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MED-EL Grenzenlos – Emilias Ausstauschjahr in Costa Rica / Teil 4

Im Februar haben wir zuletzt von Emilia gehört. Jetzt, nur drei Monate später, hat sich Emilias Situation komplett verändert. Nach interessanten Erlebnissen an einer neuen Schule und den Besuchen in wunderschönen Nationalparks, sind die Einschränkungen rund um die COVID-19-Pandemie auch in Costa Rica angekommen. Emilia musste den Austausch vorläufig abbrechen und ist nun wieder zu Hause in Deutschland bei ihren Eltern. Lesen Sie selbst, wie Emilia diese gefühlsmäßige Achterbahnfahrt erlebt hat.

Ferienzeit ist die schönste Zeit

Seit meinem letzten Beitrag, in dem es hauptsächlich um meine Sommerferien ging, ist echt viel passiert, wie Du im Laufe dieses Beitrages feststellen wirst! Aber fangen wir von vorne an: Nachdem ich aus der Tierauffangstation zurückgekommen bin, hatte ich noch ungefähr anderthalb Monate Ferien, die ich hauptsächlich damit verbracht habe, mich mit Freunden zu treffen. Wir sind dann oft in die Mall, Essen oder ins Kino gegangen, haben aber auch gepicknickt oder uns durch die Klamotten in coolen Vintage-Läden, sowie auf Flohmärkten mit Streetfood gewühlt. Eines meiner Highlights war aber definitiv eine Mall in der Provinz Heredia, die nördlich der Hauptstadt liegt. In dieser Mall gab es einfach alles! Abgesehen von den normalen Klamotten-Läden und Restaurants gab es nämlich auch viele tolle Aktivitäten wie Lasertag, oder Indoor-Klettern mitten in der Mall! Außerdem gab es auch eine riesige, hochmoderne Dachterrasse, von wo aus man sogar das Meer sehen kann! Ansonsten habe ich noch mit einer meiner besten Freundinnen deren Geburtstag gefeiert oder auch mal ein entspanntes Wochenende mit meiner Gastfamilie an einem Strand am Pazifik verbracht. Leider nahmen die Ferien danach auch sehr schnell ein Ende und es ging wieder in die Schule, was aber auch irgendwo aufregend war, da ich in diesem Halbjahr eine öffentliche Schule besuchen sollte.

 

Nach den Ferien: Schulwechsel auf eine öffentliche Schule

Es war auf jeden Fall nochmal etwas ganz anderes als auf der privaten Schule, die ich zuvor besucht habe, wo ich nur das reiche Costa Rica kennengelernt habe, was auch für die Gastfamilie gilt. Ich wollte also bewusst auch das „ärmere“ Costa Rica kennen lernen. Mir war jedoch vor meinem ersten Schultag trotzdem etwas mulmig, da mir zuvor Sachen über meine Schule zugetragen wurde, wie, dass es ständig Prügeleien gäbe und Diebstahl oft vorkäme. Zum Glück habe ich mir ein eigenes Bild gemacht und weiß nun, dass all das nicht der Fall war auf dieser Schule. Allgemein war es zwar schon ein großer Kontrast zur Privatschule aber die Armut war nicht so groß, wie gedacht. So erfuhr ich zum Beispiel an meinem ersten Schultag auf einer Infoveranstaltung in der Schule, wo es um Universitäten ging, dass meine Freundinnen von der neuen Schule alle studieren wollen nach Beendigung des Schuljahres (In Costa Rica macht man sein Abitur schon im elften Schuljahr, das auch mein Schuljahr war). Das hat mich zuerst sehr überrascht, da mir vorher vermittelt wurde, dass nur die reichen studieren gehen in diesem Land, da es viel Geld kostet. Ich hatte auch vorher Sorge, dass es irgendwie angeberisch rüberkommen könnte, wenn ich mein iPhone raushole, wurde aber eines Besseren belehrt, als ich sah, dass mindestens die Hälfte aller Schüler witzigerweise ein viel neueres und „besseres“ Handy hatten als ich. Die öffentliche Schule war allgemein also eine sehr interessante und auch tolle Erfahrung, die aber manchmal auch echt langweilig wurde, da ich von nun an bis zu 10 Stunden Schule am Tag hatte und manche Lehrer des Öfteren gar nicht erst zum Unterricht erschienen. Dies führte naheliegenderweise dazu, dass ich die Wochenenden herbeisehnte, auch um sich mit Freunden treffen zu können, wie ich es in den Ferien nahezu jeden Tag getan habe.

