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Für diejenigen unter Ihnen, die Knochenleitungsimplantate bzw. -systeme noch nicht kennen, haben wir hier ein paar Informationen zur Knochenleitung zusammengestellt und zeigen auf, welche Systeme es in diesem Bereich gibt.

Wenn Sie die Anschaffung eines Knochenleitungshörsystems erwägen, gibt es ein paar wesentliche Modelle, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Um herauszufinden, welches für Sie am besten geeignet ist, sollten sie die unterschiedlichen Funktionsweisen kennen.

Das Prinzip der Knochenleitung

Ein Knochenleitungssystem ist für Menschen konzipiert, deren Außen- oder Mittelohr nicht in der Lage ist, Schallwellen an das funktionstüchtige Innenohr zu übertragen. Man bezeichnet dies als gemischten oder Schallleitungshörverlust.

Hier sehen Sie, wo sich Außen- und Mittelohr befinden:

middle ear and outer ear

Das System überwindet dieses Hindernis, indem es die Schädelknochen in Schwingungen versetzt. Diese sind so schwach, dass man sie nicht spürt, und übertragen die Schallwellen an das Hörorgan, die Cochlea. So kann jemand mit einem gemischten oder Schallleitungshörverlust hören.
Die meisten Knochenleitungssysteme bringen das Schläfenbein zum Schwingen, da es dem Innenohr am nächsten liegt.

Hier sehen Sie, wo sich das Schläfenbein befindet:

temporal-bone-2

Arten von Knochenleitungsimplantaten und -systemen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Schläfenbein zum Schwingen zu bringen:

  1. Knochenleitungshörgeräte mit Stirnband übertragen die Schwingungen über die Haut auf das Schläfenbein und sind rein extern.
  2. Knochenverankerte Hörgeräte BAHA (Bone Anchored Hearing Aid) versetzen eine in den Knochen eingebohrte Metallschraube in Schwingungen. Der Audioprozessor bringt entweder eine Schraube zum Schwingen, die durch die Haut hindurch geht, oder wird mit einem Magneten an einer unter der Haut befindlichen Metallschraube gehalten.
  3. Knochenleitungsimplantate werden in den Knochen implantiert und befinden sich komplett unter der Haut. Der Audioprozessor wird von einem Magneten am Implantat gehalten und überträgt seine Schalldaten drahtlos dorthin.

Das BONEBRIDGE gehört zu dieser dritten Bauart und ist die Lösung, die wir aus folgenden Gründen befürworten:

BONEBRIDGE-Bone-Conduction-Implant-with-SAMBA-Audio-Processor-3

Drei Gründe für die Klangqualität des BONEBRIDGE

1.      Ein kleiner und leichter Prozessor

Da sich der Teil des BONEBRIDGE, der den Knochen zum Schwingen bringt, vollständig unter der Haut befindet, kann der externe Audioprozessor dünn und leicht gehalten werden. Er braucht nur eine Batterie und einen Computer-Chip, der Schallwellen in drahtlose elektrische Signale umwandelt.

Der neueste BONEBRIDGE Audioprozessor, SAMBA, ist gerade einmal 10 mm dick und wiegt 9 g mit Batterie.

Damit ist er nicht nur angenehmer zu tragen, sondern hält auch länger: bis zu 50 %.1

2.      Unter der Haut oder durch die Haut?

Ein kleiner und leichter Audioprozessor ist nicht der einzige Grund, weshalb ein Implantat unter der Haut zu bevorzugen ist. Es trägt sich einfach angenehmer.

Die Alternativen sind ein Stirnband, das sehr unbequem sein und zu Deformationen des Schädelknochens führen kann,2 oder ein BAHA mit seiner Verankerung und einer durchschnittlichen Komplikationsrate von 23,9 %.3 Mit BONEBRIDGE verheilt die Haut vollständig und das Implantat ist komplett verborgen. Der Audioprozessor wird über die Anziehungskraft des Magneten so sicher an der Haut gehalten, dass er nicht herunterfallen kann, aber auch nicht so fest sitzt, dass er Unbehagen hervorruft (ähnlich wie der Magnet eines Cochleaimplantats).

3.      Aktive Knochenleitung

Und da das Implantat unter der Haut sitzt, überträgt es die Schallschwingungen direkt auf den Knochen. Damit wird nicht nur das Hören angenehmer, auch die Hörqualität ist besser.4

Die Dicke der Haut über dem Schädelbein variiert etwa von 2 bis 8 mm,5 was bei Verwendung eines Stirnbands oder BAHAs bedeutet, dass dieser ganze Hautanteil mitschwingen muss, damit die Schallwellen zum Knochen gelangen. Die Haut dämpft die Lautstärke der hohen Töne und verzerrt damit den Klang. Damit ist das BONEBRIDGE nicht nur effizienter, weil es den Knochen direkt in Schwingung versetzt, sondern klingt auch besser.4

 

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Referenzen:

  1. Die durchschnittliche Tragezeit in der klinischen BONEBRIDGE Studie lag bei 10,6 Std./Tag. Beim Baha Attract wurde von einer durchschnittlichen Tragezeit von 7 Std. berichtet (Cochlear-Produktvorstellung, LION Broadcast, 10. Dezember 2013)
  2. Raicevich, G., Burwood, E., Dillon, H. (2008) Taking the Pressure Off Bone Conduction Hearing Aid Users. The Australian and New Zealand Journal of Audiology. 30(2): 113-8. DOI: 10.1375/audi.30.2.113.
  3. Hobson, J.C., Roper, A.J., Andrew, R., Rothera, M.P., Hill, P., & Green, K.M. (2010) Complications of bone-anchored hearing aid implantation. The Journal of Laryngology & Otology. 124(2): 132-136. doi: 10.1017/S0022215109991708.
  4. Håkansson, B., Eeg-Olofsson, M., Reinfeldt, S., Stenfelt, S., & Granström, G. (2008) Percutaneous versus transcutaneous bone conduction implant system: a feasibility study on a cadaver head. Otology & Neurotology 29(8): 1132-9. doi: 10.1097/MAO.0b013e31816fdc90.
  5. Taghavi, H. (2014) The Bone Conduction Implant (BCI) Preclinical Studies, Technical Design and a Clinical Evaluation (Doctoral thesis, Chalmers University of Technology, Goteborg, Sweden) Retrieved from http://publications.lib.chalmers.se/records/fulltext/193305/193305.pdf.

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