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BONEBRIDGE oder BAHA? Wenn es um die Wahl eines Knochenleitungsimplantats geht, gibt es einige Dinge zu beachten. Es gibt verschiedene Modelle, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Um herauszufinden, welches am besten für Sie geeignet ist, sollten Sie die unterschiedlichen Funktionsweisen kennen.

Das Prinzip der Knochenleitung

Ein Knochenleitungssystem ist für Menschen konzipiert, deren Außen- oder Mittelohr nicht in der Lage ist, Schallwellen an das funktionstüchtige Innenohr zu übertragen. Man bezeichnet dies als Schallleitungshörverlust oder kombinierten Hörverlust.

Hier sehen Sie, wo sich Außen- und Mittelohr befinden:

Das System überwindet dieses Hindernis, indem es die Schädelknochen in Schwingungen versetzt. Diese sind so schwach, dass man sie nicht spürt, und übertragen die Schallwellen an das Hörorgan, die Cochlea. So kann jemand mit einem gemischten oder Schallleitungshörverlust hören.
Die meisten Knochenleitungssysteme bringen das Schläfenbein zum Schwingen, da es dem Innenohr am nächsten liegt. Hier sehen Sie, wo sich das Schläfenbein befindet:

Arten von Knochenleitungsimplantaten

Nicht alle Knochenleitungshörgeräte sind Implantate. Es gibt auch implantationsfreie Lösungen wie Kopfbänder oder das revolutionäre ADHEAR, welche nur auf der Außenseite des Kopfes getragen werden.

Bei Knochenleitungsimplantaten ist eine kleine Operation nötig, um das Gerät direkt im Schädelknochen zu platzieren. Auf der Außenseite am Kopf tragen Sie einen Audioprozessor, der auf irgendeine Weise mit dem Implantat verbunden ist. Es gibt drei Hauptarten von Knochenleitungsimplantaten:

Ein BAHA ist im Grunde eine Metallschraube, die in den Schädelknochen gebohrt wird. Das Ende der Schraube, auch Schnappkupplung genannt, ragt dabei durch die Haut und der Audioprozessor wird daran befestigt. Der Audioprozessor vibriert, wodurch die Schraube und somit auch der Knochen in Schwingung versetzt wird und so Schallwellen zur Cochlea gesendet werden.

Ein magnetisches BAHA nützt eine sehr ähnliche Technologie. Die Schraube wird ebenfalls im Knochen verankert. Aber anstatt einer Schnappkupplung am Ende befindet sich dort eine kleine Metallplatte. Über dieser Platte kann die Haut vollständig heilen. Der Audioprozessor wird auf der Außenseite des Kopfes getragen und wird mithilfe eines starken Magneten befestigt. Der Audioprozessor vibriert und versetzt so die Haut und dann die Metallplatt, die Schraube und schließlich den Knochen in Schwingung, wodurch wiederum Schallwellen zur Cochlea gesandt werden.

Ein aktives Knochenleitungsimplantat wie die BONEBRIDGE wird in den Knochen implantiert und die Haut kann vollständig darüber heilen. Wie beim magnetischen BAHA wird der Audioprozessor mit einem Magneten über dem Implantat befestigt. Aber im Gegensatz zum magnetische BAHA ist es bei der BONEBRIDGE nicht der Audioprozessor der vibriert, sondern das Implantat selbst. Der Prozessor sendet drahtlose elektronische Signale durch die Haut zum Implantat. Das Implantat versetzt dann den Knochen in Schwingung und Schallsignale werden an die Cochlea gesendet.

 

Fünf Gründe für eine BONEBRIDGE

1.      Ein kleiner und leichter Prozessor

Da sich der Teil des BONEBRIDGE, der den Knochen zum Schwingen bringt, vollständig unter der Haut befindet, kann der externe Audioprozessor dünn und leicht gehalten werden. Er braucht nur eine Batterie und einen Computer-Chip, der Schallwellen in drahtlose elektrische Signale umwandelt, die zum Implantat gesendet werden.

Der neueste BONEBRIDGE Audioprozessor, SAMBA, ist gerade einmal 10 mm dick und wiegt 9 g mit Batterie. Damit ist er so klein, dass Sie kaum bemerken werden, dass Sie ihn tragen!

 

2.      BONEBRIDGE ist gut für Ihre Haut

Ein kleiner und leichter Audioprozessor ist nicht der einzige Grund, sich für eine BONEBRIDGE zu entscheiden.

Bei einem regulären BAHA ragt die Schnappkupplung durch die Haut, wodurch eine dauerhafte Wunde entsteht. Das bedeutet ein hohes Risiko für Hautinfektionen – tatsächlich zeigen Studien, dass 70% aller Kinder mit BAHA an Hautkomplikationen leiden1.