Wunderschöne Naturerlebnisse: Immer wieder der Pazifik, ein toller Nationalpark und ein Vulkan, der sich hinter Wolken versteckt

An einem Wochenende Anfang März ging es dann auf einen von meiner Austauschorganisation durchgeführten Ausflug in den berühmten Manuel Antonio Nationalpark am Pazifik (manuelantoniopark.com), wo wir von einem wunderschönen Strand im Nationalpark überrascht wurden, sowie von den Affen, die dort überall herumturnten. Nachdem wir zwei schöne Tage dort verbracht haben, ging es auch schon wieder zurück in die Hauptstadt San Jose. Mein Highlight des Ausfluges war allerdings ein Fluss, an dem wir auf dem Rückweg Halt machten und ausstiegen, denn dort sonnten sich und schwammen unzählige Krokodile in freier Wildbahn!!! Und das direkt unter der Straße, die an dieser Stelle über eine Brücke führte! Zuhause angekommen, machte ich mich erneut ans Kofferpacken, denn in wenigen Tagen stand das Wiedersehen mit meinen Eltern sowie eine zweiwöchige Reise durch Costa Rica an! Am 13.03 war es dann soweit, ich traf meine Eltern, die mich mit mehreren Tafeln Kinderschokolade empfingen und wir gingen in einem Cafe essen. Es war auf jeden Fall nicht so anders als sonst, da ich in den vergangenen Monaten immer noch relativ viel aus dem Leben zuhause in Deutschland mitbekommen habe und auch des Öfteren mit meinen Eltern telefoniert habe. Wir entschlossen uns, noch am selben Tag zum Vulkan „Arenal“ zu fahren, da ich schon einmal dort war und es mir sehr gut gefallen hat. Also verbrachten wir dort einen schönen Tag, indem wir zum Wasserfall wanderten und dort auch schwammen. Am nächsten Tag sind wir dann aber auch schon aufgebrochen und weitergefahren, da es extrem bewölkt war, und man absolut nichts von dem Vulkan gesehen hat und es sich bei dem Wetter auch nicht gelohnt hätte in den Nationalpark des Vulkans zu gehen. Auf dem Weg zum nächsten Stopp, dem Monteverde Nebelwald, stießen wir überaschenderweise auf eine deutsche Bäckerei, zu der auch ein Cafe gehörte. Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, herein zu gehen. So kam es, dass ich kurze Zeit später, das erste Mal nach fast 8 Monaten deutsches Brot aß, begleitet von einer Portion leckerer Käsespätzle. Die Betreiber der Bäckerei (natürlich deutsche) erzählten uns, dass dies die einzige deutsche Bäckerei in ganz Costa Rica sei. Was ein Glück, dass wir dort gelandet sind! In Monteverde angekommen, genossen wir erstmal den Ausblick. Wir waren in einem kleinen Häuschen im Hochland untergebracht, mit tollem Ausblick auf den Pazifik. Da es schon dämmerte, zogen wir uns warm an, denn wir hatten uns für eine Nachtwanderung im Dschungel gemeldet. Ich hatte nicht so besonders große Erwartungen, da ich dachte, schon alle Tiere, die Costa Rica zu bieten hat, gesehen zu haben. Ich sah zwar auch viele Tiere, wie Faultiere, Kolibris und die für Costa Rica typischen blauen Schmetterlinge, jedoch auch Tiere, die ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen habe, wie Fledermäuse, giftgrüne Schlangen und Gürteltiere! So eine Nachtwanderung würde ich jedem empfehlen, der nach Costa Rica reist, denn man sieht und erfährt durch die gut ausgebildeten Guides extrem viel über die Tiere, die man sonst niemals entdeckt hätte! Am nächsten Tag besuchten wir dann den Monteverde Naionalpark (monteverdeinfo.com), der besonders für meine wanderbegeisterten Eltern, die ja auch noch nicht so viel von der Natur des Landes gesehen haben, toll und interessant war.

Karibik mit Corona – schön, aber auch traurig

Am nächsten Tag fuhren wir dann in die Karibik, zu einem tollen Haus, dass bei Puerto Viejo, beinahe in Panama lag. Dort hat es mir auch sehr gut gefallen, jedoch wurde die Stimmung etwas getrübt vom Coronavirus, der auch der Grund war, weshalb alle Straßen in der sonst so lebensfrohen Stadt sehr leer waren. Auch wir gingen deshalb leider nicht viel hinaus – außer manchmal zum Strand nahe des Hauses, wo wir beinahe die einzigen waren. In der Gegend gab es zwar noch keine bestätigten Coronainfektionen, im Gegensatz zur Hauptstadt San Jose, jedoch geht Vorsicht vor. Allgemein ist das Thema immer präsenter geworden, vor allem durch die Nachrichten aus Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien beispielsweise, aber auch dadurch, dass ich von Freunden mitbekommen habe, dass ihre Organisationen alle Auslandsaufenthalte abgebrochen haben. Vielleicht hast Du Dich schon gewundert, warum ich einige meiner alltäglichen Tagesabläufe in der Vergangenheit beschrieben habe. Das hat den Grund, dass auch mein Auslandsjahr leider abgebrochen wurde, sowohl von meiner Organisation als auch vom deutschen Staat, der Costa Rica als Risikoland in Bezug auf die Coronakrise eingestuft und ein Rückholprogramm für alle, vorrangig für die minderjährigen und die älteren Leute, gestartet hat. Das hat dazu geführt, dass ich mit meinen Eltern verfrüht Richtung San Jose aufbrechen musste, um den Rückflug nach Deutschland wahrzunehmen, der von der deutschen Botschaft dort organisiert wurde. Ich bin jetzt also wieder in Deutschland, habe das aber noch nicht wirklich realisiert.

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