörkrimi: Ich war der Detektiv, der herausfinden muss, was ich da gerade hörte.

Völlig neue Geräusche

Menschen in meiner Umgebung sagten mir: „Das ist ein Vogel“, „Das ist unser Hund, der draußen bellt“ oder „Das ist ein fahrendes Auto“. Je mehr ich verstand und je mehr Klänge ich ihrem Ursprung zuordnen konnte, desto differenzierter wurde der Klang.

Ich gehe jeden Morgen mit dem Hund raus. Und nach der Aktivierung meines Cochlea-Implantats fiel mir ein bestimmtes Geräusch ganz besonders auf. Obwohl mein Mann mir sagte, dass es die Vögel seien, konnte ich das nicht zuordnen. Dementsprechend kam nach ein paar Monaten der Frühling und mir wurde mit einem Schlag klar, so klingen Vögel. Seitdem höre ich sie jeden Morgen. Wenn ich jetzt dem Vogelgezwitscher lausche, versuche ich zu erkennen, wo der Vogel sitzt und wie er klingt. Das war vor etwa einem Monat und mir ist jetzt klar geworden, dass ich den Unterschied zwischen den Vogelarten hören konnte, weil die Geräusche, die sie machten, für mich wie Musik waren.

Es ist wie ein Hörkrimi. Ich habe viel geweint, aber es waren nur Freudentränen.

Dank meines Cochlea-Implantats habe ich auch einen Job gefunden. Die Arbeit mit Behinderten und älteren Menschen macht mir Spaß und ich kann jetzt auch hören, was die Patienten und die Mitarbeiter sagen. Daneben absolviere ich gerade ein Vollzeitstudium an der Universität und will später als Beraterin für Behinderte arbeiten.

Zumindest in einer ruhigen Umgebung kann ich auch wieder telefonieren. Ich höre, wenn mein Hund im Garten bellt. Und ich habe es auch schon geschafft, trotz Hintergrundgeräuschen ohne Untertitel fernzusehen. Und schließlich hat mein Audiologe bei der Programmierung meines Audioprozessors so eingestellt, dass ich mich in einer Kneipe selbst dann noch unterhalten kann, wenn im Hintergrund eine Live-Band spielt. Ich kann Musik jetzt auch wieder differenzierter hören und bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass sie wieder eine sehr große Rolle in meinem Leben übernehmen wird.

Seit ich das Cochlea-Implantat habe, bin ich wild entschlossen, alles auszuprobieren, obwohl ich oft schon geglaubt habe, dass ich nie wieder aktiv würde hören können. Es hat viel Kraft und Durchhaltevermögen gekostet, aber dank dieser Arbeit konnte ich nicht nur mein auditorisches Gedächtnis trainieren, sondern auch meine Ängste überwinden. Auch die Termine beim Audiologen laufen viel besser, weil ich jetzt erklären kann, wie mein Audioprozessor angepasst werden soll. Anschließend habe ich für meinen Audioprozessor genau das Programm bekommen, das meiner Lebensweise entspricht. Mit viel Musik, vielen sozialen Kontakten und einer meinem Ausbildungsstand angemessenen Arbeit im Kreise der Kollegen.

Anfangs war ich zögerlich, aber das Cochlea-Implantat hat mir mein Leben zurückgegeben. Jeden Tag entdecke ich spannende neue Klänge und der Krimi ist noch lange nicht zu Ende.

Danke, Cathrine!

 

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