Nutzer eines magnetischen BAHA haben ebenfalls oft Probleme mit der Haut. Denn der Audioprozessor muss sehr fest gegen die Haut gepresst werden, ansonsten können die Vibrationen des Audioprozessors nicht den Knochen erreichen. Daher müssen die Magneten eines magnetischen BAHA viel Druck auf die Haut ausüben – vier Mal mehr Druck als die BONEBRIDGE Magneten2. Dieses konstante Zusammenpressen der Haut kann bei Nutzern eines magnetischen BAHA für wunde Stellen und Hautirritationen sorgen, was das Tragen des Audioprozessors schmerzhaft macht.

Der Audioprozessor der BONEBRIDGE hingegen muss nicht so fest auf die Haut gedrückt werden. Da die BONEBRIDGE die Haut nicht zusammenpresst, kommt es kaum zu Reizungen. Das bedeutet, dass Sie den Audioprozessor den ganzen Tag komfortabel tragen und gut hören können!

 

3.     BONEBRIDGE ist das fortschrittlichste aktive Knochenleitungsimplantat.

MED-EL hat bei der Herstellung von „Unter-der-Haut“-Knochenleitungshörimplantaten Pionierarbeit geleistet: Das ursprüngliche BONEBRIDGE Implantat war das erste seiner Art und wurde bereits 2012 eingeführt. In der Zwischenzeit haben wir mit Ihnen und Ihren Ärzten zusammengearbeitet, um herauszufinden, was gut funktioniert und woran wir noch arbeiten können. All diese Erfahrungen sind in die neueste Generation des BONEBRIDGE Implantats geflossen und tatsächlich ist die BONEBRIDGE das einzige aktive Knochenleitungsimplantat in seiner zweiten Generation. Für Sie bedeutet das, dass Sie von der fortschrittlichsten Knochenleitungstechnologie am Markt profitieren können.

 

4.     BONEBRIDGE ist das einzige wasserdichte Knochenleitungsimplantat

Sie haben richtig gelesen, die BONEBRIDGE ist das einzige weltweit erhältliche wasserdichte Knochenleitungsgerät. Das bedeutet, dass Sie schwimmen gehen, Zeit am Strand oder einfach baden und gleichzeitig die Welt hören können.

Dafür geben Sie Ihren SAMBA Audioprozessor einfach in die wasserdichte WaterWear-Hülle und schon können Sie ab- und eintauchen! Ihr SAMBA bleibt dabei schön trocken während Sie schwimmen, tauchen oder einfach nur Spaß im Wasser haben.

Und weil die BONEBRIDGE keine offene Wunde hinterlässt, sind Sie im Wasser auch nicht dem Risiko für Hautinfektionen ausgesetzt.

 

5.     BONEBRIDGE bietet Ihnen hervorragende Klangqualität

Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem leeren Raum und unterhalten sich mit jemandem. Sie können ziemlich deutlich hören, was die Person sagt. Dann gehen Sie in den nächsten Raum, schließen die Tür und schon wird es viel schwieriger. Das liegt daran, dass die Schallwellen nun durch die Tür wandern müssen, um zur anderen Person zu gelangen.

Dasselbe gilt für Knochenleitungsimplantate. Wenn Ihr Knochenleitungsimplantat die Vibrationen direkt auf den Knochen übertragen kann – auch direkte Schallübertragung genannt – erhalten Sie eine klarere Klangqualität. Wenn man aber eine „Tür“ in den Weg stellt, wird es schwieriger zu hören. Ein magnetisches BAHA hat so eine „Tür“: die Haut. Während die Schallvibrationen vom Audioprozessor durch die Haut zum Knochen wandern werden sie schwächer und daher ist es schwieriger die gleiche Klangqualität zu erreichen.

Das BONEBRIDGE Implantat nutzt direkte Schallübertragung, um den Knochen direkt zu vibrieren – die Vibrationen müssen nicht zuerst die Haut überwinden. Ohne störende „Türen“ können Sie mit Ihrer BONEBRIDGE hervorragende Klangqualität erleben und Ihr bestes Hörvermögen genießen.

 

Erfahren Sie mehr über die BONEBRIDGE und wie Sie vom Prinzip der Knochenleitung profitieren könnten.

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Referenzen:

1 Jonathan Mark Fussey, Emilie Harterink, Jaspreet Gill, Anne Child-Hymas, Ann-Louise McDermott (2018): “Clinical outcomes following Cochlear™ BIA300 bone anchored hearing aid implantation in children”. International Journal of Pediatric Otorhinolaryngology 111 (2018) 89–92.

2 Daten zum Baha Attract System: Briggs et al.: Clinical Performance of a New Magnetic Bone Conduction Hearing Implant System: Results from a Prospective, Multicenter, Clinical Investigation. Otol Neurotol, 2015 Jan. Data zur BONEBRIDGE: interne MED-EL Messungen.

 

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